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Vodafone und Telekom Chance für mehr Wettbewerb

Mit der Übernahme der Kabelnetze fordert Vodafone die Telekom heraus. Darin steckt die Chance für mehr Wettbewerb - der Leitartikel.

Deutsche Telekom
Die Übernahme von Vodafone ist ein Angriff auf die Telekom. Foto: dpa

Manche werden sich noch erinnern. Vor gut 18 Jahren schaltete der britische Vodafone-Konzern große Anzeigen in Tageszeitungen. Jetzt tut er es wieder. Damals ging es darum, die Übernahme des deutschen Mobilfunkers Mannesmann D2 zu erläutern. Heute wirbt der Konzern für die Übernahme des Kabelnetzbetreibers Unitymedia.

Dabei hat das Unternehmen nichts weiter als die TV-Kabelnetze in den drei Bundesländern NRW, Hessen und Baden-Württemberg übernommen. Vodafone besitzt bereits diese Infrastruktur in den übrigen 13 Bundesländern. Warum deshalb eine Anzeigenkampagne? Weil die Summe der Teile erheblich mehr wert ist als die Teile selbst. Es entsteht ein neuer Gigant in der Telekommunikationsbranche. Endlich ein Unternehmen, das auf Augenhöhe mit dem Ex-Monopolisten Deutsche Telekom agieren kann.

Das wird die gesamte Branche umkrempeln, die heute an der Schwelle zu den sogenannten Gigabitnetzen steht. Deren Hauptmerkmal wird ein Verschmelzen von Mobilfunk und Festnetz sein. Mit neuen Diensten, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können und die weit über das autonome Fahren hinausgehen.

Warum aber solche Mega-Deals? Weil die Telekommunikation ein Land der Riesen ist. Es werden Mega-Investitionen verlangt, die nur finanzstarke Konglomerate stemmen können. Die Branche steht vor der größten Investitionskampagne ihrer Geschichte. Es wird in den nächsten fünf Jahren darum gehen, Kommunikationsnetze für rund 40 Millionen Haushalte und 135 Millionen Mobilfunkanschlüsse aufzubauen, deren Leistungsfähigkeit um das zehn- bis zwanzigfache gesteigert werden soll.

Das Rennen nimmt nun mit der Unitymedia-Übernahme Fahrt auf. In der ersten Phase werden wir sehen, wie Vodafone bundesweit in konzentrischen Kreisen seine Netze am Rand großer Städte ausbauen wird – TV-Kabel wurden in den 1980er Jahren von der staatlichen Bundespost vor allem in Ballungsgebieten verlegt.

Schon bald dürfte das Gigabit-Ziel, also eine Übertragungsgeschwindigkeit von 1000 Megabit pro Sekunde, mit den für den Datentransport aufgebohrten Netzen erreicht werden. Die Telekom muss sich endlich auch bewegen und ihre Infrastruktur grundlegend erneuern: Gigabit kann sie nur bieten, wenn sie auf dem letzten Stück der Leitung Kupfer- durch Glasfaserkabel ersetzt.

Im nächsten Schritt wird zu Beginn des neuen Jahrzehnts der Mobilfunk für die 5G-Technik ertüchtigt – am Mittwoch hat die Bundesnetzagentur als Aufsichtsbehörde den Startschuss für die Versteigerung der entsprechenden Funkfrequenzen gegeben.

Hilfreiche Kabelnetze

Bei 5G handelt es sich um eine neue Netz-Architektur, die sogar noch weit mehr als 1000 Megabit bieten soll. Das geht nur, wenn überall Mobilfunksender installiert werden, etwa auch an jeder zweiten oder dritten Straßenlampe. Um enorme Mengen an Daten zu transportieren, müssen Hochleistungsleitungen zu den Straßenlampen gelegt werden. Dabei können die Kabelnetze von Vodafone und die Glasfaserkabel der Telekom enorm hilfreich sein. Für Nutzer wird es dann keine Rolle mehr spielen, ob das Smartphone oder der Fernseher via WLAN oder via 5G Daten empfängt und sendet.

Dieses Szenario hat etwas Beängstigendes: Der Ausbau im Land der Riesen wird von den Größten der Riesen erledigt. Die Erfahrung der Wettbewerbshüter zeigt aber: Wenn es nur noch zwei gibt, ist die Gefahr groß, dass die sich den Markt in friedlicher Koexistenz aufteilen und damit Wettbewerb ausschalten, nebst hoher Preise für die Kunden.

Denn jeder Einzelne ist so stark, dass es für den Anderen viel zu aufwendig und zu teuer ist, ihn zu verdrängen. Und wo bleibt der Dritte? Im hiesigen Fall handelt es sich um Telefonica/O2, mit einem noch immer lückenhaften Mobilfunknetz und kaum Festnetzen, die mit 5G-Sendern verkoppelt werden können.

Und was wird aus den Kleineren im Land der Riesen, aus Mobilcom-Debitel, 1&1 & Co? Immerhin haben sich diese Unternehmen, die nur Mini-Infrastrukturen betreiben, als effiziente Vertriebsplattform für Kapazitäten der Netzbetreiber erwiesen.

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