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WM 2018 in Russland Zur Treue verdammt

Als Fußballfan kann man nicht anders, man muss einfach hinschauen. Man kann nur hoffen, dass die Berichterstatter auch über die politischen Schweinereien um die WM herum berichten. Ein Pro-WM-Kommentar.

WM in Russland
Am Ende bleibt: Als Fußballfan kann ich nicht anders, als WM zu schauen. Foto: afp

Ich bin Fußballfan, ich kann nicht anders. Ich muss hinschauen, wenn die besten Fußballer der Welt gegeneinander antreten. Erst recht, wenn das nächste Mal erst in vier Jahren ist. Und auch noch in Katar. 

Hier könnte dieser Text schon zu Ende sein. Denn natürlich machen es die Fifa und der Kreml Fans wie mir extrem schwer, vernünftige Argumente gegen einen Boykott zu finden. Wie soll ich unbefangen die gigantischste Sportparty der Welt mitfeiern, wenn der Gastgeber Menschen- und Völkerrechte ignoriert? Wie soll ich mich auf den Fußball konzentrieren und dabei komplett ausblenden, was für ein ungeheuerliches System aus Geschäftemacherei, Ausbeutung und Korruption dahintersteht? Ich weiß es auch nicht.

Ich könnte mich damit herausreden, dass die übliche Vorgehensweise des verantwortungsvollen Endkonsumenten – ich verzichte auf Plastik und nehme stattdessen Jutebeutel, ich ersetze mein iPhone durch ein Fairphone und so weiter – diesmal nicht greift. Ich schaue keinen Fußball, sondern … Synchronschwimmen? Eher nicht.

Ich könnte anführen, dass es zwar mein Gewissen beruhigt, wenn die Glotze aus bleibt und mein Name in der Tippspieltabelle fehlt. Aber die Putins und Infantinos dieser Welt dürfte das kaum dazu veranlassen, ihr schändliches Tun einzustellen.

Ich könnte daran erinnern, dass der Fußball Brücken baut und wildfremde Menschen ins Gespräch bringt – in der Eckkneipe  wie auf dem Newski Prospekt. Dass er die Leute dazu bringt, sich für fremde Kulturen zu interessieren. Und sei es nur, weil sie wissen wollen, warum die Isländer jubeln wie sie jubeln.  

Ich könnte hoffen, dass die Berichterstatter ihrer Verantwortung gerecht werden und auch über die politischen Schweinereien um die WM herum berichten. Damit vor allem die Russen eine Öffentlichkeit bekommen, die lieber in einem anderen Land als dem Putins leben würden. 

Könnte sein, dass all diese Argumente nicht mehr sind als Pfeifen im Walde. Am Ende bleibt: Ich bin Fußballfan, ich kann nicht anders.

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