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Merkel-Nachfolge Merz will kein „Anti-Merkel“ sein

Keine vier Wochen mehr bis zur Entscheidung in Hamburg. Die Kandidaten für den CDU-Vorsitz bringen sich in Stellung.

10.11.2018 21:39
Friedrich Merz im Hochsauerland
Friedrich Merz, Kandidat für den CDU-Bundesvorsitz, spricht im sauerländischen Arnsberg. Foto: dpa

Friedrich Merz hat für den Fall seiner Wahl zum neuen CDU-Vorsitzenden Bundeskanzlerin Angela Merkel einen „fairen, anständigen und loyalen“ Umgang zugesagt.

Der ehemalige Unionsfraktionschef erklärte am Samstag beim CDU-Kreisparteitag im sauerländischen Arnsberg-Oeventrop, dass die CDU und ihr künftiger Vorsitzender auch weiter „in der Mitte“ stehen müssten. Einen Rechtsruck der CDU schloss er aus.

Aussichtsreichste Kandidaten für den CDU-Vorsitz sind neben Merz CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer und Gesundheitsminister Jens Spahn. Die Entscheidung trifft der CDU-Parteitag am 7. Dezember in Hamburg. Merz bot Kramp-Karrenbauer ausdrücklich Zusammenarbeit an. Sollte er siegen, hoffe er, dass sie „an oberster führender Stelle der CDU in Deutschland weiter eine wichtige Aufgabe wahrnehmen wird“. Er nehme aber auch Spahn als Wahlrivalen ernst.

Kramp-Karrenbauer selbst sieht den Vorsitz der Partei nicht automatisch mit der nächsten Kanzlerkandidatur der Union verknüpft. „Wenn man für den CDU-Vorsitz kandidiert, muss man immer auch die Möglichkeit einer Kanzlerkandidatur mitdenken. Aber zuerst einmal steht der Parteivorsitz für sich alleine“, sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Zugleich betonte sie, eine CDU-Vorsitzende werde „immer ein gewichtiges Wort bei der Frage der Kanzlerkandidatur mitreden“.

Die frühere saarländische Ministerpräsidentin warnte die SPD davor, Neuwahlen zu provozieren. „Ich strebe keine Neuwahlen an. Die Bundesregierung hat eine Verantwortung, die über Deutschland hinausgeht“, sagte sie. „Aber wer leichtfertig mit einem Bruch der großen Koalition kokettiert, wird am Ende eher Neuwahlen als die Fortsetzung der Regierungsarbeit in einer anderen Koalition bekommen.“

Viele Chancen für die Union

Merz hielt als Gastredner des Kreisparteitags der Hochsauerland-CDU seine erste öffentliche Bewerbungsrede für den CDU-Vorsitz. Die knapp 500 Delegierten seines Heimatverbandes nominierten ihn geschlossen als Kandidat für die Nachfolge von Parteichefin Merkel. Dass er ein „Anti-Merkel“ sei oder eine „Abrechnung“ mit Merkel wolle, sei „alles dummes Zeug“, sagte Merz. Er musste 2002 den Unionsfraktionsvorsitz an Merkel abgeben. 2009 verabschiedete er sich aus der Politik und wechselte in die Wirtschaft.

Zuvor hatte sich auch Merz-Konkurrent Spahn Rückendeckung in seiner münsterländischen Heimat geholt. Der Kreisverband Borken nominierte den 38-Jährigen am Freitagabend einstimmig als Kandidaten für den CDU-Bundesvorsitz. „Das gibt Rückenwind“, sagte Spahn. „Wir werden über die Zukunft unserer Partei und unseres Landes so intensiv diskutieren wie lange nicht“, sagte er. „Das lernen wir gerade als CDU noch mal ganz neu.“ Spahn ist seit 13 Jahren Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Borken.

Der Verzicht Merkels auf eine erneute Kandidatur für den Parteivorsitz birgt nach den Worten der Berliner CDU-Chefin Monika Grütters viele Chancen für die Union. Klar sei, dass nach 18 Jahren eine Ära zu Ende gehe, sagte die Kulturstaatsministerin in der Bundesregierung am Samstag bei einer CDU-Landesvertreterversammlung in Berlin. „Das ist eine Zäsur. Aber es ist auch eine Chance für einen Aufbruch und für eine demokratische Erneuerung unserer Partei.“ (dpa)

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Die CDU nach Merkel

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