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Gaza Israels Freudentag endet in einer Katastrophe

Israel feiert den Umzug der US-Botschaft, Palästinenser protestieren, Dutzende Menschen werden getötet. Und die Lösung des Konflikts rückt in weite Ferne. Der Leitartikel.

Gaza
Vor sechs Wochen begannen die Proteste. Nun erreichen sie ihren Höhepunkt. Dutzende wurden bei Protesten an der israelischen Grenze getötet. Foto: rtr

Zum Schluss musste alles ganz schnell gehen: Fahnen anbringen, Blumenbeete bepflanzen, Schilder befestigen, Vorplatz umbenennen. Es gab einen weitgehend unbeachteten Harley-Davidson-Korso von der alten US-Botschaft zur neuen, eine euphorische Erklärung des Jerusalemer Bürgermeisters und eine Zeremonie mit Hymne, Reden und Standing Ovations für den Mann, dem das alles zu verdanken ist: Donald J. Trump.

Man hatte den Eindruck, in allerletzter Minute war die Aufregung um die Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem am 70. Jahrestag der Staatsgründung Israels dann doch noch bei den Israelis angekommen. Lange hatte man gar nichts darüber gehört, es war nicht mal klar, wo die Botschaft überhaupt hin soll. So auf die Schnelle.

Israel, so schien es, wusste nicht so richtig, wie es mit diesem unerwarteten Geschenk umgehen soll. Zumal auch Trump am Ende ein wenig das Interesse verlor. Manchmal sagte er, er komme, dann wieder, er komme nicht. Am Ende schickte er seine Tochter und seinen Schwiegersohn nach Jerusalem sowie schöne Grüße per Videobotschaft.

Jerusalem ist nicht Washington oder Amsterdam oder Paris

Es ist die Geste eines Mannes, der einem Land eine Entscheidung aufgedrückt hat, ohne sich nur ein einziges Mal zu fragen, was die Konsequenzen sein werden. Nach mir die Sintflut! Nicht, dass sich das Land darüber nicht freuen würde. 63 Prozent der Israelis begrüßen nach einer Umfrage des Israel Democracy Institute die Verlegung der Botschaft.

Ihre Argumente leuchten ein: Jerusalem ist die Hauptstadt Israels, hier sitzt die Regierung, hier trifft sich die Knesset, das Parlament, hier befindet sich das Oberste Gericht. Warum sollen nicht auch die Botschaften hier ihren Sitz haben? Warum ist die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels überhaupt ein Politikum? Warum ziehen die anderen Länder nicht nach?

Das Problem an diesen Argumenten ist, dass sie nur aus einer einzigen Perspektive betrachtet werden, der von Israel, und dass es mindestens eine andere Perspektive gibt. Denn Jerusalem ist nicht Washington oder Amsterdam oder Paris. Es ist die heilige Stadt, seit Jahrtausenden umkämpft und überladen mit religiösen Symbolen wie keine andere in der Welt.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Israel

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