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Mexiko Drogenboss "La Barbie" geschnappt

Wichtiger Erfolg für Mexikos Polizei im Drogenkrieg: Edgar Valdez Villareal, einer der meistgesuchten Kartellbosse, ging den Fahndern ins Netz.

Drogenboss "La Barbie" Foto: dpa

Für Präsident Felipe Calderón kam die Erfolgsmeldung gerade zum richtigen Zeitpunkt. Sicherheitskräfte nahmen am Montagabend nahe Mexiko-Stadt Edgar Valdez Villareal alias "La Barbie" fest, einen der Chefs der „Beltrán-Leyva-Organisation“. Und nur Minuten später twitterte der Präsident in die Welt: „Einer der meistgesuchten Kriminellen in Mexiko und dem Ausland ist uns ins Netz gegangen“.

Auf die Ergreifung des 37-Jährigen waren in Mexiko und den USA eine Belohnung von jeweils rund zwei Millionen Dollar ausgesetzt. Dem Präsident gönnt die Ergreifung von „Barbie“ eine Atempause, denn in den vergangenen Tagen waren er und seine Politik gegen die Kartelle erneut schwer in die Kritik geraten. Nach der Hinrichtung von 72 Migranten auf einer Farm im Norden Mexikos durch Killer des „Zetas“-Kartells hatten Politiker und Experten der Regierung eine Mitschuld zugewiesen. Einmal mehr zeigte dieses Verbrechen, wie ungestört die Banden in weiten Teilen des zweitgrößten Landes Lateinamerikas operieren können.

Die Beltrán-Leyva-Organisation ist eines von sieben Kartellen, die in Mexiko untereinander und gegen den Staat um Reviere und Routen kämpfen. Sie ist erst 2008 als Abspaltung des mächtigen Sinaloa-Kartells entstanden und damit eine der neueren und kleineren Drogenmilizen. Im Dezember hatten Marine-Soldaten den Boss und Gründer des Kartells, Arturo Beltrán Leyva, bei einer stundenlangen Schießerei in der Stadt Cuernavaca, nahe Mexico City getötet. Seither kämpfte „La Barbie? gegen andere Fraktionen innerhalb der Organisation um deren Führung.

Valdez stand auf einer Fahndungsliste der Regierung, auf der die 37 meistgesuchten Drogenbosse von sieben Kartellen vermerkt sind. Allen wird die „Gefährdung der Nationalen Sicherheit? vorgeworfen. Valdez wurde im US-Bundesstaat Texas in einer Mittelklassefamilie mexikanischer Immigranten geboren. In den USA dealte er bis 2006 in großem Stil mit Kokain, anschließend schloss er sich dem Sinaloa-Kartell an, einer der größten Verbrecher-Organisationen Lateinamerikas. Seinen Beinamen bekam Valdez wegen seiner blauen Augen und hellen Haut.

Nach Angaben der US-Drogenfahnder war der Mafioso für die Finanzen und das Eintreiben der Schutzgelder innerhalb des Kartells zuständig. Zudem soll er der Führer einer Killer-Einheit innerhalb der Organisation gewesen sein, die für die Mehrzahl der Morde des Beltrán-Leyva-Kartells verantwortlich war.

Seit Calderón vor knapp vier Jahren gegen die Kartelle in die Offensive ging, sind den Sicherheitskräften einige große Drogenbosse ins Netz gegangen. Besonders gegen die „Beltrán-Leyva-Organisation“ gelangen entscheidende Schläge. Das Kartell gilt als Erzfeind des Sinaloa-Kartells, das von Joaquín Guzmán, genannt El Chapo geführt wird. Während fast ein Drittel der Festnahmen und Tötungen von Bossen gegen das Beltrán-Leyva-Kartell gelang, blieb das Sinaloa-Kartell weitgehend unbehelligt. Gerade mal ein Prozent der Schläge glückten gegen dieses Kartell. Zuletzt wurde im Juli einer der Kapos der Sinaloa-Mafia, Ignacio „Nacho“ Coronel, getötet.

Experten für organisierte Kriminalität wollen nicht ausschließen, dass die Regierung das Sinaloa-Kartell bewusst schont, um den Big Player im Krieg der Kartelle zu stärken und so das Morden schneller zu beenden.

Denn seit Calderón wenige Tage nach seinem Amtsantritt im Dezember 2006 dem Organisierten Verbrechen den Krieg erklärte, hat er 50.000 Soldaten und Bundespolizisten in den Kampf gegen die Kartelle geschickt. Das Ergebnis sind 30 000 Tote und ein Land, das in manchen Teilen unter der Kontrolle der Mafias steht. Das einseitige Setzen auf militärische Härte hat nicht den erhofften Erfolg gebracht. Das gestand der Präsident vor kurzem selbst zu, als er Experten und die Zivilgesellschaft angesichts der offensichtlichen Erfolgslosigkeit seiner Politik aufrief, neue Ideen in die Diskussion zu bringen.

Eines der größten Probleme ist, dass Calderón weder die Finanznetze der Mafias in die reguläre Wirtschaft untersucht, noch entscheidend gegen die Korruption bis in hohe Ränge der Politik vorgeht. Erst am Montag erklärte die Führung der parastaatlichen Bundespolizei, im Laufe des Jahres seien fast zehn Prozent der Beamten entlassen worden, da sie im Verdacht stehen, selbst Verbindungen zum Organisierten Verbrechen zu haben oder sonstige Delikte begangen haben. 3200 der 35.000 Mann starken Truppe sind bereits gefeuert. Gegen mehr als tausend Beamte wird noch ermittelt.

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