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Linke Bewegung Keine Chance mit Wagenknecht und Lafontaine

Katja Kipping und Bernd Riexinger hätten eine linke Sammlungsbewegung mit ihrer Art womöglich zustande gebracht. Heute ist es dafür zu spät - der Leitartikel.

Die Linke
Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine gelten als autoritär. Foto: imago

Wenn sich die Linke am Freitag zu ihrem Parteitag trifft, dann wird eine Revolution wohl nicht stattfinden. Anders als noch zu Jahresbeginn deutet nichts auf einen Sturz der Parteivorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger hin – einen Sturz, den zumindest Fraktionschefin Sahra Wagenknecht wohl gerne sähe. Einzig die Tatsache, dass es für das Amt des Bundesgeschäftsführers nun zwei Kandidaten gibt, ist Indiz für jene enormen Spannungen, die in der Linken mal wieder herrschen.

Auch die von Wagenknecht und ihrem Ehemann Oskar Lafontaine forcierte Sammlungsbewegung wird es vorerst nicht geben. Ihr Start wurde auf den Herbst verschoben. Die – offenbar völlig überraschend stattfindende – Fußball-Weltmeisterschaft und die anschließenden Sommerferien, so heißt es neuerdings, würden den gewünschten medialen Effekt ansonsten verpuffen lassen.

Dabei hat Wagenknecht ja durchaus recht. Es müsste etwas geben, das den Rechtsruck zu brechen vermöchte, die große Gemeinsamkeit der (linken) Demokraten. Nur zerschellt dieser Anspruch an der Wirklichkeit – innerhalb der Linken wie außerhalb.

Innerhalb der Partei bleibt es ein Rätsel, wie ausgerechnet Wagenknecht und Lafontaine auf die Idee kommen können, sie seien als Sammler geeignet. Er hat mit seinem Rückzug von der SPD-Spitze 1999 ein Heer von Enttäuschten hinterlassen. Anschließend gründete der Saarländer die Linke, die das Schisma weiter vergrößerte. In der Linken wiederholte sich das Schauspiel. Auch dort stößt die Methode „Oskar befiehlt, wir folgen“ auf wenig Begeisterung.

Misstrauensvotum für Wagenknecht

Wagenknecht wiederum musste unlängst einen offenen Brief von 25 der 69 Linksfraktionsmitglieder lesen, der auf ein Misstrauensvotum hinauslief. Es wundert darum nicht, dass niemand in der Partei außer den Initiatoren dem Projekt Sammlungsbewegung eine Chance gibt.

Jenseits der Linken hat unlängst allein der SPD-Haudegen Rudolf Dreßler seine Sympathie bekundet. Nur: Er ist – bei allem Respekt – 77 Jahre alt. Längst ist auch nicht mehr von einer Sammlungsbewegung, sondern von einer Online-Plattform die Rede.

Abschreckend wirkt auf viele, dass Wagenknecht und Lafontaine – teils aus Opportunismus, teils aus Überzeugung – die AfD mit deren eigenen Waffen schlagen wollen: mit nationaler Abschottung und „Wahrung kultureller Identität“. Damit verprellen sie genau jene versprengten und in der Flüchtlingsfrage moralisch anders verorteten Linken bei SPD und Grünen, die sie mindestens erreichen müssten.

Mit anderen Worten: Was das Ehepaar aus Merzig vorhat, kann nicht funktionieren. Die gesellschaftliche Stimmung ist ohnehin nicht danach; sie lässt sich nicht künstlich herbeiführen. Das Verblüffende ist, dass beide dies nicht begreifen – woran man sehen kann, dass zu wenig Selbstbewusstsein schädlich ist, zu viel Selbstbewusstsein aber leider auch.

Im Übrigen verfolgen Sozialdemokraten und Grüne eine jeweils eigene Agenda. Die SPD muss sich in der großen Koalition behaupten und hat damit erkennbar Mühe. Verlöre sie in den Umfragen weiter an Boden und fiele gar bundesweit hinter die AfD zurück, könnte es das mit der großen Volkspartei gewesen sein.

Keine Brücke zwischen den Milieus

Es war übrigens kein Geringerer als Lafontaine, der den Verfall der SPD womöglich frühzeitig hätte stoppen können, wenn er 1999 an Bord geblieben wäre – in der Rolle eines deutschen Jeremy Corbyn. Aber geduldiger Ausgleich ist seine Sache nicht.

Die Grünen schwanken. Ihr Vokabular wird radikaler, etwa wenn es um das Thema Wohnen geht. Zugleich ist von einer Entgiftung des Verhältnisses zur FDP die Rede. Dahinter verbirgt sich die Einsicht, dass die große Koalition vorzeitig in die Knie gehen könnte und man es dann doch noch einmal auf der Insel Jamaika probieren müsste. Dahinter verbirgt sich überdies das Misstrauen gegenüber Wagenknecht und Lafontaine und deren autoritärem Stil. Es gibt zwischen beiden Milieus keine Brücke.

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