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Meinungsforschung Die zufriedene Generation Mitte

Die mittleren Jahrgänge in Deutschland freuen sich über Wohlstandsgewinne durch den langen Aufschwung. Kritik kommt vom unteren Ende der Verteilungsskala.

Familie auf dem Traktor
Mittendrin im Leben: Ein Großteil der Menschen zwischen 30 und 59 steht voll im Beruf, kümmert sich aber oft auch noch um Kinder oder alte Eltern. Foto: imago

Die Angst vor Arbeitslosigkeit und sozialer Not verschwindet nach Jahren des Aufschwungs immer mehr aus der Mitte der Gesellschaft. In einer Umfrage des Allensbach-Instituts im Auftrag der Versicherungswirtschaft bewerteten vier von fünf Bundesbürgern im Alter zwischen 30 und 59 ihre Lebensqualität als gut oder sehr gut. Das sind noch einmal vier Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr. 40 Prozent sehen bei sich selbst in der Rückschau auf die vergangenen fünf Jahre eine Verbesserung, nur 17 Prozent beklagen eine Verschlechterung. 

„Dank der anhaltend guten Konjunktur ist die Generation Mitte mit ihren Lebensumständen so zufrieden wie seit vielen Jahren nicht mehr“, sagte Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach. Die Angehörigen der befragten Gruppe stellen die große Mehrheit der Bundesbürger. Sie stehen im Berufsleben, finanzieren mit ihren Steuern und Abgaben den Sozialstaat zum großen Teil und tragen oft auch in der Erziehung von Kindern und in der Pflege von Älteren Verantwortung.

In der überwiegenden Mehrzahl empfinden sie die Lebensqualität als eine der Stärken Deutschlands. Sie schätzen das kulturelle Angebot, Meinungs- und Pressefreiheit. Sorgen bereiten ihnen allerdings das Pflege- und Rentensystem, die wachsenden Unterschiede zwischen Arm und Reich sowie die Zuwanderung nach Deutschland. 

Kritik kommt vom unteren Ende der Verteilungsskala

Auf den ersten Blick wirken die Ergebnisse wie eine Bestätigung für die alte Regierung, scheint ihr doch die hohe Zufriedenheit der Menschen ein gutes Zeugnis auszustellen. Diese Interpretation steht freilich nicht nur in Widerspruch zu den heftigen Auseinandersetzungen etwa im zurückliegenden Bundestagswahlkampf, sondern auch zu den Wahlergebnissen mit den Verlusten der Volksparteien und der hohen Unterstützung für populistische Bewegungen wie der AfD. Die Studie selbst zeigt vieles, was Selbstzufriedenheit bei den politisch Verantwortlichen verbietet. Wenn sich breite Bevölkerungsgruppen als Gewinner sehen, steigt die Gefahr, dass sich die Minderheit der Menschen mit weniger Glück umso stärker abgehängt fühlt. 

In der Tat geben zwar in der Schicht mit den höchsten Einkommen und der besten sozialen Stellung 44 Prozent an, der Politik zu vertrauen. Nur 27 Prozent von ihnen sprechen den Parteien ihr Misstrauen aus. Schon in der mittleren Gruppe aber dreht sich das Verhältnis um. Und die Menschen am unteren Ende der Verteilungsskala erklären mit 54 Prozent mehrheitlich, dass die Politik nach ihrer Wahrnehmung ihre Interessen nicht vertritt. Nur 23 Prozent von ihnen glauben dies noch. Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Verhältnis zum Staat. Insgesamt bringen 56 Prozent eine grundsätzlich positive Grundhaltung mit, nur 27 Prozent äußern sich prinzipiell negativ.

Bemerkenswerterweise ist die Zustimmung jedoch bei der obersten Schicht mit Abstand am höchsten, mit einem Verhältnis zwischen Befürwortern und Skeptikern von 72 Prozent zu 18 Prozent. Offenbar schlägt hier das Gefühl, stark mit Steuern und Abgaben belastet zu werden, nicht auf die Einstellung zum Gemeinwesen durch. Unter denen mit geringem Einkommen und niedrigem Status aber sprechen mit 38 Prozent fast so viele dem Staat ihr Misstrauen aus wie sich positiv äußern. Dabei sind genau diese Männer und Frauen am stärksten auf einen handlungsfähigen Staat angewiesen.

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