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Presse Vom Wert der Medien

Der Mordanschlag auf eine maltesische Journalistin sollte uns daran erinnern, wie wichtig die Presse ist. Auch wenn sie von vielen verachtet wird. Der Leitartikel.

A protestor holds a pizza box with a message from the sons of assassinated investigative journalist Daphne Caruana Galizia, after they sent pizzas to protestors camping outside the office of Prime Minister Muscat, on the first night of a four-day protest o
Eine Demonstrantin hält eine Pizza-Box in der Hand. Auf dieser: eine Nachricht von Caruana Galizias Söhnen. Foto: rtr

Die Regierung von Malta hat eine Belohnung von einer Million Euro für Hinweise auf die Mörder der Journalistin Caruana Galizia ausgesetzt. Der Fall sei so außergewöhnlich, dass er außergewöhnliche Maßnahmen erfordere, erklärte die Regierung. Damit hat sie recht. Ein Mordanschlag auf eine kritische Journalistin mitten in Europa ist so außergewöhnlich wie erschreckend. Andererseits werden Journalisten in vielen Ländern der Welt, die sich demokratisch nennen, beschimpft, verfolgt, getötet.

In der Türkei sitzen Hunderte Redakteure und Reporter wegen fadenscheiniger Anschuldigungen im Gefängnis. In Russland und auf den Philippinen sind Morde an Medienleuten keine Seltenheit, in Indien werden sie von kritisierten Unternehmen und Politikern juristisch verfolgt, von Auftragstätern zusammengeschlagen und getötet. Und US- Präsident Donald Trump gefällt sich als Hassprediger gegen einen unabhängigen, kritischen Journalismus, von ihm schlicht als Fake News tituliert.

Es sei doch einfach nur widerlich, dass die Medien berichten könnten, was sie wollten, schimpfte Trump in der vergangenen Woche. Dass der Präsident der westlichen Führungsmacht einen Grundsatz seiner eigenen demokratischen Gesellschaft auf diese Weise angreift, hat zwei Gründe: Zum einen steht er im Fokus dieser Medien, die schon hundertfach nachgewiesen haben, dass nicht sie lügen, sondern er. Zum anderen aber lässt sich derzeit mit kaum etwas leichter Beifall heischen als mit Angriffen auf „die Medien“.

Vor allem die Rechten, aber auch manche Linke punkten mit der einfachsten aller einfachen Erklärungen des Elends dieser Welt: Die Medien sind schuld! Und viele, viele nicken.

Der Publizist Sascha Lobo hat dafür den Begriff des Mediennihilismus gefunden: „Nichts glauben, nichts von Wert sehen, die Verneinung aller Erkenntnismöglichkeit“ sei so sehr en vogue, dass sogar Medienmenschen dabei mitmachten. So verunglimpfen manche Zeitungsverlage und Printjournalisten den öffentlich-rechtlichen Rundfunk wegen seiner Internetaktivitäten, sprechen von Staatsfunk, ziehen Vergleiche mit Nordkorea. Irgendwer muss ja schuld sein an der Misere der gedruckten Presse – wahrscheinlich die anderen Medien?

Die Urheber dieser Kampagne übersehen völlig, dass sie damit das Spiel jener treiben, die in der „Lügenpresse“ die Ursache allen Übels sehen wollen. All dies unterminiert aber das demokratische Fundament unserer Gesellschaft, zu dem die einst zur „vierten Gewalt“ geadelten Medien unverzichtbar gehören. Dass ein CDU-Landesminister in diesem Umfeld vorschlägt, die Tagesschau abzuschaffen, verwundert nicht. Die Nachrichtensendung der ARD zählt übrigens zu den Formaten mit den höchsten Glaubwürdigkeitswerten in Deutschland.

Den Wert der so abfällig als „Mainstream“ abgetanen Medien macht gerade der Fall der ermordeten Journalistin Caruana Galizia deutlich. Sie hat die 2016 von einer Gruppe internationaler Medien recherchierten Panama Papers über ein weltweites System von Steuerbetrug, Korruption und Geldwäsche für Malta ausgewertet und unerbittlich über die mafiöse Verwicklung maltesischer Politiker und Juristen geschrieben, darunter der Ministerpräsident und seine Frau. Letztlich hat ihre Berichterstattung zu Neuwahlen geführt.

Ihre Arbeit steht beispielhaft für die Aufgabe von Medien in Demokratien: die Kontrolle der Staatsgewalten Regierung, Parlament und Justiz. Nichts anderes tun die Journalisten, die über Donald Trump und seinen Clan berichten oder auch die deutschen Medien, ohne die zum Beispiel die Kumpanei zwischen Autoindustrie, Politik und Behörden beim Dieselskandal nie aufgedeckt worden wäre.

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