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Protestbewegung Ins rechte Licht gerückt

Die Gasleuchten sollen nicht für immer erlöschen.

29.05.2012 19:09
Foto: dpa

In der Typologie neuer Protestbewegungen lag das Augenmerk zuletzt auf den Blockierern und Besetzern des öffentlichen Raums. Die jungen Leute von Occupy und Blockupy beanspruchten nicht nur ihren Platz in der Gesellschaft, sie pochten auch auf Ausdrucksformen einer neuen Widerstandskultur, darin den Wutbürgern von Stuttgart nicht unähnlich, die den baulichen Veränderungen ihrer Umgebung nicht einfach nur stumm beiwohnen wollten.

Neben den Wutbürgern gibt es aber auch Glimmbürger. Leute, die sich für den Erhalt der schönen Gasleuchten einsetzen. Natürlich findet man sie zu allererst in Berlin, wo gut die Hälfte der weltweit noch existierenden Gasleuchten brennen. „Dort stehen Schinkelleuchten, Gasaufsatzleuchten, Hardenbergleuchten oder die eleganten Gasreihenleuchten an Peitschenmasten aus den fünfziger Jahren“, schreibt der Architekturkritiker Gerwin Zohlen in der FAZ. „Noch. Denn in Berlin wurde ein Beleuchtungskonzept erstellt, das auf die fast komplette Beseitigung dieser Rarität abzielt und das mild-helle Gaslicht durch Ökosparleuchten bis hin zu technologisch unausgereiften LED-Lampen ersetzen will. Momentan stehen die achttausend Peitschenmasten der fünfziger Jahre auf dem Schlachtprogramm; dreiundzwanzig Millionen Euro sind dafür bewilligt worden. Aber eine rapide wachsende Gruppe aus Bürgern, Gaslicht-Freunden, Touristen und Denkmalschützern wehrt sich.“

Aber es gibt den Protest gegen das Erlöschen des schönen Lichts auch andernorts. „Wie soll Dresden Blasewitz ins rechte Licht gerückt werden?“ zitiert die Initiative ProGaslicht e.V. das Dresden-Fernsehen. „Darüber tobt ein Streit zwischen Anwohnern und Stadt. Es geht um die Entscheidung zwischen historischen Gaslaternen und modernen Zinkleuchten. Derzeit werden die Straßen erneuert und die alten Laternen durch moderne ersetzt. Das Verkehrskonzept beruht auf einer Planung von 1994. Die Denkmalschutzgebiete wie Blasewitz sind erst danach entstanden. Die Anwohner sind empört und fordern den Rückbau.“

Gekämpft wird auch in Düsseldorf und in Frankfurt. Und Gerwin Zohlen erläutert, um was es beim Kampf ums rechte Licht aber auch noch geht. „Scheinbar spielerisch hat der Kulturhistoriker Wolfgang Schivelbusch in seinem Epoche machenden Werk „Lichtblicke“ die (französische) Aufklärung und Stadtbeleuchtung in seiner Kulturgeschichte des Lichts miteinander kombiniert. Der Übergang von der archaischen Flamme zum Glühstrumpf war ein zivilisatorischer Fortschritt ersten Rangs. Was ist demgegenüber die Kakoluzie der Werbe-, Hauseingangs- und anderen Privatleuchten, die im unregulierten Chaos ihr diverses Unwesen verstrahlen? Es ist an der Zeit, dass die öffentliche Hand sich darauf besinnt, nicht nur für sicheres, sondern auch für schönes, mithin aufklärerisches und aufgeklärtes Licht sorgt.“ Harry Nutt

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