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Contra Privater Luxus für zwölf Radler

Das geplante Fahrradhäuschen im Nordend ist nichts weiter als eine nette, aber teure Geste. Eine konsequente Förderung des Radverkehrs sieht anders aus.

Fahrradhäuschen
Modell des Fahrradhäuschens: Exklusiver Abstellplatz für einige wenige Radler. Foto: stadt frankfurt

Um es vorweg zu sagen: Natürlich bin ich für mehr Radverkehr in Frankfurt. Dazu gehören gute – und vor allem: nicht zugeparkte – Radwege sowie sichere Abstellplätze. Dafür dürfen gerne auch Autoparkplätze geopfert werden. Je mehr Leute aufs Rad umsteigen und damit die Umwelt entlasten, desto besser.  

Doch das Fahrradhäuschen im Frankfurter Nordend ist kein verkehrspolitisches Projekt für eine Stärkung des ökologischen Individualverkehrs. Es ein rein privater Luxus. Denn der Abstellplatz kann ausschließlich von zwölf Anwohnern genutzt werden, die einen individuellen Zugang zu ihrem Häuschen besitzen. Für alle anderen heißt es: Wir müssen draußen bleiben. Es wäre naheliegend, wenn schon bald jede Hausgemeinschaft einen eigenen Fahrradschuppen haben möchte. 3,20 Meter auf 3,20 Meter öffentliche Fläche beansprucht jedes Häuschen – wenn jeder Frankfurter Radler einen überdachten, eingezäunten Abstellplatz verlangt, wird es wohl verdammt eng werden auf Straßen und Gehwegen. 

Hohe Subvention für zwölf Personen  

17.000 Euro kostet der Abstellplatz in der Hegelstraße – doch jeder der zwölf Nutzer zahlt einmalig nur 380 Euro – die restlichen 12.440 Euro übernimmt ganz großzügig die Stadt. Die komplette Finanzierung oder eine monatliche Miete will man der Hausgemeinschaft nicht zumuten. Schon klar: Auch der Autoverkehr kostet. Doch der wird nicht nur von einer Handvoll Menschen genutzt. 

Ein Fahrradhäuschen wie in der Hegelstraße ist vielleicht eine nett gemeinte Geste für zwölf Anwohner, aber sie ändert rein gar nichts an der recht bescheidenen Situation für alle anderen Radler in Frankfurt. Besser wäre es, das Radfahren noch deutlich attraktiver zu machen. Dazu gehören ordentliche Konzepte und der politische Wille, sie auch zeitnah umzusetzen.

Ich wäre schon froh, wenn die vorhandenen Radwege clever angelegt und sicher zu befahren wären. Und mein Rad konnte ich bislang immer auch an einem Zaun, im Vorgarten, Hinterhof oder Keller unterstellen. Das ist zwar nicht so bequem wie ein eigenes Fahrradhäuschen direkt vor der Haustür. Aber bislang ging das meistens ohne Probleme.   

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