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Militär Israels Armee ohne Chef

Der designierte Oberkommandierende der israelischen Streitkräfte muss nun doch auf das Kommando verzichten. Premier Benjamin Netanjahu zog seine Ernennung zurück. Der Grund: Dubiose Grundstücksgeschäfte.

Beförderung verpatzt: General Joav Galant. Foto: afp

Joav Galant brachte es nur bis zum designierten Generalstabschef Israels. Am späten Dienstagabend, zwei Wochen vor Amtsantritt, zog Premier Benjamin Netanjahu die Ernennung Galants zurück. Jetzt soll Vize-Militärchef Jair Naveh für die Dauer von sechzig Tagen als oberster Heeresführer dienen, bis eine neue Personalwahl getroffen ist. Eine Notlösung, und das in kritischen Zeiten, in denen Israel mit Blick auf Ägypten, Libanon und Iran besonderen Wert auf eine jederzeit einsatzfähige Armee legt.

Dubiose Grundstücksdeals rund um Galants protziges Anwesen in einem Moschav (dörfliche Kooperative) hatten den 52-Jährigen in den Verdacht der Vorteilsnahme gebracht. Bisher war er Kommandant im Landessüden und damit zuständig für Gaza.

Am Ende sah sich selbst Generalsstaatsanwalt Jehuda Weinstein, der in Israel zugleich Rechtsberater der Regierung ist, außerstande, Galants Beförderung zum Armeechef vor dem Obersten Gericht zu vertreten. Notgedrungen nahmen daraufhin Netanjahu und Verteidigungsminister Ehud Barak Abstand von ihrem Favoriten für den Top-Posten im israelischen Militär.

Vor allem für Barak, der den nie ganz unumstrittenen Galant durchgeboxt hatte, ist das eine politische Schlappe. Auf sein Urteilsvermögen sei kein Verlass mehr, warf ihm die Zeitung Haaretz am Mittwoch vor.

Andere Kommentatoren monierten Baraks Selbstherrlichkeit im Umgang mit der Armeespitze. Sein Verhältnis zu dem jetzigen Generalstabschef Gabi Aschkenasi gilt seit langem als zerrüttet. Am Ende ließ Barak auch seinen Mann Galant ins Messer laufen.

Umstrittene Deals

Galant hatte noch kurz vor der Absage in einem Fernsehinterview beteuert, er habe weder gelogen noch betrogen. Nach 34 Jahren Dienst in der Landesverteidigung komme ein Rücktritt für ihn nicht infrage.

Nach Meinung israelischer Sicherheitsexperten ist an Galants militärischen Fähigkeiten auch nicht zu zweifeln. Es waren unsaubere Geschäfte im zivilen Leben, die ihn in Verruf brachten. Mit Galant sei Netanjahu und Barak jetzt ein Partner in der Militärführung abhandengekommen, der wie sie mit einem Schlag gegen iranische Atomanlagen liebäugele.

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