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SPD und Martin Schulz Wille zur Ohnmacht

Es ist nicht zu fassen, wie eine Partei wie die SPD sich ohne Not selbst entmachtet. Es könnte der Anfang vom Ende des Modells Deutschland sein. Der Leitartikel.

Martin Schulz und Sigmar Gabriel
Kontrahenten Sigmar Gabriel (links), Martin Schulz: geht das Drama weiter? Foto: Michael Hanschke (dpa)

Ist das schon der letzte Akt? Bisher sah das Stück für einen weit außenstehenden Beobachter so aus: 1. Akt: Parteivorsitzender Sigmar Gabriel macht Martin Schulz zu seinem Nachfolger. 2. Akt: Martin Schulz schasst Sigmar Gabriel. 3.Akt: Gabriel schasst Schulz. Der zweite Akt dauerte nicht einmal drei Tage. Wir dürfen gespannt sein, wie lange der dritte Akt dauern wird.

Die Sozialdemokratie verschleißt ihr Führungspersonal mit einer Großzügigkeit, als hätte sie jede Menge Leute auf der Ersatzbank. Nur: Von der meldet sich kaum einer. Und noch ist niemand in Sicht, der sie aufs Spielfeld setzen würde.

Aber das ist der Unterschied zwischen Politik und Fußball. In der Politik muss, wer spielen will, selbst ins Gefecht. Vor Jahrzehnten hatte die SPD einmal für eine Weile den Trainer Herbert Wehner, der selbst keine Chance hatte und darum mal Willy Brandt, mal Helmut Schmidt nach vorne schob. Das ist schon sehr, sehr lange vorbei.

In Gerhard Schröder hatte die SPD einen Mann, der unbedingt siegen wollte und nicht davor zurückschreckte, den Liebling der Partei, Oskar Lafontaine, wegzubeißen. Seitdem hat die SPD weder Trainer noch Stürmer.

Man mag das positiv sehen. Aber der neue Sozialisationstyp ist auch sonst nirgends in der Gesellschaft angekommen. Verunsicherte Bürger wollen nicht auch noch verunsicherte Politiker an der Spitze sehen. Schon gar nicht mögen sie es, wenn verunsicherte Politiker darüber streiten, wie man verunsichert Politik machen kann. Die Idee, sich alles von den Parteimitgliedern absegnen zu lassen, wird – wohl zu Recht – nicht als Akt innerparteilicher Demokratisierung betrachtet, sondern als Verweigerung der Führungsrolle durch die Führung.

Das Spiel von Martin Schulz und der von ihm geführten SPD während des Wahlkampfs, jede Koalition mit einer von Angela Merkel geführten CDU abzulehnen und so zu tun, als gebe es wirklich eine Chance für eine von Martin Schulz geführte Regierung, war nicht etwa unrealistisch, sondern zutiefst verlogen. Das Wahlergebnis war auch die Quittung dafür.

Nach der Wahl bei der vor der Wahl propagierten Haltung zu bleiben, war konsequent, aber darum nicht weniger irrsinnig. Eine Partei, die glaubt, es wäre besser, sie würde nicht regieren, wird kaum einen Wähler dafür gewinnen können, sie zu wählen. Ein Parteivorsitzender, der sich hinstellt und erklärt, in einem Kabinett Merkel habe er keine Chancen, den Regierungsbonus für seine Partei zu nutzen, gehört abgesetzt.

Wenn er dann doch ins Kabinett geht und dafür einen neuen Bruderkrieg im Hause SPD riskiert, darf er sich nicht wundern, wenn er abgeworfen wird. Aus dem Weg räumen konnte Sigmar Gabriel Martin Schulz. Ob das bedeutet, dass Gabriel Außenminister bleibt, werden wir in den nächsten Stunden oder Tagen erfahren. Die designierte Parteichefin ist Andrea Nahles. Davon wird man sie auch nicht mehr wegkriegen. Schulz wird in der Versenkung verschwinden. Nicht einmal die Friedrich-Ebert-Stiftung wird ihm noch zur Verfügung stehen.

Beim spanischen Stierkampf wurden die Stiere getötet. Beim portugiesischen blieben sie am Leben und torkelten am Ende ein paar Kühen hinterher. In Shakespeares Königsdramen liegen am Ende fast alle gemeuchelt auf dem Bühnenboden. Das ist spanischer Stierkampf. Der Machtkampf in der SPD folgt dem portugiesischen Vorbild. Nur sucht man vergeblich nach den Kühen, die die Recken aus der Arena locken. Aber wir wissen ja nicht, ob wir schon im letzten Akt sind, ob das Stück wirklich schon vorüber ist.

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