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Stanislaw Tillich „Der Sachse“ merkt nicht, was in Sachsen läuft

Der Rücktritt des sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich ist dringend nötig gewesen - für Land und Leute und eine implodierte CDU. Unser Leitartikel.

Stanislaw Tillich
Die Frage in Dresden lautet, ob Stanislaw Tillich rechtzeitig zurückgetreten ist. Foto: dpa

Was soll man von einem Ministerpräsidenten halten, der am Abend der Bundestagswahl, als seine CDU in Sachsen zusammenbricht, kleiner als die AfD wird, als ganze Dörfer mit 30, 40 und mehr Prozent die Rechtspopulisten wählen, einen befreundeten Bürgermeister anruft und ihn fragt: „Du, sag mal, was ist da eigentlich los?“

Ist so passiert. Am 24. September. Stanislaw Tillich ruft einen Bürgermeister an, damit der ihm sein Sachsen erklärt. Was so los ist, was die Leute denken, warum etliche so wütend sind. Nach neun Jahren als Ministerpräsident muss er andere fragen. In der sächsischen CDU fiel einigen die Kinnlade runter vor Staunen. Diese absurde Geschichte erzählt zweierlei. Sie beschreibt einerseits, wie eigenartig Tillich regierte. Außerdem, wie abgehoben, teils rücksichtslos und ohne Draht zur Wirklichkeit in Sachsen seit langem Politik gemacht wird.

Stanislaw Tillich hat das Land treiben lassen

Stanislaw Tillich, der 2008 als „Der Sachse“ und „Einer von uns“ Ministerpräsident wurde und den Westfalen Georg Milbradt ablöste, weil sich kein anderer fand, hat das Land treiben lassen. Regiert hat er nicht.

Er ist Konflikten systematisch aus dem Weg gegangen, er hat seine Minister dahin geschickt, wo es Ärger und rechte Ausschreitungen gab, ob drohende Firmenschließungen oder Randale in Freital, Bautzen, Meißen. Tillich ließ sich erst sehen, wenn es absolut unvermeidlich war. Er hat gekniffen, als Pegida ihn einmal auf die Bühne holen wollte, damit er sich und seine Politik erklärte. Was hätte er verloren, wenn er es gemacht hätte? Aber er hat nicht. Er ist kein Mann für den politischen Nahkampf.

Gibt es Kritik, wird das als „Sachsenbashing“ abgetan. Wirklich genossen hat er die Zeit, als er als Bundesratspräsident außerhalb Sachsens herumreisen und repräsentieren durfte. Das Wellnessprogramm, die schönen Seiten seines Amtes. Kann man ja verstehen, geht aber nicht.

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