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Klimawandel Donald Trumps Faktencheck

Viele zeigen nach „Irma“ mit dem Finger auf Donald Trump, dem Leugner des Klimawandels. Doch die meisten von ihnen sind nicht viel besser. Der Leitartikel.

Naturkatastrophen
Donald Trump hat eine spezielle Haltung zum Klimawandel. Foto: afp

Donald Trump gibt den Krisenpräsidenten. Den Macher, den Anpacker. Man muss ihm attestieren, den Job macht er gar nicht schlecht. Als Hurrikan „Irma“ kurz vor dem US-Bundesstaat Florida stand, twitterte er, „dass alles gar nicht gut aussieht“. Inzwischen ist klar, wie recht er damit hatte.

Mit „Irma“ als Nachfolgerin von „Harvey“ ist in kurzer Zeit die zweite nationale Katastrophe über die USA hereingebrochen. Zum Glück sind die schlimmsten Prognosen nicht eingetroffen, da der Hurrikan seinen Kurs änderte und nicht direkt über Städten wie Miami wütete. Die Schäden der beiden Hurrikane könnten die 70 Milliarden Dollar von Supersturm „Sandy“ übersteigen, der 2012 New York und Umgebung flutete. Es wird Jahre dauern, die Schäden zu beseitigen.

Trump vermeidet die Fehler von Vorvorgänger George W. Bush

Trump vermeidet die Fehler, die Vorvorgänger George W. Bush machte, der „Katrina“ unterschätzte und gelassen zuschaute, wie sein Katastrophenschutzchef im Job dilettierte. Es scheint zwar immer noch der Ex-TV-Star durch, wenn er mit Regenjacke und Baseballkappe auf einen Laster steigt, um mit Blick auf die „Harvey“-Fluten eine markige Ansprache zu halten, dann eine Million Dollar aus dem Privatvermögen spendet und jetzt im „Irma“-Desaster Entschlossenheit demonstriert, in dem er verkündet: Geld spiele keine Rolle, es gehe ihm allein darum, Menschenleben zu retten.

Das ist nicht nur Show. Washington stellte immerhin 30 Milliarden Dollar bereit, um in den Bundesstaaten Texas, Louisiana und Florida schnell helfen zu können und die nationale Katastrophenschutzbehörde einsatzfähig zu machen. Millionen Essensrationen, Trinkwasser und Medikamente können so ins Krisengebiet gebracht werden. Trump fädelte dazu einen Deal ausgerechnet mit den verhassten Demokraten im Kongress ein, und er war, zum Ärger seiner Republikaner, sogar bereit, dafür die nationale Schuldenschranke anzuheben. Auch eisernen Trump-Gegnern dürfte das Respekt abnötigen.

30 Millionen für Texas und Florida

Auf einem anderen Blatt steht, ob Trumps Regierung der Herausforderung, die sich in den beiden Megastürmen zeigt, auch langfristig gewachsen ist. Bisher demonstriert sie das Gegenteil. Erst vor ein paar Wochen hat Trump beim Entwurf für den Bundeshaushalt ausgerechnet die Mittel für Katastrophenvorsorge und -hilfe rasiert. Die Etatposten für genauere Sturmvorhersagen, die staatliche Flutversicherung für Hauseigner, für Hilfen an Landwirte nach Naturkatastrophen, für die Wohnungsbaubehörde, die den Wiederaufbau managen muss – alle gekappt, zum Teil drastisch.

Ob Trump und seine Mannschaft diese Realitätsverweigerung angesichts der unübersehbar steigenden Gefährdungen durch den Klimawandel aufgeben, ist fraglich. „Irma“ war immerhin der größte Hurrikan, der je im Atlantik entstanden ist, und es war das erste Mal seit Beginn der Aufzeichnungen vor 166 Jahren, dass mit Nachfolger „José“ ein zweiter so starker Sturm direkt nachfolgte. Die Mehrheit der US-Amerikaner glaubt auch inzwischen, dass der Klimawandel sich in solchem Phänomenen bemerkbar mache.

In Washington allerdings sind die ideologischen Dämme trotz der Naturdesaster noch nicht gebrochen. Die meisten Republikaner folgen dem von Klimaleugner Trump ins Amt gehievten Chef der US-Umweltbehörde, Scott Pruitt, der Konsequenzen schon mal vorbeugend abgewehrt hat. Es sei jetzt nicht die richtige Zeit, über die Zusammenhänge mit der globalen Erwärmung zur sprechen, warnte er. Innerhalb der Partei ist das Abstreiten von Klimafakten immer noch salonfähig. Es gibt nur wenige, die dagegen opponieren, wie etwa einige Bürgermeister von Küstenorten in Florida.

Klimaleugner im aufgeklärten Europa

Allerdings wäre es falsch, nur auf die postfaktischen Politiker jenseits des Atlantik zu deuten. Klimaleugner haben es im „aufgeklärten“ Europa bisher zwar nicht ins Amt eines Präsidenten oder Regierungschefs geschafft. Doch offenbar ist auch hier kaum einem Entscheidungsträger klar, wie dringend es ist, Klimaschutz und Anpassung richtig anzupacken. Erst vor kurzem warnten Forscher des Joint Research Centre der EU-Kommission davor, dass bei ungebremster Klimaerwärmung am Ende des Jahrhunderts zwei Drittel der Europäer regelmäßig durch Ereignisse wie Hitzewellen oder Starkregen stark beeinträchtigt werden dürften. Bis zu 240.000 vorzeitige Todesfälle könne es dann jährlich geben.

Auf Trump mit dem Finger zu zeigen, verbietet sich gerade auch in Deutschland. Das frühere Klimavorreiterland wird sein CO2-Ziel für 2020 krachend verfehlen – und seine Bürgerinnen und Bürger sind gerade dabei, eine „Klimakanzlerin a. D.“ wiederzuwählen, die den umweltpolitischen Stillstand zu verantworten hat. Zwar hat schon einmal eine „Jahrhundertflut“ einen sicher geglaubten Wahlsieg der Union weggespült. Zu hoffen, dass so etwas wie 2002 erneut geschieht, verbietet sich natürlich. Außerdem: „Harvey“ und „Irma“ müssten als Fingerzeig von jenseits des Atlantik eigentlich reichen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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