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US-Präsident Donald Trump, der Brandstifter

Vor einem Jahr wurde Donald Trump in sein Amt gewählt, und vieles ist schlimmer gekommen als erwartet. Anstatt sich formen zu lassen, hat Trump die Mauern des Weißen Hauses gesprengt - der Leitartikel.

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Donald Trump auf Reisen. Foto: rtr

Bis zuletzt wollten es viele nicht glauben. Hatten nicht alle Demoskopen einen Sieg von Hillary Clinton vorhergesagt? Doch am Abend des 8. November 2016 wurden die Gesichter immer länger. Mit dem Eintreffen der Wahlergebnisse wich ungläubiger Zweifel zunächst wachsender Sorge und schließlich nacktem Entsetzen. Die Politikwissenschaftler, die Medien und die Großstadtbewohner hatten sich komplett getäuscht. Um 2.31 Uhr US-Zeit war kein Zweifel mehr möglich: „Eil: Donald Trump ist gewählter Präsident der Vereinigten Staaten“, tickerte die Nachrichtenagentur AP.

Schockstarre nach der Wahl von Donald Trump

Ein rechtspopulistischer Rüpel, der während des Wahlkampfes Frauen und Behinderte beleidigt hatte, im Weißen Haus? Nicht nur die liberalen Zentren an den Küsten der USA stürzten in eine Schockstarre. Auch in Deutschland war das Erschrecken über den Erfolg des ehemaligen Reality-TV-Stars groß.

Doch bald meldeten sich die transatlantischen Mutmacher zu Wort: Man dürfe die Wahlkampfrhetorik nicht für bare Münze nehmen, sagten sie. Das Präsidentenamt präge die Person mehr als umgekehrt. Schließlich würden vernünftige Politprofis den Immobilienmogul im neuen Job schon beraten und einmauern.

Nach einem Jahr voller Tabubrüche, Affären und sonstiger Ungeheuerlichkeiten, die kein Fernsehproduzent im Drehbuch einer Politserie akzeptiert hätte, muss man ernüchtert feststellen: Auch diese Hoffnung war eine Täuschung. Tatsächlich ist vieles schlimmer gekommen als erwartet. Nicht das Amt hat Trump geformt – der Regierungschef hat die ehrwürdigen Mauern des Weißen Hauses gesprengt.

Trump ballert seine Tweets

Er will nicht der Präsident aller US-Amerikaner sein. Für ihn geht der Wahlkampf immer weiter. Jeden Morgen kurz nach Sonnenaufgang greift er zum Smartphone und ballert seine Tweets gegen Amtsvorgänger Barack Obama, die angebliche „Lügenpresse“ oder das Establishment ab. Mal ist er das Opfer, mal der Rächer der Entrechteten – aber immer ist Donald Trump der Größte.

Es gibt nur zwei Instanzen, denen sich dieser Mann verpflichtet fühlt: seinem krankhaften Ego und seiner von der Politik enttäuschten Basis. Dem Narzissmus zollt er mit dem Gehabe eines absolutistischen Sonnenkönigs Tribut, der das Amt hemmungslos zur persönlichen Bereicherung nutzt, sein Umfeld demütigt und erklärt: „Ich bin der Einzige, auf den es ankommt.“ Der Basis bietet er mit pausenlosen Schaukämpfen und einem aberwitzigen Verbalradikalismus einen Blitzableiter für den aufgestauten Frust.

Mal leitet Trump die Wut auf angeblich kriminelle Ausländer um, mal auf unpatriotische Football-Spieler, mal auf faule (farbige) Puerto Ricaner. Ohne Skrupel lügt und diffamiert der Präsident. Er bedient rassistische Ressentiments und schreckt selbst vor der unerhörten Kränkung einer Soldatenwitwe nicht zurück.

Radikalreform von Obamacare ist gescheitert

Der schrille Daueralarm, den der Brandstifter im Weißen Haus auslöst, lenkt vom Versagen bei der Umsetzung seiner politischen Versprechen ab: Von der Mauer zu Mexiko steht kein einziger Stein. Die Radikalreform des Gesundheitssystems Obamacare ist gescheitert. Und der Einreisestopp wurde von den Gerichten zerpflückt.

Nicht wenige Trump-Kritiker wenden diese Misserfolge ins Positive. Ganz offensichtlich, argumentieren sie, seien die Gerichte, die Presse und die Profis im Kongress stark genug, die schlimmsten Verwüstungen des Präsidenten zu verhindern. Das andere Amerika müsse während der irren Regentschaft von Trump nur überwintern und werde dann spätestens 2020 weitgehend unbeschädigt wiederauferstehen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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