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WM 2018 in Russland Untreu werden

Ein Boykott, der keinem auffällt, ist lächerlich. Trotzdem sollte man es wagen. Um der Fifa und dem DFB das vage Gefühl zu geben, sie könnten den Erfolg ihrer lukrativen Sache doch gefährden. Ein Contra-WM-Kommentar.

Wladimir Putin
Es ist schön für Wladimir Putin, dass sich niemand am Verhalten Russlands stört. Foto: rtr

Es ist schön für Putin, dass die WM in Russland stattfindet. Es wäre unendlich unangenehm für ihn gewesen, wenn die Fifa gesagt hätte: Die Annexion der Krim, der Krieg in der Ostukraine, die Rolle der russischen Regierung bei der Bombardierung von Ost-Ghuta, die Gängelung der Opposition, der kritischen Medien, der Umgang mit Demonstranten und mit Doping – das ist nicht gut, das haben auch wir nicht gut gemacht, da müssen wir reden.

Es ist schön für Putin, dass nichts dergleichen passiert ist und sich der DFB und die deutsche Fußballseele stattdessen so intensiv über zwei Spieler aufregen, die seinem türkischen Kollegen Erdogan bei der PR behilflich waren. Der DFB und die deutsche Fußballseele sehen offenbar nicht die kleinste, nicht die geringste Verbindung zwischen beiden Vorgängen. Sie sind auch sehr unterschiedlich: das eine ein paar dumme Fotos, ein dummer Spruch, das andere eine WM; das eine zwei schlecht beratene junge Männer, das andere ein mächtiger Verband.

Es gibt wenig Lächerlicheres als einen Boykott, der keinem auffällt. Aber man kann sich für dieses Mal – und, eh, für das nächste Mal, Advent in Katar – schon dazu entschließen, nicht fröhlich mitzutun, stattdessen in der fidelen Kulisse eine winzige leere Stelle zu lassen und im die Lebensqualität erhöhenden FR-Tippspiel 0 (null) Punkte einzufahren (das ist hart, aber am 24. August startet die Saison). Und beim Public Viewing den letzten Platz unbesetzt zu lassen, die Einschaltquote und den Chipsverkauf minimal zu senken – wichtige Spiele heimlich und bei einem schwarzen Kaffee zu schauen – und der Fifa und dem DFB das vage Gefühl zu geben, sie könnten den Erfolg ihrer ureigentlichsten und lukrativen Sache doch gefährden, weil die Treue der Fans nicht jeden Weg mitgeht.

Ach so, da fallen Ihnen jetzt die Missetaten all der anderen Regierungen ein (in deren Ländern allerdings nicht in dieser Woche eine Fußball-WM beginnt)? Klar, dann sollten Sie selbst auch alles wie immer machen, das ist dann richtig so.

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