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RWE und Eon Erneuerbare auf Eis gelegt

Wieder einmal wird der Strommarkt neu geordnet. Eon und RWE teilen sich die Arbeit. Für die Erneuerbaren ist das kein gutes Zeichen. Der Leitartikel in der FR.

Innogy
Ein Kofferwort als Firmentochter: Innogy ist am Ende. Foto: dpa

Innogy ist ein sogenanntes Kofferwort. Es ist aus „Innovation“ und „Energy“ zusammengesetzt. Der Name war bei Innogy Programm. Neue Wege in der Energiewirtschaft wollte das Unternehmen gehen. Doch das Projekt wird nach noch nicht einmal zwei Jahren schon wieder beendet. Das Management hat seinen Widerstand gegen die Übernahme durch den Energieriesen Eon und die geplante anschließende Zerschlagung aufgegeben.

Damit stirbt eines der interessantesten industriepolitischen Experimente in Deutschland einen jähen und frühen Tod. Innogy war der Versuch, aus der großen Muttergesellschaft RWE das Neue, Zukunftsweisende herauszupräparieren, um mit Öko-Strom, intelligenten Energiedienstleistungen für Haushalte und dem Betreiben von Stromnetzen ein reinrassiges und lukratives Energiewende-Unternehmen zu formen.

Übernahme und Zerschlagung bedeuten jetzt: Netze und Vertrieb gehen an Eon. Das Geschäft mit der Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Quellen wird an RWE zurückgegeben. Was bedeutet das für die Energiewende? Nichts Gutes. Die Bremsmanöver beim Umbau des Versorgungssystems für Strom und Wärme werden sich verstärken.

Ein Blick zurück lohnt sich: Im Jahr 2000 setzten die Grünen in der rot-grünen Bundesregierung mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ein Förderkonzept für Wind-, Solar- und Bioenergie durch, das zum Vorbild für viele andere Länder wurde. Es machte Deutschland zum Pionier. Doch das Jahr 2000 ist auch der Startpunkt eines ganz anderen industriepolitischen Projekts. Unter der Schirmherrschaft von Kanzler Gerhard Schröder (SPD) wurde aus den Mischkonzernen Veba und Viag Eon geformt.

Schröder folgte damit dem Konzept der nationalen Champions: große Konzerne, die den Heimatmarkt dominieren, im Ausland erfolgreich sind und zugleich über enorme politische Macht verfügen.

Doch die Manager bei Eon ignorierten ebenso wie die bei RWE die Kraft der Erneuerbaren. Immer deutlicher wurde in den vergangenen 18 Jahren klar, dass sie weltweit die Energiequelle der Zukunft sind. Viele neue Akteure bevölkerten mittlerweile die Energiebranche. Tausende Arbeitsplätze sind im Bereich der Erneuerbaren entstanden. Wind und Sonnenstrom sind längst billiger als die Elektrizität, die mittels Kohle, Erdgas und Atomkraft erzeugt wird.

Diese Entwicklung hat indes Eon und RWE immer stärker in eine Schieflage gebracht, die zeitweise existenzbedrohend war. Was jetzt passiert, lässt sich als ein Zurück in die Zukunft interpretieren. Es  werden abermals mit tatkräftiger Unterstützung der Bundesregierung nationale Champions gebildet. Bei Netzen und Vertrieb ist Eon künftig die unbestrittene Nummer eins. Bei der Stromerzeugung ist es RWE.

Daraus entstehen auch ganz neue Machtkonzentrationen. Will die Bundesregierung künftig bei den regionalen Netzen und den Gebühren für deren Nutzung etwas angehen, wird sie bei Eon nachfragen, was man davon hält.

Man darf gespannt sein, wie offen die dortigen Manager gegenüber neuen Konzepten sein werden. So passen zur dezentralen Erzeugung der Erneuerbaren das Konzept von Mikronetzen und der Stromhandel zwischen Nachbarn: Wer eine Solaranlage auf dem Dach hat, kann dank Blockchain-Software Sonnenstrom zuverlässig nach nebenan verkaufen. Das Dumme an dieser nächsten Energierevolution ist aus Sicht von Eon nur, dass sie große Netzbetreiber weitgehend überflüssig machen kann.

Noch viel spannender wird, wie sich der neue nationale Erzeugungschampion RWE verhält, der demnächst ein riesiges Portfolio an konventionell und mit Erneuerbaren betriebenen Anlagen kontrollieren wird. Wenn es um Versorgungssicherheit geht, werden das Wirtschaftsministerium und das Kanzleramt künftig zuerst bei RWE nachfragen, zumal in der Branche spekuliert wird, dass eine ganze Reihe von Kohle- und Gaskraftwerken noch hinzukommen könnten. Unter anderem die baden-württembergische EnBW will offenbar Anlagen in größerem Stil loswerden.

Diese Stärkung von RWE wird auch Rückwirkungen auf die Verhandlungen über den Kohleausstieg haben. RWE kann mit breiter Brust für seine Braunkohlekraftwerke und -tagebaue kämpfen. Die liegen den Managern sehr am Herzen, da sie hohe Renditen abwerfen. Das Erneuerbaren-Portfolio dürfte hingegen im neuen alten RWE-Konzern nur die zweite Geige spielen.

Keine Frage: Die Schaffung der neuen Champions stabilisiert RWE und Eon und verringert damit die Gefahr politischer Verwerfungen durch Jobabbau in den Konzernen. Deshalb spielt das Ganze Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in die Karten, der neulich überdies laut darüber nachdachte, das EEG bald abzuschaffen. Die im Koalitionsvertrag beschlossenen Sonderausschreibungen für zusätzliche Wind- und Sonnenstromanlagen hat er auf Eis gelegt.

Der Minister übersieht allerdings, dass durch solch ein Bremsen bei der Energiewende Potenziale für Tausende neuer, zukunftssicherer Jobs bei den Erneuerbaren nicht genutzt werden.

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