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Eon und RWE Überlebensfrage für RWE und Eon

Die Rivalen Eon und RWE wollen sich neu strukturieren, um gemeinsam überleben zu können. Das Konzept ist aber nicht nachhaltig. Der Leitartikel.

RWE und E.ON
Die Fusion der beiden Unternehmen könnte bis zu 5000 Arbeitsplätze kosten. Foto: dpa

Vom früheren RWE-Chef Jürgen Großmann ist das Zitat überliefert, der Ausbau der Solarenergie sei so sinnvoll wie der Anbau von Ananas in Alaska. Das war 2012. Inzwischen hat sich in der Welt der Energieerzeugung einiges getan. Um im Bild zu bleiben: Der Anbau von Ananas ist in Alaska längst zu einem lukrativen Geschäft geworden: Sonnenstrom kann heute hierzulande billiger erzeugt werden als elektrische Energie, die aus neu errichteten Kraftwerken kommt, die Kohle verbrennen.

Großmanns Ananas-Alaska-Szenario belegt die irrlichternde Strategie von RWE in der vergangenen Dekade, die nun in einem zweiten Versuch in einer Neuausrichtung mündet und dabei den Rivalen Eon miteinschließt, der kein Rivale mehr sein soll.

Das Projekt mit Innogy gescheitert

RWE hat unter Großmann die Energiewende zu Beginn des 21. Jahrhunderts systematisch ignoriert und stattdessen auf Altbewährtes gesetzt, nämlich Großkraftwerke, die das Rückgrat der Industriegesellschaft des 20. Jahrhundert waren. Erst viel zu spät, nämlich vor anderthalb Jahren, versuchte Großmanns Nachfolger Peter Terium die Wende im eigenen Konzern durch eine Selbstzerschlagung.

RWE behielt das klassische Geschäft. Die neue Tochter Innogy sollte mit Erneuerbaren, Netzen und Vertrieb punkten. Das Projekt war schon gut ein Jahr nach dem Börsengang von Innogy gescheitert. Deshalb musste Terium im Dezember 2017 gehen. Danach wurde flugs das Zerlegen von Innogy in Angriff genommen – nebst der Kooperation und Aufgabenteilung mit Eon. Grob formuliert: RWE soll sich künftig um die Stromerzeugung aus erneuerbaren und fossilen Quellen kümmern. Die Aufgabe von Eon soll das Geschäft mit Verteilen und Verkaufens des Stroms sein.

Das ist der vielleicht größte industriepolitische Coup in Deutschland seit der Geburt der beiden Konzerne aus dem Geiste der Politik. RWE und Eon sind letztlich aus Zusammenschlüssen regionaler Versorgungsunternehmen entstanden. Beide Konglomerate wurden zu börsennotierten, international agierenden Konzernen ausgebaut – kuratiert von Koalitionen in der Politik.

Reaktorkatastrophe von Fukushima

Manager wussten sich der beinahe bedingungslosen Unterstützung durch die Bundes- und die NRW-Landesregierung sicher. Auch deshalb hielten es die Top-Manager für überflüssig, sich bewegen zu müssen. Doch der erste schwere Schlag war vor rund sieben Jahren die Reaktorkatastrophe von Fukushima, dem der eilig beschlossene Atomausstieg folgte. Mit den AKW werden Geldmaschinen stillgelegt, die zeitweise eine Million Euro pro Anlage und Tag verdienten.

Noch einschneidender ist der technologische Fortschritt bei den Erneuerbaren, der Öko-Strom billiger gemacht hat und noch viel billiger machen wird. Das entwertet Kohlemeiler nachhaltig. Hinzu kommt der Klimaschutz: Will die Bundesregierung wenigstens die Klimaziele für 2030 erreichen, muss sie den Ausbau der Erneuerbaren endlich forcieren – nachdem in den vergangenen vier Jahren Energieminister Sigmar Gabriel (SPD) aus Rücksicht auf RWE und Co. massiv gebremst hat.

Was jetzt geschehen soll, ist der Rettungsversuch 2.0. Vieles spricht dafür, dass der RWE-Eon-Deal in den vergangenen Wochen bei wohlwollender Konsultation von Politik und Gewerkschaften eingefädelt wurde. Es geht darum, Verwerfungen in Form von massenhaftem Stellenabbau in den Konzernen zu verhindern. RWE soll mit einem Mischportfolio aus Grünstrom- und Kohlestrom-Erzeugung ausbalanciert werden.

Überlebensfrage für RWE und Eon

Eon will sich in das Geschäft mit den Netzen retten. Bei den Gebühren für die Durchleitung von Strom sind relativ hohe Erträge gesichert. Diese werden von der Bundesnetzagentur festgesetzt, die dem Wirtschaftsministerium untersteht.

Die Frage ist nur, wie lange das alles trägt? Über diese Legislaturperiode, die bis 2021 geht, wird man sich wohl retten können. Doch danach wird die Überlebensfrage für RWE und Eon erneut gestellt.

Das Geschäft mit den Erneuerbaren ist kein Selbstläufer mehr. Der Kampf um Marktanteile hierzulande und anderswo wird sich in den nächsten Jahren verschärfen. Und da haben zum Beispiel Betreiber von Offshore-Windkraftanlagen wie die dänische Örsted einen Erfahrungs- und Knowhow-Vorsprung.

Auch das Netzgeschäft wird sich massiv verändern. Neue höchst effiziente, dezentrale Konzepte werden sich mit der Digitalisierung durchsetzen – das macht Netze überflüssig. Manager bei RWE und Eon erhalten nun eine weitere Chance, um ihre Firmen unter Spannung zu halten. Das wird anstrengend.

Eon muss ein agiler Dienstleister werden, der mit IT-Anwendungen wie Blockchain bei neuen Formen der Vermarktung von Strom vorne dabei ist. RWE muss so schnell wie möglich raus aus der Kohle und ein schlagkräftiges Team bei der Grünstrom-Erzeugung aufbauen. Verhalten sich die Manager aber so ignorant wie ihre Vorgänger, werden sie um das Jahr 2025 wie Ananasbauern in Alaska dastehen.

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