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Militär Russland auf dem Kriegspfad

Russland will seine Militärpräsenz an den Grenzen zum Westen deutlich aufstocken. Verteidigungsminister Sergej Schojgu hält die Aufstellung der Divisionen im Westen eine „besonders wichtige Aufgabe“.

Den Russen lieb und teuer: möglichst viele, große, aggressiv wirkende Panzer. Wie hier der neue T-14 „Armata“ auf Parade. Foto: REUTERS

Russlands Armee erhöht ihre Truppenstärke an der Westgrenze. Verteidigungsminister Sergej Schojgu kündigte am Dienstag überraschend die umgehende Aufstellung von drei neuen Divisionen an. Dazu müssten entsprechende Unterkünfte und Waffenübungsplätze errichtet werden. Schojgu sprach über die Aufgabe der Armee für das Jahr 2016 und nannte die Aufstellung der Divisionen im Westen eine „besonders wichtige Aufgabe“.

Schojgu ließ offen, ob er bei den neuen Divisionen solche des Heeres, der Luftwaffe oder der Luftlandetruppen sprach (letztere sind in Russland ein separater Teil der Streitkräfte). Eine Heeresdivision umfasst rund 10 000 Mann kämpfender wie nicht kämpfender Verbände.

In jedem Fall würde es sich um eine deutliche Aufrüstung handeln und damit um ein Zeichen, dass Russland sich auf eine militärische Auseinandersetzung mit westlichen Nachbarn vorbereitet. Wie der Moskauer Militärexperte Ruslan Puchow der FR sagte, ist allein das schon neu: „Trotz aller anti-westlichen Rhetorik hat Russland in den letzten 20 oder 25 Jahren sich nie wirklich auf einen bewaffneten Konflikt im Westen vorbereitet. Jetzt sind wir in einer veränderten Situation.“ Erst vor zwei Wochen legte Präsident Wladimir Putin eine neue „Nationale Sicherheitsstrategie“ vor. Darin wird erstmals die Nato ausdrücklich als Gefahr für Russlands Sicherheit bezeichnet.

Neu ist aber auch die Schaffung von Divisionen an sich. Unter Schojgus Vorgänger Anatoli Serdjukow hatte die russische Armee auf diese großen Einheiten weitgehend verzichtet. Das war Teil einer radikalen Armeereform, die Russlands Streitkräfte verschlanken und auf ständig einsatzbereite Brigaden reduzieren sollte. Brigaden können wie Divisionen eigenständig operieren, sind aber kleiner und dadurch mobiler und schneller.

Nicht zuletzt die Erfahrungen des Georgien-Krieges 2008 hatten zu Serdjukows Reform beigetragen. Nun scheint man vom Brigade-Prinzip wieder zu den Divisionen zurückzukehren. Ob das eine endgültige Abkehr von Serdjukow ist, lässt sich noch nicht sagen. „Man muss abwarten, was von diesen Ankündigungen überhaupt durchgeführt wird“, sagt der Militärjournalist Alexander Golz. Auch sei unklar, wo die zusätzlichen Soldaten herkommen sollen. Das Aufstellen von Divisionen ergebe nur dann Sinn, wenn Moskau sich auf eine Auseinandersetzung mit einem großen Gegner wie der Nato vorbereite, nicht auf lokale Konflikte.

Schojgu bei der Konferenz auch den Ausbau der militärischen Infrastruktur in der Arktis und auf den bis 1945 japanischen Kurilen im Fernen Osten an. Außerdem sollen die russischen Nuklearstreitkräfte dieses Jahr fünf moderne Raketenregimenter in Dienst stellen. Und dann werde es auch weiterhin unangekündigte Truppenübungen mit Verlegungen über große Distanzen geben, versprach der Minister und Putin-Intimus. Diese kostspieligen Spontan-Manöver waren unter Schojgu eingeführt worden.

Russland hat seit 2011 seine Militärausgaben drastisch gesteigert. Im kommenden Jahr soll der Etat rund vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts betragen, in Deutschland sind es 1,17 Prozent.

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