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Handelskrieg Donald Trump würgt die Globalisierung ab

Durch seine Liebe zu Zöllen und Mauern bringt Trump die Globalisierung, wie wir sie kennen, ins Wanken. Ist der Rettungsversuch der EU zum Scheitern verurteilt? Der Leitartikel.

Donald Trump
Donald Trump griff mit dem Instinkt eines Populisten die Abstiegsängste der weißen Industriearbeiter auf und geißelte in seinen Tiraden die Globalisierung. Foto: afp

Über Jahrzehnte hinweg hat nichts das Leben von Milliarden Menschen so geprägt wie die Globalisierung. Seit der Gigant China in die Weltwirtschaft eintrat, Indien sich zu einem ernstzunehmenden Handelspartner entwickelte und Osteuropa sich öffnete, veränderten sich der betriebliche Alltag und das soziale Miteinander auch in Deutschland radikal.

In atemberaubender Geschwindigkeit verlagerten Konzerne ihre Fabriken oder kauften Billigteile in Fernost ein, um sie Tausende Kilometer weiter zu Produkten zusammenzuschrauben. Für Arbeitnehmer gingen alte Sicherheiten verloren.

Vor allem die am unteren Ende der Hierarchie bekamen zu spüren, dass sie ersetzbar wurden. In jüngerer Zeit verstärkte die Digitalisierung mit dem Siegeszug erst von IBM, Intel und Microsoft, dann von Apple und Amazon diese Prozesse. Endlos können Akademiker darüber streiten, welcher der beiden Megatrends die größere Kraft entfaltet. In jedem Fall wirken sie in vielerlei Hinsicht in dieselbe Richtung. Sie schaffen enorme Gewinne für Unternehmen und Verbraucher, die nicht nur Computer, Rückspiegel oder Schrauben, sondern längst auch bei Airbnb Ferienzimmer und bei Uber die Anreise zum Flughafen billiger denn je einkaufen können. Die Angestellten in den Hotels und die Taxifahrer sind die Verlierer. Arbeiter ohne Harvard-Abschluss und IT-Spezialkenntnisse fallen zurück. Gemeinsam verschärfen Globalisierung und Digitalisierung die soziale Ungleichheit.

Und dann? Dann kam Donald Trump. Mit dem Instinkt eines Populisten griff er die Abstiegsängste der weißen Industriearbeiter auf und geißelte in seinen Tiraden die Globalisierung. Seinen Furor richtete er ebenso auf die Digitalkonzerne aus Kalifornien. Denn die zeigen sich mit ihrer liberalen, pluralistischen Weltanschauung tolerant gegenüber Homosexuellen und gegenüber Chinesen, Europäern und sogar gegenüber Mexikanern, die kommerziell verwertbare Talente mitbringen. Die Digitalisierung, die Dominanz von Smartphone, Cloud und 3-D-Drucker wird Trump jedoch nicht stoppen können.

Bei der Globalisierung sieht es anders aus. An diesem Mittwoch unternimmt EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker den nächsten, vielleicht letzten Versuch, das alte Handelssystem zu retten. Prognosen und Trump schließen sich zwar im Grunde aus. Dennoch lässt sich mit einiger Sicherheit feststellen, dass Junckers Mission zum Scheitern verurteilt ist. Von seiner Liebe zu Zöllen, zu Schranken und Mauern wird sich der Globalisierungskritiker im Weißen Haus nicht abbringen lassen.

Trump lässt Verlierer der Globalisierung im Stich

Damit bringt Trump die Globalisierung, wie wir sie kennen, ins Wanken. Ihm hilft dabei, dass die Erosionsprozesse schon vor seinem Amtsantritt begonnen haben. Seit einiger Zeit wundern sich die Fachleute darüber, dass der weltweite Handel nicht mehr so rasant wächst wie gewohnt. Dies könnte daran liegen, dass sich der Schub durch die Integration Chinas in die globale Marktwirtschaft nicht einfach wiederholen lässt. Inzwischen stellt die Volksrepublik ihr Geschäftsmodell um und konkurriert stärker mit den reichen Industrienationen um Hightech-Fertigungen, statt schlicht billig Massenware in die ganze Welt zu liefern. Aber auch politisch wird die Globalisierung schon länger ausgebremst.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bauten Amerika, Europa und Japan die Zölle im Handel radikal ab. Im 21. Jahrhundert scheiterten dagegen alle Versuche kläglich, mit globalen Abkommen den Freihandel voranzutreiben. Mit Stillstand konnten die Freihändler gerade noch leben. Nun aber droht ihnen mit Trump ein Rückschritt oder sogar ein größerer Rückschlag. Ziemlich deutlich zeichnet sich eine neue Wirtschaftsordnung mit vielen Blöcken ab. Europa schafft mit Japan, mit Lateinamerika und mit asiatischen Partnern jeweils eigene Freihandelsräume. Ähnlich gehen die Pazifikstaaten ohne die USA vor. Das ist besser als nur Abschottung und Nationalismus. Oder genauer gesagt: Es ist weniger schlecht.

Die Verlierer der Globalisierung werden nicht profitieren, wenn die großen Wirtschaftsregionen USA, Europa und China sich untereinander bekriegen und mit dem Rest Interessenszonen definieren. Nicht nur am Beispiel von Harley-Davidson zeigt sich, dass die Industriearbeitsplätze in den Vereinigten Staaten damit noch schneller verschwinden werden. Mit seiner aggressiven Wirtschaftspolitik treibt Trump den Dollar nach oben, was die Arbeit in Ohio und Michigan verteuert. Mit den Zöllen erhöht er die Kosten der Industrie, die auf Importe angewiesen ist. Und mit seinen zügellosen Steuersenkungen für die Konzerne nimmt er dem Staat die Handlungsfähigkeit, um die Verlierer der Globalisierung fit zu machen für die Anforderungen im 21. Jahrhundert. Wer in Deutschland, in Amerika oder in Frankreich den Frust über gebrochene Wohlstandsversprechen ernst nimmt, muss die Globalisierung gestalten, statt sie brutal und ohne Verstand abzuwürgen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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