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Pressespiegel Blome-Personalie sorgt für Aufruhr

Ein führender „Bild“-Macher entert die „Spiegel“-Chefetage – geht sowas? Die Medien diskutieren die Personalie Nikolaus Blome. Auch aus der "Spiegel"-Redaktion werden zornige Reaktionen kolportiert.

Nikolaus Blome wechselt von der "Bild" zum "Spiegel". Foto: dpa

Als der „Spiegel“ am Mittwoch knapp verkündete, Nikolaus Blome, bisher Vize-Chefredakteur der „Bild“-Zeitung, werde in gleicher Funktion beim „Spiegel“ angeheuert, da dürfte bei nicht wenigen Machern und Beobachtern der Branche Schnappatmung eingesetzt haben. Ein führender „Bild“-Macher entert die „Spiegel“-Chefetage – geht sowas? Immerhin, erinnert sich der Branchen-Onlinedienst „Meedia“, habe der Spiegel doch erst vor zwei Jahren mit der Titelstory „Die Brandstifter“ den „Kulturkampf mit der Bild-Zeitung so richtig geschürt“. Eine „medieninterne Abgrenzung“ sei das damals gewesen, mit der Ansage: „Hier verläuft die Grenze zwischen Gut und Böse.“ Entsprechend liest Meedia jetzt aus der Personalie Blome eine folgenschwere Botschaft über den künftigen „Spiegel-Kurs“: „Politische Ideologien haben redaktionsintern als passé zu gelten.“

Dass das so sein könnte, argwöhnt man auch „Spiegel“-intern. Aus der Redaktion werden zornige Reaktionen kolportiert, von Aufruhr ist die Rede. Michael Ridder schreibt in epd-Medien, die Stimmung sei „hochexplosiv“. Als der designierte Chefredakteur Wolfgang Büchner (Amtsantritt 1. September) „die Personalie Blome in einer internen Konferenz verkündete, so wird berichtet, habe ,Spiegel‘-Reporter Dirk Kurbjuweit gefragt, ob sich dadurch die politische Linie des Blattes ändern werde. Büchner habe darauf geantwortet, er verstehe die Frage nicht“, so Ridder. Auf der Homepage des Hamburger Abendblattes zitiert Kai-Hinrich Renner den „nun bereits etwas genervt wirkenden“ Büchner weiter: „Er lehne ,Silo-Denken‘ – hier ,Bild‘-, dort ,Spiegel‘-Kultur – grundsätzlich ab“, soll der künftige Spiegel-Chef gesagt haben.

"Büchner schon vor Amtsantritt beschädigt"

Inzwischen ist die Mitarbeiter KG des Spiegel auf den Plan getreten, die 50,5 Prozent der Anteile des Verlags hält. Sie beharrt auf einem Mitspracherecht bei der Besetzung des Vize-Chefredakteurspostens, fühlt sich übergangen und verlangt eine außerordentliche Versammlung, in der das weitere Vorgehen besprochen wird. „Kein guter Start für Büchner“ sei das, kommentiert Kai-Hinrich Renner. Es sei verwunderlich, „dass Büchner versucht, diese Entscheidung par ordre du mufti gegen den Willen der mächtigen Mitarbeiter KG durchzusetzen. Das kann nicht funktionieren.“

Dennoch hätte Büchner, so der Kommentator, „seine künftigen Kollegen argumentativ überzeugen können. Denn Blome hat nicht nur fragwürdige Geschichten bei ,Bild‘ verantwortet. Er wurde auch mit dem renommierten Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet. Büchner hätte ihn zum Leiter des ,Spiegel‘-Hauptstadtbüros machen und nach einem Jahr zu seinem Stellvertreter ernennen können. Warum er nicht so verfahren ist, bleibt sein Geheimnis.“ So sei Büchner „schon vor Amtsantritt beschädigt. Ihn scheint dieselbe Kommunikationsschwäche auszuzeichnen wie seinen Vorgänger Georg Mascolo.“

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