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Fipronil-Skandal Das tierquälerische System der Ei-Produktion

Beim Eier-Skandal spricht kaum jemand über die Hühner. Wer das aber tut, findet Lösungsansätze für die Lebensmittelkrise. Der Leitartikel.

Legehennen
Man verdrängt gerne, unter welchen Umständen Legehennen in Deutschland Eier produzieren. Foto: dpa

Wer kann sie noch zählen, all diese Eierskandale der vergangenen Jahre? Einst war Nitrofen, später Dioxin in den Eiern gefunden worden; jetzt Fipronil. Gelegentlich wurden Eier aus konventioneller Produktion als Bioeier ausgegeben. Und regelmäßig zeigen Dokumentationen aus dem Inneren der konventionellen und der Bioställe Zustände, die sich kaum ein Verbraucher für diejenigen wünscht, die die Eier tatsächlich produzieren: die Hühner.

Über die spricht derzeit leider kaum einer, daher wollen wir das an dieser Stelle einmal tun: Dass überhaupt so aggressive Reinigungsmittel und sonstige Chemikalien in den Ställen zum Einsatz kommen, liegt daran, dass dort irrwitzig viele Tiere auf irrwitzig geringem Raum leben und koten.

Die Einstreu der Legehennen wird in einem gesamtem Jahr nicht ausgewechselt, Häcksel verwandelt sich in Mist, Sandhäufchen werden zu Bergen von getrocknetem Kot. Fast überall sind die Tiere von Kokzidien befallen, das sind einzellige Parasiten, deren Bekämpfung wiederum Chemikalien erfordert. Medikamente werden in grob berechneter Kollektivdosierung über Wasser und Futter verabreicht, dennoch wandern Infektionen schnell von Tier zu Tier – und es handelt sich um etliche Millionen.

Schlachtung nach einem Jahr

16 Millionen „Suppenhühner“ wurden im ersten Halbjahr 2017 laut den Zahlen des Bundesamts für Statistik bereits geschlachtet. Das umfasst noch nicht die erst wenige Wochen alten Masthühner (300 Millionen), sondern als Suppenhuhn werden ausgediente Legehennen deklariert. Nach ihrer gut einjährigen Legeperiode rentieren sie sich in der Eierproduktion kaum mehr.

Ihre Eier werden zu spärlich, zu groß (gemessen an der Norm) und die Eierschalen dünn oder wellig. Letzteres weist oft auf eine chronische Entzündung der Legeorgane hin. Der Körper dieser Tiere wurde zwar in den vergangenen Jahrzehnten auf das Legen von 300 bis 320 Eiern im Jahr hochgezüchtet, kommt damit aber eben nur eine gewisse Zeit zurecht.

Ich weiß nicht, wie viele der Leserinnen und Leser einmal bei einem Einfangen der Legehennen dabei gewesen sind … Der Trupp der Hühnerfänger kommt nachts, wenn die Vögel ruhiger sind. Dennoch ist überall ein Kreischen und Flattern. Vielen Tieren wird bei diesem Prozess des Einfangens versehentlich ein Flügel gebrochen. Eng in Gitterkisten gestopft, werden sie zum Schlachthof gefahren, oft viele Stunden lang, bei Hitze und Kälte und ohne Futter und Wasser.

Zum anschließenden Reinigen des Stalls werden oft osteuropäische Arbeitskräfte eingesetzt. Die Staubbelastung und der Gestank sind unvorstellbar. Eigentlich muss mit Atemmaske gearbeitet werden, aber aus Gründen der Praktikabilität legen viele Leute sie ab. Arbeiterinnen und Arbeiter packen ihre Frühstückspakete in Räumen aus, in denen ein durchschnittlich abgehärteter Eierkonsument keine Minute lang hätte atmen können, ohne sich zu erbrechen.

Nun zurück zu den Hühnern. Im Schlachthof angekommen, werden sie dort oft noch etwas „geparkt“, stehen da sozusagen „auf Vorrat“, damit der Schlachtprozess nicht stillsteht. Dann werden sie in Ketten eingehängt, ihre ausgemergelten Körper durchs Elektrobad gefahren, geschlachtet. Viele dieser Tiere sind krank. Haben Parasitenbefall, Entzündungen an den Klauen, an der Brust oder an den Organen. Ihre Körper werden dennoch weiterverwertet, und eine individuelle Fleischbeschau gibt es bei Hühnern nicht.

Ob nun mit oder ohne Fipronil, sie gelangen mit Keimen und Medikamentenrückständen in den Handel. Zynisch könnte man rufen: Dann mal „guten“ Appetit mit Frikassee und Nuggets! Die Nichtzynikerin in mir muss immer, wenn sie sich die Lebens- und Sterbenszustände dieser Tiere vor Augen ruft, feststellen: Das ist im Grunde Tierquälerei – nicht im gesetzlichen Sinne, aber im ethischen. Kaum ein Mensch befürwortet, dass Hühner so leben und sterben.

Zeit für den Ausstieg

Wie reagieren Verbraucherinnen und Verbraucher üblicherweise bei einem Lebensmittelskandal? Sie legen eine Pause ein oder kaufen ihre Lebensmittel einfach bei einer anderen Marke. Eier aus einem anderen Bundesland, mit einer anderen Nummer, mit irgendeiner wohlklingenden Zertifikation.

Aber egal, welche Nummer und welches Label auf dem Ei klebt, es entstammt diesem tierquälerischen System, das dann regelmäßig Skandale produziert. Wie wäre es, wenn Sie die Pause einmal als Einstieg zum Ausstieg nutzen?

Während die Eierregale leerstehen und unklar ist, wie viele Eier zweifelhafter Herkunft verarbeitet wurden, rühren Sie eifreie Saucen an, kaufen Sie veganes Eis und googeln nach den Rezepten für eifreie Kuchen.

Das mag anfangs etwas ungewohnt sein, vielleicht schmeckt es nicht ganz genauso. Aber es schmeckt ebenfalls gut, es erspart jährlich 30 Millionen Hühnern ein elendes Leben und einen brutalen Tod. Und dann ist endlich Ruhe mit dem ganzen Skandal-Geeier.

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