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Missbrauch Bündnis gegen Kindesmissbrauch

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung und der Zentralrat der Muslime wollen gemeinsam gegen Kindesmissbrauch vorgehen. Es geht dabei besonders um den Schutz von Geflüchteten.

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, und der Zentralrat der Muslime in Deutschland wollen gemeinsam gegen Kindesmissbrauch vorgehen. Von 13 Millionen Kindern und Jugendlichen in Deutschland seien mindestens eine Million Muslime, darunter viele Flüchtlingskinder, sagte Rörig. Im Jahr 2016 gehöre Missbrauch immer noch zum „Grundrisiko einer Kindheit in Deutschland. Studien belegen, dass etwa zehn Prozent aller Kinder sexuelle Gewalt erfahren.“ Dies gelte es zu bekämpfen – unabhängig davon, welche Herkunft, welche Religionszugehörigkeit und welchen Aufenthaltsstatus die Kinder hätten, so Rörig.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, erläuterte, was nun in den kommenden Monaten praktisch geschehen soll: Der Zentralrat, einer der vier großen muslimischen Dachverbände in Deutschland, wolle das Gespräch mit den eigenen Moscheevorständen und in den Gemeinden suchen, um über sexuellen Missbrauch aufzuklären, sagte er. Dabei solle unter anderem in Fortbildungen für die Erkenntnis sensibilisiert werden, dass sich der Missbrauch vor allem im Freundeskreis, in der Nachbarschaft und in der Familie selbst ereigne.

Als ersten Schritt hat der Zentralrat gemeinsam mit dem Missbrauchsbeauftragten einen Informationsflyer in drei Sprachen – Deutsch, Arabisch und Türkisch – herausgegeben. Der Missbrauchsbeauftragte Rörig arbeitet bereits mit den christlichen Kirchen, der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden, den Sport- und Jugendverbänden zusammen. Die katholische und die evangelische Kirche waren von schweren Missbrauchsskandalen erschüttert worden.

Flüchtlingskinder schützen

Mazyek sagte, es gebe keinen bestimmten Anlass dafür, die Zusammenarbeit gerade jetzt aufzunehmen. „Uns geht es darum, unseren Part als Muslime und als Bürger in diesem Land wahrzunehmen“, sagte er. Das ergebe sich auch aus dem religiösen Verständnis, dass Kinder nicht irgendjemandem gehörten, sondern von Gott anvertraut und daher zu schützen seien.

Sowohl Rörig als auch Mazyek kritisierten, die große Koalition tue zu wenig für einen besseren Schutz von Kindern in Flüchtlingsheimen. Er habe größten Respekt vor dem ehrenamtlichen Engagement vieler Menschen dort, sagte Rörig. Dennoch müsse er warnen: „Vermeintliche Helfer, Wachleute und auch Bewohner von Unterkünften haben einen viel zu leichten Zugang zu Flüchtlingskindern.“ Sie könnten sehr leicht Nähe herstellen und ausnutzen. Deshalb sei es falsch, dass die Bundesregierung es versäumt habe, wichtige gesetzliche Schutzstandards für die Kinder im Asylpaket II festzuschreiben. Dabei gehe es um eine gute Schulung der Helfer, aber auch um räumliche Mindeststandards wie eine separate Unterbringung von alleinstehenden Müttern mit ihren Kindern.

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung sagte, die Zusammenarbeit mit dem Zentralrat öffne „eine erste Tür in einem muslimischen Verband für einen besseren Schutz der Mädchen und Jungen“. Der Zentralrat repräsentiert nach eigenen Angaben mit etwa 300 Moscheegemeinden nur wenige der mehr als vier Millionen Muslime in Deutschland. Rörig erklärte, er hoffe, dass andere muslimische Verbände, wie die Türkisch Islamische Union (Ditib), dem Beispiel des Zentralrats zügig folgen.

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