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Thesen gegen Hass Überlegenheit der Gewalt

Jürgen Todenhöfers "Zehn Thesen gegen den Hass" beschäftigt sich mit dem "Feindbild Islam" - und nimmt sich auch provokant die Politik der Westmächte vor.

21.07.2012 17:38
Betende Muslime während des Ramadans. Foto: AFP

Vor kurzem hat der ehemalige CDU-Politiker Jürgen Todenhöfer ein Interview mit dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad geführt. Das ZDF strahlte es aus, und natürlich wurde das Gespräch schon deshalb kritisiert, weil es dem Diktator ein Podium gegeben habe. Ohne Diplomatie geht es gar nicht, schreibt Todenhöfer in seinem soeben erschienenen kleinen Traktat zum „Feindbild Islam“: „Das Gebot der Stunde heißt Staatskunst, nicht Kriegskunst.“ Wer, außer Diktatoren oder ihrer Waffenlobby, wollte ihm da widersprechen?

Etwas provokanter, da dezidiert gegen die Politik der Westmächte gerichtet, ist da schon so eine Aussage wie: „Muslimisch getarnte Terroristen sind Mörder, christlich getarnte Anführer völkerrechtswidriger Angriffskrieger auch“. Der Westen war der muslimischen Welt immer überlegen im Einsatz von Gewalt, so lautet eine weitere von Todenhöfers Thesen. Belegen tut er sie mit in der Tat furchtbar überzeugenden Beispielen von kolonialer, imperialer und rassistischer Gewalt gegen (arabische/muslimische) „Untermenschen“: französische Schlächtereien im Algerienkrieg, Chemiewaffen gegen den Irak 1920 unter Churchill, Senfgas der Italiener gegen Libyen. Unsere heutigen „Antiterror-Kriege“ nennt er ungeschönt „Terrorzuchtprogramme“.

Aber man kann viel weiter zurückgehen: Schon das Alte Testament, so Todenhöfer, ist viel blutiger als der Koran. Überhaupt seien die Muslime immer viel gastfreundlicher, toleranter und netter zu uns gewesen, als wir zu ihnen. Der Ex-Medienmanager, der viel in Krisengebieten herumkommt und das auch gerne auf Fotos dokumentiert, versteht sich als Aufklärer, der Licht in die „peinliche Unkenntnis“ von Politikern und Publizisten bringt, die oft „abenteuerlichen Unsinn“ mit „fürchterlichen Folgen“ verzapfen. Todenhöfer zitiert freihändig, und ohne sich mit Penibilitäten wie Jahreszahlen oder historischem Kontext aufzuhalten, von Tocqueville über Lessing und Sartre zu Peter Ustinov und Mahmut Zakzouk. Zakzouk? Religionsminister Ägyptens von 1997 bis Januar 2011, fand 2007 die Todesstrafe für einen Apostaten, ein vom Islam abgefallener Mensch, gerechtfertigt.

Dass Todenhöfers „Zehn Thesen gegen den Hass“ selbst einen leicht indoktrinären Predigerton haben, verwundert nicht, schließlich erinnert der Untertitel ja an die zehn Gebote. Umgekehrt scheut er aber auch nicht das missionarische Pathos, wenn er fordert, dass die muslimische Welt der „Terrorideologie die religiöse Maske vom Gesicht reißen muss“. Sabine Vogel

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