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Griechenland-Rettung Hoffnung für Athen

Griechenland ist auf dem Weg zur finanziellen Selbstständigkeit. Das Krisenland schreibt dabei eine kleine Erfolgsgeschichte. Der Leitartikel.

Ende der Griechenland-Rettung
Die Griechenland-Rettung geht nach acht Jahren zu Ende. Das hoch verschuldete Krisenland bekommt zum Abschluss noch einmal frische Milliardenkredite und Schuldenerleichterungen und soll ab August dann finanziell wieder auf eigenen Beinen stehen. Foto: dpa

Viele Deutsche halten die Griechen schlicht für faul, beklagt Athens Ministerpräsident Alexis Tsipras. Mehr noch: Von hier aus betrachtet erscheint das krisengeplagte Volk manchen als störrisch und undankbar, weil es erst die eigene Wirtschaft ruinierte und sich dann über den Rettungseinsatz der anderen lautstark beschwert.

In Griechenland hat das Deutschlandbild seit Beginn der Krise vor fast einem Jahrzehnt ebenfalls gelitten. Alte Bilder von autoritären, rücksichts- und mitleidslosen deutschen Besatzern vermischten sich mit neuen Ressentiments gegen den Sparzwang und Reformdruck aus Berlin.

Das Griechenland-Drama brachte alles mit, um Europa zu sprengen. Gerade in diesen Zeiten ist es daher wichtig, die positiven Entwicklungen nicht zu übersehen. Von einem Happy End ist das Krisenland weit entfernt. Aber die Wirtschaft wächst wieder. Der Tourismus floriert nach einer langen extremen Schwächephase. Und auch andere Branchen geben Anlass zur Hoffnung.

Die verbesserte wirtschaftliche Basis nutzt der linke Regierungschef Tsipras, um den Staat finanziell zurück in die Selbstständigkeit zu führen. Ganz ohne Absicherung von außen wird es auch in Zukunft nicht gehen. Aber die Ära der demütigenden Rettungsaktionen mit ganz engen Restriktionen für gewählte Regierungen neigt sich dem Ende zu. Und der Euro? Er lebt. Die Währungsunion hat ihre bisher größte Bewährungsprobe bestanden, mit enormen Verwerfungen, mit einer sozialen Krise in historischer Dimension, mit jeder Menge zerstörtem Vertrauen und vernichtetem Kapital. Aber die Untergangspropheten wurden widerlegt.

An Griechenland jedenfalls ist der Euro nicht gescheitert. Im Gegenteil hat die Politik den Weckruf wahrgenommen und arbeitet daran, eine Schönwetter-Konstruktion in eine sturmfeste Währungsunion zu verwandeln. Der tiefe Sturz des kleinen Landes an der Peripherie zeigte beispielhaft, woran der maßgeblich von Deutschland mitgeprägte Euro (teils bis heute) krankt.

Als die Menschen mit der Drachme zahlten, retteten massive Abwertungen der heimischen Währung die vielen kleinen Firmen und Selbstständigen vor der Übermacht der ausländischen Konkurrenz. Als der Euro kam, fiel dieser Schutzschirm weg. Ein Ersatz war nicht vorgesehen, was nicht gutgehen konnte und nicht gutging.

Heute gibt es den Rettungsfonds ESM und jede Menge anderer Instrumente, um mit Staatspleiten oder Bankenkrisen umzugehen. Das Werk ist lange nicht vollendet. Aber Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat Vorschläge unterbreitet, um die Vorbeugung zu verbessern.

Europa muss den Ausgleich ermöglichen

Von ihrem eigenen Land wissen die Bundesbürger, wie die Regionen auseinanderdriften und die boomenden Standorte im Süden und Südwesten die anderen abhängen. Eine wachsende Kluft zwischen prosperierenden und strukturschwachen Gebieten kennzeichnet auch die Währungsunion. Wohl oder übel werden die Deutschen akzeptieren müssen, dass Europa mit ihrer finanziellen Unterstützung einen gewissen Ausgleich ermöglichen muss. Nur so lässt sich der Laden zusammenhalten.

Davon profitiert keine Wirtschaft so sehr wie die deutsche – dieser Befund sollte unstrittig sein. Ein US-Präsident namens Donald Trump führt uns täglich vor, wie wertvoll ein riesiger, offener Markt ohne Zölle und Währungsturbulenzen direkt vor der Haustür für unsere Exportunternehmen und für die Arbeitsplätze im Ruhrgebiet, in Schwaben oder Hessen ist.

Eher in die Irre führen in diesem Zusammenhang Behauptungen, der deutsche Staat bereichere sich an den Griechenland-Hilfen. Richtig ist, dass der Bund dank seiner extrem hohen Kreditwürdigkeit weniger für die Aufnahme von Geld bezahlt als er dafür bekommt, wenn er es weiterreicht. Dennoch waren die Kreditprogramme für den deutschen Finanzminister nie ein Geschäft. Griechenland bekam so günstige Konditionen, dass es durch die Solidarität nach einer Berechnung des Rettungsfonds ESM jedes Jahr mindestens sechs Prozent seiner Wirtschaftsleistung einspart. Auf sich allein gestellt müsste es privaten Investoren diese gewaltige Summe weiterreichen. Der Vorteil für Griechenland übersteigt den Zinsgewinn für Deutschland um ein Vielfaches.

An der deutschen Euro-Strategie lässt sich vieles bemängeln. Der einseitige Sparkurs hat den wirtschaftlichen Niedergang Südeuropas und damit das Leiden der Menschen unnötig verstärkt und verlängert. Aber Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihre Finanzminister hatten nicht ihren Bundeshaushalt im Sinn, als sie die Griechenlandhilfen durchsetzten. Merkel stieß selbst in ihren besten Zeiten mit diesen Anliegen auf massiven Widerstand ihrer Unionsfraktion.

Der Aufstieg der AfD wäre ohne den Missmut über die Griechenlandkredite nicht denkbar gewesen. Heute dominieren andere Themen und ein anderer Frust. Aber Merkel hat für die Griechenlandpakete einen hohen politischen Preis bezahlt. Auch sie wäre froh, wenn sie das Kapitel der Kreditprogramme schließen könnte. 

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