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Michael Hartmann Drogenverdacht SPD unter Schock

Der Drogen-Verdacht gegen den SPD-Innenpolitiker Michael Hartmann stürzt seine Fraktion in einen Schockzustand. Zwar finden die Ermittler bei einer Hausdurchsuchung keine Beweise. Doch der 51-Jährige taucht ab. Das erinnert fatal an den Fall Edathy.

Michael Hartmann trägt im Februar 2010 in Mainz bei einer Karnevalsveranstaltung eine Uniform. Foto: dpa

Fassungslosigkeit. Unglaube. Schock. „Ich kann es mir nicht erklären“ – so oder so ähnlich reagieren viele in der SPD-Fraktion. Die Meldung über den Drogenverdacht gegen ihren bisherigen innenpolitischen Sprecher Michael Hartmann trifft die Genossen zwei Tage vor Beginn der Sommerpause wie ein Keulenschlag. Eigentlich will man sich freuen, dass nach der Rente mit 63, und der EEG-Novelle nun mit dem Mindestlohn das dritte sozialdemokratische Gesetz den Bundestag verlässt, aber die Vorwürfe gegen den allgemein geschätzten Kollegen trüben erheblich die Stimmung.

So ist es auch schon am Vorabend am Ufer der Spree gewesen. Im Schatten des Hauses der Kulturen der Welt, das die Berliner respektlos als „Schwangere Auster“ bezeichnen, feiert da die SPD-Bundestagsfraktion ihr traditionelles Sommerfest. Die Sonne scheint, die Schweinenackensteaks brutzeln, Unions-Fraktionschef Volker Kauder sagt nur Freundliches über den Koalitionspartner – und doch gibt es an den Stehtischen und Bierständen kein anderes Thema als die Causa Hartmann. „Ich hatte schon länger das Gefühl, die SPD ist wie auf Drogen“, flüchtet sich ein Genosse in bitteren  Galgenhumor. So richtig lachen kann er darüber aber nicht.

Ausgerechnet Michael Hartmann! So denken viele. Der 51-Jährige Politologe aus der Nähe von Mainz genießt einen untadeligen Ruf als Innenpolitiker. „Der ist ein Guter“, hört man an diesem Abend immer wieder. Bodenständig, korrekt, verbindlich – diesen Eindruck haben viele von dem nicht sonderlich großen Glatzkopf mit der randlosen Brille und leicht rundlichen Körperformen. Ein echter Pfälzer, der bei Twitter Fotos von sich im Karnevalskostüm der Mainzer Kleppergarde postet. Ein überzeugter Katholik, der im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken sitzt und bei der Papstmesse im Vatikan ehrfürchtig unscharfe Bilder schießt.

Ein bisschen bieder, vielleicht. Aber sicher kein wilder Partygänger, der mit lebensgefährlichen Aufputsch-Drogen wie Crystal Meth experimentiert. Man kann es sich einfach nicht vorstellen. Auf einer Kandidaten-Plattform zur Bundestagswahl hatte Hartmann die Frage, ob weiche Drogen wie Marihuana legalisiert werden sollen, noch im vergangenen Herbst entschieden mit „Nein“ beantwortet.

Und trotzdem ist da diese Ermittlung der Staatsanwaltschaft. Angeblich ist sie Hartmann bei der Observation eines Dealers auf die Spur gekommen. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung am Prenzlauer Berg, so heißt es nun am Donnerstag, sei aber nichts gefunden worden. Offenbar ist der Tatverdacht der Ermittler gleichwohl ernst. Sonst hätte der Immunitätsausschuss des Bundestages kaum den Schutz des Abgeordneten vor Strafverfolgung aufgehoben. Weshalb sonst hätte Hartmann so schnell sein Amt als innenpolitischer Sprecher seiner Fraktion niedergelegt? Und gleich am Mittwoch seine Webseite abgeschaltet?

Zweifel. Fragen. Sorgen. Am Donnerstag sagt Hartmann alle Termine in der kommenden Woche ab. Er will sich offenbar eine Auszeit nehmen. „Die Sachlage ist völlig unklar“, stöhnt jemand in der Fraktion. Das macht es auch für deren Spitze schwer zu reagieren. Dabei befindet sich Fraktionschef Thomas Oppermann in einer fatalen Lage: Gerade erst hat er die Affäre um den ehemaligen Abgeordneten Sebastian Edathy hinter sich gebracht, der im Verdacht steht, kinderpornografisches Material zu besitzen. Da droht der nächste Skandal, und die alte Geschichte kocht wieder hoch.

Zu allem Überfluss waren Edathy wie Hartmann beide ausgerechnet für Innen- und Rechtspolitik zuständig. Damit nicht genug: Hartmann ist ein enger Vertrauter von Edathy. Er hielt bis zuletzt Kontakt zu dem Kollegen, der seit Wochen abgetaucht ist.  Beide hatten naturgemäß viel mit den Geheimdiensten zu tun. Das könnte der Stoff für das Drehbuch eines Thrillers sein. Für irgendwelche Verschwörungstheorien, heißt es in SPD-Kreisen aber entschieden, gebe es keinerlei Anhaltspunkte. 

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