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Contra Facebook ist nicht das (einzige) Problem

Wäre die Welt besser ohne Facebook? Nein, findet unsere Autorin - die vielbeschworene Filterblase hätten wir uns schon in analogen Zeiten geschaffen.

Washington
Demonstration gegen Facebook: Wir machen es uns zu einfach, wenn wir nach jedem Datenskandal auf den Zuckerberg-Konzern zeigen. Foto: afp

Wenn es doch so einfach wäre, aus der Welt einen besseren Ort zu machen: Ich würde Facebook gerne höchstpersönlich den Stecker ziehen.

Doch die Idioten und Rassisten, die Hassprediger und Verschwörungstheoretiker wären ja nicht plötzlich weg. Die vielbeschworene Filterblase würde nicht platzen – diesen Raum, in dem wir Bestätigung suchen, haben wir uns schon in analogen Zeiten geschaffen. Die Werbeindustrie wäre weiterhin hinter unseren Profilen her. Und unser Umgang mit persönlichen Informationen wäre kaum unbekümmerter: Unsere Interessen, Wünsche, Vorlieben, gesundheitlichen Probleme landeten unverändert im Suchschlitz von Google, unsere Konsumgewohnheiten auf den Servern von Amazon.

Nutzer lernen auf die harte Tour

Viele, die sich in diesen Tagen über das ungefragte Abschöpfen von Facebook-Daten Dritter durch eine externe App aufregen, nutzen mutmaßlich Whatsapp und gewähren dem Messenger den Zugriff auf ihre Kontaktliste, ohne mit der Wimper zu zucken. Dabei gibt es Alternativen wie Threema oder Telegram zum Chatten, wie DuckDuckGo oder Cliqz zum Suchen.

Und die politische Instrumentalisierung von Facebook? Seit die Firma Cambridge Analytica sich mit ihrem vermeintlichen Einfluss auf die US-Präsidentschaftswahl PR-wirksam dicktut, dämmert uns: Nicht nur die Werbeindustrie nutzt die Netzwerk-Mechanismen für den Versuch, uns zu manipulieren. Als relevant gilt, was die stärksten Reaktionen auslöst – das haben nicht erst Regierungspolitiker wie Jens Spahn (CDU) und Horst Seehofer (CSU) verinnerlicht. Schon Gerhard Schröder (SPD) schielte nach „Bild, Bams, Glotze“. Die Bühnen für Populismus und Provokation werden heute durch Social Media ergänzt.

Keine Frage: Für die achselzuckende Ignoranz, mit der Facebook die dürftige Erklärung für illegale Weitergaben von Millionen Nutzerdaten durch Drittanbieter hinnahm, gehört Mark Zuckerberg gegrillt. Aber wir machen es uns zu einfach, wenn wir nach jedem neuen Datenskandal nur auf Facebook zeigen. Als Nutzer müssen wir lernen, wie die Medienwelt von heute funktioniert, woran wir Manipulationsversuche und Troll-Politik erkennen, wo die Privatsphäre-Einstellungen sind – egal auf welcher Plattform. Wie es scheint, lernen wir es gerade auf die harte Tour.

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