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Dürre Gezielt helfen

Die Folgen der Dürre treffen nicht alle Landwirte. Nur Geschädigte sollte die Bundesregierung finanziell unterstützen. Der Leitartikel.

Dürre setzt Landwirtschaft zu
Landwirte in ganz Deutschland haben durch Trockenheit massive Ernteeinbußen verzeichnet. Foto: dpa

Wer in diesem Sommer durch ost- und norddeutsche Agrarlandschaften fährt, für den ist die dramatische Lage auf den Äckern und Wiesen unübersehbar. Mais, der allenfalls kniehoch gewachsen und dann verdorrt ist. Wiesen, die knochentrocken den Charakter einer Savanne angenommen haben. Staub wirbelt auf. Manchmal brennt die Steppe sogar.

Doch das ist nicht überall so. Süddeutsche Ackerbauern äußerten sich in den vergangenen Wochen durchaus zufrieden mit der Getreideernte. Lediglich das mögliche Potenzial sei nicht ausgeschöpft worden. Allein diese unterschiedliche Einschätzung der Branche selbst macht klar: Die Lage der Bauern lässt sich nicht über einen Kamm scheren, es gibt extreme regionale Unterschiede. Je nach dem, ob der Bauer auf sandigen Böden ackert oder auf einem Untergrund, der die Winterfeuchte lange speichern kann.

Hilfe mit Grenzen

Genauso differenziert gilt es nun, die Rufe nach Hilfe zu sortieren. Eins vorweg: Landwirtschaft hat einen besonderen Stellenwert, sie ernährt uns. Sie ist in hohem Maße vom Wetter abhängig. Wenn dann ein Supersommer Teile der Ernte vernichtet, dann darf der Staat nicht zögern und muss den Landwirten unter die Arme greifen. Auch wenn bereits im Normalfall rund 42 Prozent der Agrareinkommen der deutschen Landwirte aus staatlichen Kassen kommen.

Aber diese Hilfe muss Grenzen haben: Ein Weizenbauer, der sich mit Blick auf den Weltmarkt beim Abschluss seines Kontrakts mit der Mühle verzockt hat und nun den Brotweizen nicht für 200 Euro je Tonne, sondern für 150 Euro liefern muss, kann keine Hilfe vom Staat erwarten. Die Ernte der Ackerbauern ist dürftig – aber für die meisten Betriebe keineswegs katastrophal, zumal Gerste, Weizen oder Roggen vor vielen Wochen geerntet wurden, als die Dürre gerade erst begann.

Das wirkliche Desaster erleben die Kuh-, Rinder-, Schaf- und Ziegenhalter, weil sie ihre Tiere, wenn es ihr Betriebskonzept überhaupt vorsieht, auf eine Wüstenei treiben oder ihnen das Futter fehlt. Es wächst nichts mehr nach. Deshalb streute Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner den Bauern auch Sand in die Augen, als sie den Anbau von Zwischenfrüchten auf ökologischen Vorrangflächen für Futterzwecke freigab: Diese Saat keimt mangels Feuchtigkeit gar nicht.

Einen ökonomischen Schaden verbuchen natürlich auch all jene, die monokulturellen Mais anbauen, und zwar nicht für Lebensmittel oder Tiermäuler, sondern zum Füttern der mitunter energetisch zweifelhaften Biogasanlagen. Hier verbietet sich eine wie auch immer geartete Hilfe.

Es wird, auch das macht dieser Jahrhundertsommer klar, schnell gemeckert. Dann verlangt der Bauernverband mal so eben eine Milliardenhilfe und ruft nach Zuschüssen für Dürreversicherungen, statt zu fragen, wie man sich als Landwirt selbst besser gegen Katastrophen dieser Art wappnen kann. Vielleicht ist dann der Zuschuss zur Investition in Lagerhaltung von Silage oder Getreide sinnvoller ausgegeben, als immer wieder über Liquiditätshilfen und ähnliche Instrumente aus dem Portemonnaie des Steuerzahlers zu streiten.

Es kann auch nicht sein, dass der Staat weiter Geld für eine Landwirtschaft verpulvert, die selbst das Klimadebakel schürt. Eine Landwirtschaft, die allenfalls  dafür sorgt, dass Deutschland sich als Export-Weltmeister in der Schweineproduktion rühmen kann. Die aber mit ihrer Wirtschaftsweise den Klimawandel mitanheizt und obendrein der Artenvielfalt in der Natur erheblich schadet. Warum soll der Staat beispielsweise eine Landwirtschaft fördern, die Milchvieh mit Übersee-Soja und Getreide statt mit Gras von Wiesen und Weiden füttert? Dieser Unfug gehört abgeschafft, auch weil diese Art der Fütterung äußerst klimawirksam ist.

Klimaschutz ist ein Problem

Der konventionelle Getreideanbau benötigt viel mineralischen Stickstoffdünger, der unter hohem Energieeinsatz hergestellt wird. Die Erzeugung für die Fleisch-Exportmärkte heizt also ein. Der Klimaeffekt der Düngerproduktion aber wird der Landwirtschaft nicht einmal zugerechnet. Zudem kommt die mit Übersee-Futter erzeugte Schweine-gülle bei uns auf die Äcker und verschlechtert die hiesige Klimabilanz. Wer dann rechnet, merkt rasch, dass der Anteil der Landwirtschaft an den Treibhausgasen hierzulande nicht bei zwölf Prozent liegt, sondern darüber.

Die Landwirtschaft selbst muss sich stärker im Klimaschutz engagieren. Sie muss ihren Anbau diversifizieren, sie muss auf einseitige Kulturen und Mastfabriken verzichten, sie muss ökologischer werden. Instabile Hochleistungssysteme gehören beseitigt. Das schützt nicht nur die Landwirtschaft vor den Unbilden der Natur, sondern hilft uns allen.

Im Zuge der anstehenden Reform der EU-Agrarpolitik werden diese Aspekte stärker als bisher debattiert. Aber es darf sich nicht wiederholen, dass - wie so oft - eine auf kurzfristige Gewinnmaximierung erpichte agrarindustrielle Lobby die Regeln diktiert. Subventionen, das ist die Lehre dieses Sommers, müssen künftig an eine klima- und naturfreundliche Landwirtschaft gebunden werden.

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