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Rechter Kulturkampf Widerstand gegen Donald Trump wächst

In den USA entwickelt sich eine breite Bewegung gegen Donald Trumps Politik. Dabei ist es nicht die Opposition im Kongress, die diesen Widerstand vorantreibt. Unser Leitartikel.

Donald Trump
Stößt auf Gegenwehr: Donald Trump. Foto: afp

Wer in diesen Tagen ein Spiel der US-amerikanischen Profi-Football-Liga besucht, wird zu Beginn wahrscheinlich Zeuge einer ungewöhnlichen Szene. Statt wie üblich beim Abspielen der Nationalhymne die rechte Hand aufs Herz zu legen, gehen einige Sportler in die Knie. Andere haken sich stehend unter. Auf diese Weise demonstrieren die Athleten gegen Rassismus und Polizeigewalt – und gegen Donald Trump. Der Präsident der Vereinigten Staaten hat die aufmüpfigen Spieler mit überwiegend schwarzer Hautfarbe nämlich als „Hurensöhne“ beschimpft und ihre Entlassung gefordert.

Sportler gegen Donald Trump

Mit seinen Ausfällen hat Trump den Protest nicht zum Verstummen gebracht. Im Gegenteil. Erste Basketball-Teams haben eine Einladung ins Weiße Haus ausgeschlagen. Die Bosse der Football-Vereine weigern sich, ihre Spieler zu maßregeln.

Etwas hat sich verändert in den USA. Nach den großen Frauenmärschen zu Trumps Amtseinführung schien das Land zunächst in eine Schockstarre zu fallen. Zwar lästerten die linksliberalen Gäste der Oscar-Preisverleihung in Ballkleid und Smoking halb befremdet, halb angewidert über den Proleten im Weißen Haus. Der stärkste Widerstand gegen die Rechtswende kam nicht aus der Zivilgesellschaft, sondern von der dritten und vierten staatlichen Gewalt: Es waren die Gerichte, die das Muslim-Einreiseverbot stoppten, und es sind die Medien, die dem Präsidenten Tag für Tag Falschaussagen nachweisen und seine Rhetorik entlarven.

Immer mehr Menschen begehren auf

So beruhigend es ist, dass die demokratische Kontrolle durch die Institutionen funktioniert: Juristen und Journalisten alleine werden die zerstörerische Spaltung des Landes, das stetige Einsickern giftiger Ressentiments und die angestrebte Rückabwicklung der Obama-Ära unter einem Narzissten ohne Wertekanon kaum verhindern können.

Doch nun hat sich der Wind gedreht. Wenn nicht alles täuscht, gewinnt der Widerstand der Zivilgesellschaft an Kraft und Breite. Nicht dass der Präsident bei seinen Hardcore-Anhängern nennenswert an Unterstützung verlöre. Aber die schweigende Mehrheit der Amerikaner, die Trump nicht gewählt hat, sieht nicht länger tatenlos zu. Immer mehr Menschen begehren auf.

Das zeigt sich nicht nur beim Sport. Im vergangenen Monat musste Trump seine Gesundheitsreformpläne für dieses Jahr beerdigen. Trotz gewaltigem Druck waren republikanische Senatoren nicht bereit, das eigene Gesetz zu unterstützen. Offensichtlich haben die massiven Proteste von Patienten und Behinderten in den Wahlkreisen und selbst auf den Fluren des Kongresses einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

Ähnlich ist es bei der Aufkündigung des Bleiberechts für junge Migranten. Dagegen demonstrieren nicht nur die Betroffenen, sondern vor allem die Wirtschaft. Die verärgerten Manager lösten aus Protest Trumps Industriebeiräte auf. Gleichzeitig gehen bei Rechtshilfevereinen im Land derzeit Spenden in Rekordhöhe ein. Nun sucht der Präsident nach einer gesichtswahrenden Lösung, die Massenabschiebungen doch noch zu verhindern.

US-Bürger sind entschlossen gegen Abschiebung

Nicht die Opposition im Kongress treibt den Widerstand voran. Die Demokraten wirken nach ihrer desaströsen Wahlniederlage immer noch zerrupft und selbstfixiert. Es fehlt eine Führungsfigur, und die Frage, ob man eher die enttäuschten Trump-Wähler in der rechten Mitte oder die Anti-Trump-Aktivisten auf der linken Seite umwerben soll, ist unbeantwortet. Das Kraftzentrum der neuen Opposition befindet sich außerhalb der Parlamente:

Den Sportlerprotest hat Colin Kaepernick, ein einzelner Football-Spieler, vor einem Jahr losgetreten. Die eindrucksvollste Entlarvung von Trumpcare gelang dem Talkshow-Moderator Jimmy Kimmel, der in einer furiosen Wutrede führende Republikaner der Lüge bezichtigte und die brutalen Konsequenzen des Gesetzes für seinen herzkranken Sohn aufzeigte.

Vor allem aber bildet sich in den USA eine Graswurzelbewegung, die sich der Trump-Politik entgegenstellt. Ehrenamtliche Widerstand-Start-ups wie „Indivisible“ („Unteilbar“) koordinieren sich über das Internet. Überall schießen Ableger wie Pilze aus dem Boden und nehmen die Politiker in die Mangel. Hunderttausend Protestanrufe bei Abgeordneten wurden alleine in den vergangenen Tagen über eine Anti-Trumpcare-Plattform abgewickelt. Ende Oktober wollen in Detroit rund 5000 Teilnehmerinnen bei einer „Women’s Convention“ darüber beraten, wie die Energie der Frauenmärsche kanalisiert werden kann.

Vieles hat noch keine festen Strukturen, und es gibt kein gemeinsames Programm. Aber eines wird immer deutlicher: Viele US-Bürger sind entschlossen, für das Amerika zu kämpfen, das sie lieben: ein Land der Meinungsfreiheit, der Rassengleichheit und der religiösen Toleranz. Je hemmungsloser der Mann im Weißen Haus mit seinem rechten Kulturkampf diese Werte torpediert, desto heftiger wird ihre Gegenwehr werden.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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