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Handelsstreit Donald Trumps fauler Zauber

Trumps Handelsstreit nimmt groteske Züge an. Doch noch immer halten seine Anhänger zu ihm, während die Welt den Atem anhält. Der Leitartikel.

Donald Trump
Trump kann Handelsbilanzen weder lesen noch analysieren, versteht nicht, wie die Europäische Union funktioniert und hält die WTO für eine Quasselbude. Foto: dpa

Die Regierung in Peking warnt ihre Bürger wegen des dortigen exzessiven Schusswaffengebrauchs offiziell vor Reisen in die USA. Schweinefarmer im US-Bundesstaat Minnesota werden die Ohren und Schwänze ihrer Ferkel nicht mehr los, die sie bislang als Delikatesse ins Reich der Mitte ausführten. Waschmaschinen in Nordamerika verteuern sich innerhalb von zwei Monaten um 16 Prozent. Und der US-Präsident fordert seine Anhänger auf, die 1903 in Milwaukee gegründete Kultmarke Harley-Davidson zu boykottieren.

Vor wenigen Monaten noch wären solche Meldungen undenkbar gewesen. Inzwischen markieren sie den eher kuriosen Auftakt eines globalen Handelskriegs, der sich mit atemberaubendem Tempo ausweitet. China hat das Inkrafttreten von US-Strafzöllen auf Importe im Wert von 34 Milliarden Dollar am Freitag mit Sonderabgaben im gleichen Umfang gekontert. Insgesamt belegt Washington jetzt Wareneinfuhren aus aller Welt im Umfang von 165 Milliarden Dollar mit Aufschlägen. So etwas hat es seit den 1930er Jahren nicht gegeben. Doch auch das könnten bald Peanuts sein, wenn Präsident Donald Trump wie angedroht europäische Autos sowie sämtliche Lieferungen aus China sanktioniert.

Nichts spricht dafür, dass der Wüterich im Weißen Haus seinen protektionistischen Amoklauf einstellt. Im Gegenteil stehen die Zeichen auf Eskalation: Trump geht es nicht um die Sache. Er kann Handelsbilanzen weder lesen noch analysieren, versteht nicht, wie die Europäische Union funktioniert und hält die Welthandelsorganisation WTO bestenfalls für eine Quasselbude. Aber als Populist will er seine Basis bei Laune halten. Und als Narzisst muss er sein Selbstbild als größter Dealmacher aller Zeiten verteidigen.

Zölle treffen vor allem Farmer in konservativen Gebieten

Bislang ist das nicht so richtig gelungen. Die Zölle auf Aluminium und Stahl sollten ein Hebel sein, um die Handelspartner zu Zugeständnissen zu zwingen. Stattdessen haben China, die EU, Kanada und Mexiko mit gezielten Nadelstichen reagiert, die vor allem die Farmer in konservativen Gebieten der USA treffen.

Sie werden ihren Käse in Mexiko nicht mehr los, können ihren Orangensaft nicht mehr nach Kanada verkaufen und bleiben auf den Sojabohnen für China sitzen. Das ist auf Dauer unbefriedigend für Trump. Spätestens vor den Kongresswahlen im Herbst muss er Erfolge präsentieren, die weit größer als die Kollateralschäden erscheinen. Nach seiner Logik kann das nur bedeuten: Er wird den Druck erhöhen und den großen Knüppel herausholen.

Die Deutschen sollten sich daher von Nebelkerzen und Spaltungsversuchen wie der Idee einer beiderseitigen Nulllösung für Fahrzeuge nicht täuschen lassen: Die ist mit Frankreich kaum zu machen und würde langwierige Verhandlungen in der WTO erfordern. Trump will aber kurzfristig effektvoll punkten. Alles spricht daher dafür, dass die angedrohten Autozölle tatsächlich kommen – zumal der Präsident aus der eigenen Partei kaum Widerstand zu befürchten hat.

Die beiden prominentesten Freihändler Paul Ryan und Mitch McConnell murmeln ihre Bekenntnisse nur leise in Hinterzimmern. Und viele andere schweigen ganz aus Angst, vom Bannstrahl des Regierungschefs getroffen zu werden.

Die traurigsten Beispiele für den grassierenden Opportunismus geben die republikanischen Gouverneure der Staaten Kentucky und South Carolina, Matt Bevin und Henry McMaster, ab. Bevin hat Steuergeld in eine neue Aluminiumhütte investiert und fabuliert nun ernsthaft, den Bourbon aus seinem Bundesstaat würden die Europäer zu jedem Preis trinken. McMaster beherbergt das größte BMW-Werk der Welt, lässt sich bei Kundgebungen mit Trump von diesem aber voller Stolz für seine Loyalität loben.

Zugeständnisse Europas sind der falsche Weg

Auf solche Speichellecker sollten die Europäer besser nicht setzen. Optimistischer stimmt schon, dass immer mehr US-Wirtschaftsvertreter bis hin zur angesehenen Handelskammer dem Präsidenten widersprechen. Doch dessen Ansehen bei seiner Basis schadet das bislang nicht. Viele Anhänger im Mittleren Westen fühlen sich eher von den Chinesen, den Kanadiern oder den Europäern zu Unrecht bestraft und glauben immer noch, dass der Magier im Weißen Haus am Ende irgendein Kaninchen aus dem Hut zaubern wird.

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