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Organspende Falsche Anreize gesetzt

Um seine Patienten schneller mit einem Spenderorgan versorgen zu können, stellt ein Mediziner der Universität Göttingen falsche Diagnosen - und beschädigt damit das komplette System der Organspende.

Eine Infotafel für Organtransplantationen in der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Foto: dpa

Das Vertrauen in das System der Organspende ist vermutlich auf längere Zeit beschädigt: Ein Mediziner der Uniklinik Göttingen hat mit falschen Diagnosen seine Patienten auf dem Papier kränker gemacht als sie waren. Damit rutschten sie auf der Liste der Menschen, die dringend ein Spenderorgan benötigen, nach oben – zulasten anderer Patienten, die wirklich dringend eine Organspende benötigt hätten.

Nun wird ermittelt, was den Arzt zu seinem ethisch verwerflichen Tun veranlasst hat. Politiker aller Lager fordern bereits harte Strafen und die berühmten Konsequenzen. Wenn das nicht noch auf sie zurückfällt.

Gründe noch unbekannt

Denn noch liegen die Gründe für den Skandal nicht auf dem Tisch. War es falsch verstandene Fürsorge? Wurde der Arzt bestochen? Für beides gibt es bislang keine Anhaltspunkte. Die Bundesärztekammer erklärte dagegen fast unbemerkt, dass womöglich durch leistungsorientierte Verträge „falsche Anreize“ gesetzt worden sind.

Damit dürfte gemeint sein, dass der Mediziner eine gewisse Mindestmenge an Organtransplantationen erreichen musste, um seine volle Vergütung zu erhalten. Solche Verträge hat die Mehrheit der deutschen Chefärzte.

Sollte sich der Verdacht bestätigen, würden sich an diesem Skandal die medizinischen Folgen dieses ökonomischen Anreizes zeigen. Es ist ohnehin längst Zeit, diese Verträge zu verbieten.

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