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Welthandel Donald Trumps Ordnung

Die Drohungen des US-Präsidenten zielen auf ein vollkommen neues System des globalen Handels. Können Europa und Asien sich wehren?

Trump
Donald Trump nährt die Furcht vor einem globalen Handelskrieg. Foto: rtr

US-Präsident Donald Trump kündigt Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte an, nährt damit die Furcht vor einem globalen Handelskrieg, die die Börsenkurse sinken lässt – und niemand findet ein tragfähiges Motiv, das der Präsident der weltgrößten Wirtschaftsmacht dabei verfolgen mag. Die einen erklären Trump daher mehr oder weniger offen für verrückt. Die anderen verweisen auf niedere Beweggründe wie die Sicherung von Wählerstimmen in Amerikas Industrieregionen. Obwohl der US-Präsident für beide Erklärungen ausreichend Material liefert, verpassen sie doch die Sache, um die es hier geht.

Volkswirtschaftlich erscheint Trumps Programm irrational. Er riskiert einen Handelskrieg zum Wohle der Stahlhersteller – einer Branche, deren jährliche Einnahmen nicht mal die Hälfte des Umsatzes des Computerkonzerns Apple ausmachen. Die Sanktionen sollen Importe abwehren, die an den gesamten US-amerikanischen Einfuhren einen Anteil von einem Prozent haben. Das ist weniger als nichts. Die Sanktionen sollen zwar vor allem China treffen. Doch liefert die Volksrepublik kaum Stahl in die USA. Um ihr zu schaden, müsste Trump eher Textil- und Elektronikimporte verteuern.

Das Argument, Trumps Aktion ziele auf die Wähler im Rust Belt, also dem sogenannten „Rostgürtel“, ist nicht so richtig überzeugend. Ganze 86.000 Menschen arbeiten noch in den US-Stahlwerken. Allein Amazon beschäftigt sechsmal mehr Amerikaner.

Die Kosten für die Sanktionen dagegen zahlen in Form höherer Stahlpreise nicht nur Millionen US-amerikanische Konsumenten, sondern auch die Auto- und Maschinenbauer, die für Amerikas Wirtschaft um ein Vielfaches bedeutsamer sind als die Stahlhersteller. Insgesamt klingt das nicht nach einem Programm, mit dem man sich bei den Wählern besonders beliebt macht.

Tatsächlich geht es Trump nicht um den Stahl. Er ist für ihn ein Symbol. Ein Symbol für seine Macht und seinen Willen, das globale Geschäft so zu ordnen, dass die Erträge vermehrt in den Vereinigten Staaten anfallen.

Aus den Milliardendefiziten der USA im Welthandel schließt der Präsident umstandslos, dass die Regeln dieses Handels „unfair“ sein müssen. Amerikanischen Erfolg auf den Weltmärkten setzt er den Handelspartnern damit als Bedingung: Nur was uns nutzt, sehen wir als fair an.

Nicht als Geschäftsmann ist der US-Präsident hier unterwegs, sondern als Reiter des Prinzips „Amerika zuerst“. Wenn Donald Trump hinzufügt, „America First“ heiße nicht „America Alone“, dann stellt er damit nur klar, dass er keinen Alleingang plant, sondern vom Rest der Welt Gefolgschaft fordert.

Dass Trump auf eine Generalüberholung des gesamten Systems zielt, wird im Ausland auch verstanden. Dafür steht die Warnung vor einem Ende des „regelbasierten Welthandels“. Doch steht hier nicht Willkür gegen Ordnung, sondern der Kampf darum, wie die Ordnung aussehen soll. Während die USA aus ihrem empfundenen ökonomischen Misserfolg schließen, dass die geltende Ordnung geändert werden muss, plädieren die Gewinner des Weltmarkts – Deutschland, China, Japan – für die Beibehaltung ebenjener Regeln, die ihnen Erfolg bescheren.

Der Appell des deutschen Industrieverbandes, die „bewährten Regeln der WTO“ durchzusetzen, wirkt daher ein wenig hilflos angesichts einer US-Regierung, die genau diese Regeln nicht mehr gelten lässt und neue fordert. Dies demonstriert sie im aktuellen Fall mit einem absichtsvollen Regelbruch: Ihre verhängten Stahlsanktionen sind laut Statuten der Welthandelsorganisation viel zu hoch, was jeder weiß.

Über den Vorwurf eines Rechtsbruchs setzt sich Trump jedoch ebenso souverän hinweg wie über Warnungen, die Sanktionen kämen die USA teuer zu stehen. Bei dieser Machtdemonstration achtet er nicht auf Dollar und Cent.

Für die anderen ökonomischen Weltmächte, die im geltenden System zu mächtigen Konkurrenten der USA aufgestiegen sind, ist diese Kampfansage sehr beunruhigend. Sie drohen zwar damit, zurückzuschlagen und ihrerseits Sanktionen zu verhängen. Doch steht ihnen mit den USA nicht bloß die größte Wirtschaftsmacht und vielfach ihr bester Kunde gegenüber, sondern die Nation, die den Weltmarkt in den vergangenen Jahrzehnten gestaltet hat und bis heute den Bestand des Gesamtsystems garantiert – mit ihrer Macht, ihrem Finanzsystem, ihrer Weltwährung Dollar und ihrem Militär.

China, Europa und Japan brauchen daher die USA. Denn sie sind nicht in der Lage, ein global verbindliches System mit Regeln, Strafen und Sanktionen zu errichten. Stiegen die USA tatsächlich in irgendeiner Weise aus, so handelte es sich nicht bloß um ein Handelssystem ohne die USA, sondern um gar kein globales System mehr. Die bisher verregelte Konkurrenz um Weltmarktanteile würde dann freigesetzt. Und das wünschen sich nicht einmal die größten Freunde des freien Marktes.

Asien und Europa müssen den USA also etwas bieten – und Trump wird sich nicht mit milden Gaben zufriedengeben.

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