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#MeTwo „Wir waren schon mal weiter“

Die FR hat Bundestagsabgeordnete zur Debatte über Alltagsrassismus befragt.

Für Cansel Kiziltepe hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) in diesem Sommer mehr in den Sand gesetzt als eine Fußball-WM. „Es ist viel mühselig aufgebaute Arbeit zerstört worden“, sagt die SPD-Abgeordnete und meint den Umgang des DFB mit dem türkischstämmigen Spieler Mesut Özil, der schließlich in dessen Rücktritt mündete – und in eine Debatte über Alltagsrassismus.

Unter dem Hashtag #MeTwo haben viele Deutsche mit ausländischen Wurzeln ihre Erfahrungen in Schule und Gesellschaft geschildert. Kiziltepe twitterte: „Ein Beispiel für Alltagsrassismus war das Aufnahmegespräch meiner Tochter für die Oberschule. Da wurde ich gefragt, ob ich zwangsverheiratet wurde. Das sind so die Klischees, mit denen man lebt.“ Für sie war der Einzug der AfD in den Bundestag ein Schlüsselerlebnis. „Wir waren schon mal weiter beim Thema Integration“, sagt sie im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. „Und nun fangen wir wieder von vorne an.“

Das Verhalten des DFB zeige nur die Spitze des Eisbergs, so Kiziltepe. Die Spaltung zwischen Migranten und Mehrheitsgesellschaft sei in letzter Zeit stärker geworden. „Meine Eltern sind vor über 50 Jahren hierhergekommen, ich bin in Deutschland geboren und es ist doch immer wieder ein Kampf, von der Mehrheitsgesellschaft akzeptiert zu werden.“

Die Linken-Abgeordnete Helin Evrim Sommer sieht die Debatte positiv. „Ich finde es gut, dass wir mal darüber reden“, sagt die 47-Jährige, die in der Türkei geboren wurde und kurdischer Abstammung ist. „Das ist ja sonst immer ein Nischenthema gewesen.“ Wichtig an #MeTwo findet sie, dass sich die von Rassismus Betroffenen selbst zu Wort gemeldet hätten. „Sonst wird ja immer nur über sie gesprochen.“ Sie verweist darauf, dass mittlerweile jeder vierte in Deutschland lebende Mensch einen Migrationshintergrund hat. „Im Gegensatz zur ersten Zuwanderungsgeneration fordert die Nachfolgegeneration heute völlig zu Recht viel stärker ihre Gleichbehandlung.“

Genug zu tun gibt es in dieser Hinsicht auch im Bundestag. Nach Recherchen des Mediendienstes Migration haben von den 709 Bundestagsabgeordneten 58 ausländische Wurzeln, das entspricht einem Anteil von gerade mal 8,2 Prozent der Abgeordneten. Einer von ihnen ist Cem Özdemir, der seinen schwäbischen Migrationshintergrund schon allein wegen seines Akzents nicht verleugnen kann. Vielleicht zählt er deswegen zu den beliebtesten Politikern. Er hat jedenfalls eine klare politische Strategie: „Bei Rassismus, sei es von der AfD oder ihren Gesinnungsgenossen in der AKP, hilft nur Klartext: Keine Toleranz für Hass und Hetze.“

Von Diskriminierung und Alltagsrassismus sind vor allem jene betroffen, die es sonst eher selten in die Zeitung schaffen.

Deshalb: Berichten Sie uns von Ihren Erfahrungen! Ihre Zuschriften senden Sie bitte unter Angabe Ihrer vollständigen Adresse und des Betreffs „MeTwo“ an bronski@fr.de oder leserbrief@fr.de.

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