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Online-Petition Verkehr "Ein wichtiger Ort für Kinder"

Moabiter kämpfen um ihre Jugendverkehrsschule.

Ob für Datenschutz oder gegen Abschiebung, für Kulturzentren oder gegen Megabahnhöfe – immer öfter entstehen politische und gesellschaftliche Initiativen nicht mehr aus Parteien und anderen Organisationen und Institutionen heraus, sondern werden von Einzelnen gestartet. Es sind Menschen, die aktiv etwas verändern wollen. In Zusammenarbeit mit der Petitionsplattform change.org stellt die FR jeden zweiten Samstag einen von ihnen vor.

Doris kann sich noch genau an ihr Fahrradtraining erinnern. Auf einem eigens dafür eingerichteten Verkehrsübungsplatz hatte sie ihre ersten Runden gedreht, unter der Obhut von geschulten Betreuern. „Deshalb kann ich heute so gut fahren“, erzählt die gebürtige Italienerin, die heute in Berlin lebt. Ihre Eltern hätten nicht die Möglichkeit gehabt, ihr das so beizubringen. Vielen Kindern, vor allem jenen mit Migrationshintergrund, wird es auch heute so gehen, vermutet sie.

Aus diesem Grund war Doris, die ihren Nachnamen nicht öffentlich machen möchte, so schockiert, als sie erfuhr, dass die Jugendverkehrsschule in Moabit geschlossen werden sollte. Zu kostspielig sei der Unterhalt, hieß es von der Stadt zur Begründung. Lieber sollten Wohnungen entstehen, wo in einem kleinen Park derzeit Ampeln, Linien und Stoppschilder den Verkehrsdschungel in Kinderformat nachbilden.

Wohnungen werden gebraucht, das ist Doris klar, „aber dass dafür den Kindern solch ein wichtiger Ort weggenommen wird, das geht nicht“. Deshalb hat die junge Frau, die selbst keine Kinder hat, sich mit anderen Anwohnern, Eltern, Lehrern und Erziehern zusammengetan, um die Stadtverwaltung zum Umdenken zu bewegen. Mittels Online-Petition will sie den Druck zusätzlich erhöhen. Mehrere tausend Unterschriften gegen eine Schließung der Jugendverkehrsschule sind schon zusammengekommen.

Doris geht es zunächst um die Sicherheit der Kinder. „Gerade in einer Großstadt wie Berlin mit ihrem umfangreichen Verkehr muss es Räume geben, wo die Kinder gefahrlos üben können“, argumentiert sie. Und zwar nicht irgendwo am anderen Ende der Stadt, sondern im Viertel. So wie in Moabit, wo eine Vielzahl von Grundschulen und Kitas aus der Umgebung den Übungsplatz nutzt. Parks oder Schulhöfe seien kein Ersatz, weil es dort keine Verkehrszeichen gebe und auch keine Räder zum Ausleihen. Von den Fußgängern ganz zu Schweigen.

Die Aktivisten fürchten aber auch, mit der Verkehrsschule einen wichtigen Grünflecken im zugebauten Moabit zu verlieren. Doris und die anderen Moabiter haben schon einen neuen Träger gefunden – um die Stadt zum Stopp der Baupläne zu zwingen und gemeinsam mit ihr ein neues Konzept für die Verkehrsschule zu erarbeiten.

Der Aufruf findet sich im Internet unter: www.change.org/jvsmoabit

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