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Merkel bei Trump Als Ausputzerin in Washington

3. UpdateAngela Merkel wird von Donald Trump zwar betont höflich empfangen. In Sachen Iran und Handelszölle zeigt der US-Präsident sich aber wenig entgegenkommend.

Trump und Merkel
Uneins bei vielen Themen: Trump und Merkel. Foto: dpa

Immerhin: Das mit der Begrüßung hat dieses Mal unfallfrei geklappt. Es ist kurz vor zwölf Uhr mittags, als Donald Trump die deutsche Kanzlerin bei Nieselregen vor dem Westwing des Weißen Hauses empfängt. Küsschen rechts, Küsschen links. Kurz darauf im Oval Office gratuliert der US-Präsident dem Gast im blauen Blazer noch einmal förmlich zur Wiederwahl: „Ich hatte nie einen Zweifel, dass Sie gewinnen würden“, sagt Trump und schüttelt demonstrativ die Hand von Angela Merkel. Keine Spur von der Verspanntheit im letzten Jahr, als die beiden so unterschiedlichen Politiker schon bei der Begrüßung nicht zusammenkamen und der Handschlag für die Kameras ausblieb.

Kein schlechter Auftakt für einen schwierigen Besuch also, den man in Merkels Umfeld vorsichtshalber zum nüchternen „Arbeitstreffen“ herunterdeklariert hat. Vor einem Jahr noch war Merkel in amerikanischen Medien als „Führerin der freien Welt“ begrüßt worden. Doch diese Rolle hat längst der französische Präsident Emmanuel Macron übernommen, der gerade drei glamouröse Tage mit Trump verbrachte. Für Merkel sind magere zweieinhalb Stunden im Weißen Haus vorgesehen.

Natürlich hat die protestantisch-nüchterne Kanzlerin verlauten lassen, dass ihr Pomp und Schmeicheleien ohnehin fremd sind. Am Vorabend nach der Landung ist sie mit einem guten Dutzend Mitarbeiter und Sicherheitsleute kurzerhand zu Fuß in ein Restaurant im Stadtteil Georgetown marschiert und hat einen Cheeseburger mit Speck und Pommes Frites bestellt. Als sie das Lokal eine Stunde später verließ, lauerten schaulustige Passanten und Reporter neben den gepanzerten Limousinen vor der Tür. Merkel schlug einen Haken und stürmte zu Fuß zurück zu ihrer Herberge. Bloß kein Wirbel. Bloß keine große Aufregung.

Macron und Merkel schrauben Erwartungen herunter

Die Rolle, die ihr im Gespann mit dem Charmeur Macron zukommt, ist dennoch undankbar: Sie ist die Ausputzerin, die letzte Hoffnung vor dem für den 1. Mai angekündigten Strafzöllen auf europäischen Stahl und dem am 12. Mai drohenden Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran. Doch als Merkel und Trump nach einem halbstündigen Vieraugengespräch und einem Mittagessen inklusive Begleiter am Nachmittag im East Room vor die Presse treten, scheinen diese Themen zunächst zweitrangig. Die Nachricht des Tages kommt aus dem fernen Panmunjom, wo der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un ein neues Kapitel in den Beziehungen zu Südkorea und die vollständige nukleare Abrüstung angekündigt hat.

„Maximaler Druck hat uns geholfen, dieses Ziel zu erreichen“, lobt der US-Präsident sich selbst. Auch Merkel findet anerkennende Worte für die amerikanische Politik der Stärke, obwohl ihr Trumps Schlussfolgerungen kaum gefallen können. „Der koreanische Krieg endet“, hat er in Großbuchstaben getwittert. Natürlich ist Trump überzeugt, dass seine apokalyptischen Drohungen mit „Feuer und Wut“ den „kleinen Raketenmann“ in Pjöngjang weichgeklopft haben. Und viel spricht dafür, dass er glaubt, nun auch im Iran und im internationalen Handel mit einer ähnlichen Taktik die besten Ergebnisse erzielen zu können.

Damit ist Merkels Mission noch schwieriger geworden. Vorsichtshalber haben Macron und Merkel ohnehin die Erwartungen maximal heruntergeschraubt. Er rechne mit der Aufkündigung des Iran-Abkommens durch die USA, sagte der französische Präsident kurz vor seinem Abflug in Washington. Und ein Berater der Kanzlerin in Berlin räumte ein: „Aus heutiger Sicht muss man davon ausgehen, dass die Zölle am 1. Mai kommen.“

Konkretes zu den beiden Streitfragen lassen sich die Regierungschefs in Washington nicht entlocken. „Wir haben uns ausgetauscht. Nun wird der Präsident entscheiden“, antwortet Merkel auf eine Frage zu den drohenden Strafzöllen. Trump betont erneut, dass Europa einen schlimmen Überschuss im Handel habe und der Austausch fair sein müsse, verrät aber nicht, was er zu tun gedenkt. Auf eine Frage nach dem Iran-Abkommen antwortet er nur, Teheran solle sich besser vorsehen und keine Atombomben entwickeln. Es ist eine unausgesprochene Drohung.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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