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Wetter In der Bullenhitze

Der Leitartikel der FR und was hat diese Hitze eigentlich mit Bullen zu tun? Aber im Ernst: Auf die starke Erwärmung sind wir zu wenig eingestellt.

Sommerwetter am Bodensee
Wer kann, verbringt bei derartiger Hitze die Zeit im Wasser, zum Beispiel in dem des Bodensees (Symbolbild). Foto: dpa

Zehn Ratschläge gibt der englische „Guardian“, wie wir am besten mit der herrschenden Bullenhitze umgehen sollten. Nur der letzte ist neu und von typisch britischem Humor: „Nicht darüber reden!“ Weil wir seit dem Brexit-Votum auf die Briten noch weniger hören als schon zuvor, freilich mit Ausnahme von John Cleese und haufenweise guten Bands, halten wir uns nicht an diesen Ratschlag, sondern tun genau das Gegenteil.

Lassen Sie uns über das Wetter reden! Es herrscht eine Bullenhitze, und wir wissen nicht einmal, woher das Wort kommt. Sie vielleicht? Schreiben Sie an bronski@fr.de, falls Sie es wissen oder eine begründete Theorie haben. Das Gleiche gilt übrigens für brüllende Hitze, was soll das heißen? Affenhitze kann der Laie sich noch erklären, weil er nämlich laienhaft denkt, da, wo die Affen herkämen, sei es immer heiß – was natürlich so auch nicht stimmt. Aber immerhin.

Mit Blick auf die entsetzliche Katastrophe in Griechenland oder auch die schlimmen Waldbrände in Schweden verbietet sich Jammern eigentlich von vorneherein. Wir sprechen hier – noch – nur von Befindlichkeiten, dort sind Menschen elendiglich verbrannt.

Aber machen wir uns nichts vor, auch hier fordert die Hitze ihre Opfer. Ältere, vielleicht nicht ganz gesunde Menschen leiden in ihren heißen Wohnungen oft bis zur völligen Erschöpfung. Ärzte warnen entschieden davor, in der Mittagszeit Sport zu treiben oder anstrengender körperlicher Tätigkeit in der Sonne nachzugehen.

Mehr Hitze in der Stadt als auf dem Land

Weder sind die skandinavischen Wälder auf langanhaltende Hitze- und Trockenperioden vorbereitet, noch sind es unsere, noch sind wir es. Weder wohnen wir hitzegerecht, noch sind unsere Städte darauf ausgelegt. Das macht es für Städter besonders schwierig, denn Hitze unterscheidet sich sehr wohl vom Land zur Stadt – hier geht es nicht nur um den gefühlten Unterschied zwischen einer prall besonnten grünen Wiese voller schattiger Apfelbäume und einer glühend heißen Bank auf einem kahlen, betonierten Platz mitten in der Großstadt.

Genauso wie sich die Temperatur auf Inseln im Ozean von der über dem umgebenden Meer unterscheidet, so tut sie dies auch von Land zu Stadt. Das hat mit dem Wind zu tun, aber auch mit der aufgeheizten Bausubstanz, mit heißem Beton und kochend heißem Asphalt. „Urban Heat Island Effect“ nennen es die Amerikaner, den Effekt der städtischen Hitzeinsel. Tagsüber macht er Städte ein bis 2,5 Grad wärmer als ihre Umgebung, nachts, wenn die Gebäude aufgenommene Wärme abstrahlen, können die Unterschiede bis zu elf Grad betragen.

Amerikaner setzen auf Klimaanlagen

Daher überlegen Wissenschaftler schon lange, wie man Städte abkühlen kann. Ein beliebtes Mittel in den USA ist es, nicht die Städte, sondern die Wohnungen abzukühlen – per Klimaanlage. Mit fatalen Folgen: Gerade dann, wenn Hitzewellen übers Land rollen und besonders viele Klimaanlagen besonders viel Strom verbrauchen, geht plötzlich gar nichts mehr.

„Blackout“ heißt das Schreckenswort, Stromausfall! Er kommt nicht gerade selten vor bei dem maroden Stromnetz, das vielerorts die US-Bürger versorgt, und schlägt sich bei entsprechenden Temperaturen regelmäßig in der Sterberate nieder. Zuletzt Anfang des Monats in Südkalifornien, als die Tagestemperatur mancherorts fast 49 Grad erreichte.

Eine städtebauliche Antwort auf die steigenden Temperaturen ist die Bepflanzung unserer Städte. Auf Dächern, aber auch entlang der Verkehrswege, bestenfalls noch verbunden mit breiten Straßenzügen, die als Frischluftschneisen wirken. Stuttgart etwa gilt bei diesem Thema weltweit als Vorbild. Andere Kommunen lernen vom pittoresken Anblick vieler Städte in Nordafrika: Weiße, stark reflektierende Dächer werden zum Beispiel in New York gefördert. Rund 400 000 Quadratmeter sind dort bisher getreu dem Motto „Paint it white“ gestrichen worden. Immer mehr Städte bieten auch sogenannte „Cooling Center“ an, öffentliche Orte, Turnhallen, Versammlungsgebäude, in denen die Menschen sich in klimatisierter Umgebung abkühlen können.

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