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Reformation Ein Jahr verpasster Chancen

Die Kirchen haben das Jubiläum der Reformation nicht dazu nutzen können, um die Ökumene voranzubringen. Was ist zu tun? Der Leitartikel.

500 Jahre Reformation
Martin Luther ist nicht unumstritten. Foto: dpa

Skandal der Spaltung und das Leiden an der Trennung

Mit Blick auf eine weite kohäsive Seite, das evangelisch-katholische Miteinander, ist das Reformationsjubiläum ein Jahr verpasster Chancen. Zwar posierten Kardinal Reinhard Marx und Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm als siamesische Zwillinge der Ökumene. Doch gerade das Bild trauter Eintracht erweist die Warnung des langjährigen päpstlichen Ökumene-Ministers Walter Kasper von Anfang 2017 als grimmige Prognose: „Dieses Jahr darf nicht zu Ende gehen mit schönen Worten und ein paar berührenden Gesten.“ Ist es aber. In zentralen Fragen sind die Kirchen nicht weitergekommen: nicht bei der Abendmahlsgemeinschaft, nicht bei der Anerkennung der Ämter oder einer ökumenisch kompatiblen Rekonstruktion des Papsttums, dem Umgang mit Frauen, dem Verständnis der Sakramente.

Beklagen die Kirchenleitungen dann den Skandal der Spaltung und das Leiden an der Trennung, provozieren sie den Verdacht, dass sie sich in einer Art frommem Masochismus recht bequem darin eingerichtet haben. In der Vorwoche hat der frühere Chef der Glaubenskongregation im Vatikan, Kardinal Gerhard Müller, Luthers Kritik an Kirche und Papst als „Sünde wider den Heiligen Geist“ gebrandmarkt und damit als die schlimmste, unverzeihliche Abwendung von Gott selbst.

Just zur Feier des Reformationstags ist das eine theologische Stinkbombe oder ein kirchenpolitischer Molotow-Cocktail. Wären die treibenden Kräfte in der Ökumene weitergekommen beim Bau des gemeinsamen Kirchendachs, wäre es ein besserer Schutz gegen (Ein-)Würfe wie die Müllers aus dem fernen Rom. So aber wirken diese – im Wortsinn – diabolisch: Sie bringen durcheinander, stiften Verwirrung, säen Zwietracht. Und erschweren es den Kirchen, den Auftrag Christi und das Gebot der Stunde zu erfüllen: die Einheit im Glauben sichtbar zu machen; gemeinsam zu reden und zu handeln im Hier und Jetzt.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Martin Luther

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