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Mit Rechten reden? Diskutieren mit AfD-Wählern kann helfen

Pro: Wer die Frage „Mit Rechten reden?“ bejaht, plädiert nicht für sozialarbeiterisches Häkeln mit Dumpfglatzen oder AfD-Funktionären. Sondern dafür, die Feindbild-Logik dort zu durchbrechen, wo sie noch brüchig ist.

Legida
Kann man mit denen noch reden? Teilnehmer einer Legida-Demonstration in Leipzig. Foto: dpa

Es ist ja so schön einfach: „Die unglaubliche Schlaffheit linker Positionen, dieses Tee trinken und kuscheln, der Kampf für Sojaburger und Wiesenblumen gehen an dem vorbei, was sich draußen formiert: faschistische Bewegungen, mit denen nicht zu reden ist, weil man nicht gegen Schreien anreden kann.“ So schrieb es Sibylle Berg vor kurzem in ihrer „Spiegel online“-Kolumne. Und deshalb gilt für sie, ganz klar: „Die Zeit des Redens ist vorbei.“

Das ist die übliche Polemik gegen alle, die meinen, dass es außer Antifa-Demos und öffentlicher Ächtung auch noch andere Formen des Umgangs mit rechtem Gedankengut gibt. Die Methode ist immer die Gleiche: Wer ans Reden glaubt, wird als linker Sofa-Schlaffi karikiert, der die Gefahr durch „die Faschisten“ immer noch nicht wahrhaben will – und den Rechten damit das Feld überlässt.

Hitlergruß-Provokateure und Gewalttäter ausgenommen

Dummerweise geht das an der Sache vorbei. Wer die Frage „Mit Rechten reden?“ bejaht, plädiert nicht für sozialarbeiterisches Häkeln mit Dumpfglatzen oder AfD-Funktionären. Sondern dafür, die Feindbild-Logik dort zu durchbrechen, wo sie noch brüchig ist. Die Schriftstellerin Marlene Streeruwitz sagt es so: „Reden selbstverständlich. Ausreden lassen immer. Größte Korrektheit ist angebracht. Es geht ja darum, die Achtung vor sich selbst nicht zu verlieren.“

Das Ja zum Reden gilt weder bei Gewalttätern oder Hitlergruß-Provokateuren, noch gilt es bei den Krawatten-Extremisten, die jede Debatte gezielt mit ihren rassistischen Zielen verseuchen. Für die Ersteren gibt es Gesetze, und die Letzteren wird man entlarven müssen, indem man ihre Lügen in der parlamentarischen oder medialen Öffentlichkeit auseinandernimmt.

Aber was ist mit Leuten, wie sie uns in der Verwandtschaft oder in der Kneipe begegnen? Was ist mit denen, die (noch) kein gefestigtes rechtes Weltbild haben, aber ihren berechtigten oder unberechtigten Frust ausleben, indem sie sich in die Stereotypen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit flüchten? Niemand verlangt, dafür Verständnis zu haben. Aber es ist jeder Mühe – und manches unangenehmen Gespräches – wert, sie mit alternativen Möglichkeiten der Frustbearbeitung zu konfrontieren.

Der französische Philosoph Jean-Paul Sartre, ganz sicher kein Faschistenversteher, hat einmal geschrieben: „Im normalen Leben ist ein französischer Arbeiter zwar rassistisch. Aber sobald es einen Arbeiterstreik gibt, kommen selbst die Menschen zusammen, die sonst verfeindet sind.“ Will sagen: Es könnte sich lohnen, den Leuten, die sich benachteiligt fühlen und es vielleicht auch sind, eine Alternative zum Hass anzubieten.

Dazu könnte es nützlich sein, ein Werkzeug zu benutzen, das wir Demokraten besser beherrschen als jeder Mitläufer der Rechtsextremisten: das Argument. Nein, wir werden sie damit nicht alle erreichen. Mit vielen werden wir das Gespräch abbrechen müssen. Aber wenn wir nur eine oder einen erreichen, hat es sich gelohnt. Warum sollten sich Linke diesen Idealismus, diesen Glauben an ihre Überzeugungskraft verbieten?

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