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Leitartikel Trumps Showdown

Die Ermittlungen um die Beziehungen des US-Präsidenten zu Russland gehen bald in die entscheidende Phase. Aber noch hat er nicht verloren.

Donald Trump
Donald Trump: Beschwerden über die Nachforschungen. Foto: dpa

Der US-Präsident macht Ferien, und sein Golfplatz in New Jersey ist akkurat manikürt. Doch als der Kongressabgeordnete Lindsey Graham den Urlauber am vorigen Wochenende im Örtchen Bedminster besuchte, um mit ihm ein paar Bälle zu schlagen, war dieser nicht ganz bei der Sache. Bestimmt zwanzig Mal, berichtete der Vertraute anschließend, habe Donald Trump über die vermaledeite Russland-Untersuchung von Sonderermittler Robert Mueller gewettert.

So geht das seit Monaten. Gebetsmühlenartig beschwert sich Trump in Tweets und Reden über die Nachforschungen, und er insistiert lautstark, dass er im Wahlkampf nicht mit dem Kreml zusammengearbeitet habe. Trump ist besessen von dem Thema: Vor wenigen Tagen hat er seinen – gar nicht zuständigen – Justizminister aufgefordert, das Verfahren sofort einzustellen. Nun schäumt er: „Dies ist eine illegale, manipulierte Hexenjagd, die von total korrupten und/oder parteiischen Leuten betrieben wird.“

Für jemand mit angeblich reinem Gewissen ist das eine ziemlich befremdliche Reaktion. Immerhin ist der Republikaner Mueller von der Trump-Regierung selbst eingesetzt worden. Auch hält der Präsident mit seinen maßlosen Ausfällen paradoxerweise die Affäre stetig in den Schlagzeilen und liefert den Ermittlern nach dem fatalen Rausschmiss von FBI-Chef James Comey immer weitere Indizien für eine Justizbehinderung. Doch irgendein Impuls ist stärker als rationale Erwägungen.

Ist das nur der krankhafte Narzissmus des Möchtegern-Autokraten, der keine Infragestellung seines Egos erträgt? Oder gibt es doch ein schmutziges, möglicherweise gar landesverräterisches Geheimnis, dessen Aufdeckung Trump um jeden Preis verhindern will? Jedenfalls werden die Attacken des Präsidenten immer wütender.

Die aktuelle Nervosität des Präsidenten hat Gründe. Sein engstes Umfeld wird derzeit von der Justiz auseinandergenommen. Ex-Sicherheitsberater Michael Flynn, Trumps wichtigster außenpolitischer Ratgeber im Wahlkampf, und Michael Cohen, sein langjähriger Privatanwalt, haben alte Loyalitäten aufgekündigt und arbeiten mit Mueller zusammen. Gerade versucht der Sonderermittler, Trumps ehemaligen Wahlkampfmanager Paul Manafort mit der Aussicht auf eine jahrzehntelange Haftstrafe wegen Bank- und Steuerbetrugs weichzuklopfen.

Das Trio lässt Trump wie einen Mafiapaten erscheinen: Flynn machte während des Wahlkampfs anrüchige Geschäfte mit türkischen Auftraggebern und belog das FBI. Cohen war Trumps „Mann fürs Grobe“, der die Affären des Milliardärs mit sechsstelligen Summen zum Schweigen brachte. Manafort, der Mann mit der Jacke aus Pythonhaut, wurde angeheuert, als er sein exzentrisches Luxusleben nicht mehr mit Schwarzgeld aus dem Ausland finanzieren konnte.

So wie der Baulöwe Trump, der dort einst einen „Miss Universe“-Wettbewerb veranstaltete, hatten seine Vertrauten viele Verbindungen nach Russland: Flynn kassierte 30 000 Dollar für die Teilnahme an einer Gala mit Wladimir Putin und besprach vertraulich mit dem russischen Botschafter in Washington eine mögliche Lockerung der Sanktionen. Manafort hat zweistellige Millionenbeträge mit der Beratung von pro-russischen Oligarchen in der Ukraine verdient.

Das alles hat ein derbes Geschmäckle. Höchst befremdlich sind auch die Umstände eines Treffens von Donald Trumps Sohn und Manafort im Trump-Tower mit einer Kreml-nahen Anwältin, die belastendes Material über Hillary Clinton besorgen sollte. Trump senior hat sich darüber in irre Widersprüche verwickelt. Sein bizarrer Auftritt in Helsinki verstärkte zuletzt den Eindruck, dass Putin irgendetwas gegen ihn in der Hand hat.

Doch trotz umfangreicher Anklagen gegen russische Internet-Trolle und Geheimdienstoffiziere, die den Server der demokratischen Partei gehackt haben sollen, hat Sonderermittler Mueller bislang keine Belege für eine systematische Zusammenarbeit der Trump-Kampagne mit Moskau vorgelegt. Vielleicht hält er sein Ass noch im Ärmel. Vielleicht konzentriert er sich auf den Nachweis, dass Trump – aus welchen Gründen auch immer – die Justiz bei der Aufklärung dieser Vorgänge behindert hat.

Jedenfalls strebt die Arbeit des Ermittlers ihrem Höhepunkt entgegen: der Vernehmung des Präsidenten. Hinter den Kulissen schachern Trumps Anwälte seit Wochen um die Konditionen. Keinesfalls dürfe er zu heiklen Themen befragt werden, fordern sie – ein absurdes Ansinnen. Eigentlich wollen sie die Untersuchung möglichst rasch vom Tisch haben. Immerhin wird im November ein großer Teil des Kongresses gewählt.

Mueller hingegen spielt auf Zeit. Am längeren Hebel sitzt er deswegen nicht unbedingt: So hat Trump mit seinen Dauer-Tweets inzwischen nicht nur bei der eigenen Klientel einen gewissen Überdruss an dem Russen-Thema erzeugt. Vor allem verfügt er über eine finale politische Atombombe: Er könnte Mueller feuern lassen. Trump liebt Duelle. Und er ist impulsiv. Ein dramatischer Showdown des Russen-Dramas nach der Sommerpause scheint nicht ausgeschlossen.

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