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Dschamal Khashoggi Ermordeter Regimekritiker als Betriebsunfall

Das Schweigen aus Deutschland in dem barbarischen Fall Khashoggi ist eine Schande. Es reicht nicht, den Zeigefinger zu heben. Der Leitartikel.

Konsulat von Saudi-Arabien in Istanbul
Ein türkischer Polizist patrouliert außerhalb der Residenz des saudischen Generalkonsuls Al-Otaibi, Foto: dpa

Das Muster ist immer dasselbe. „Präsident Putin sagt: Russland war es nicht“, wischte Donald Trump alle Erkenntnisse seiner Geheimdienste über die russische Einmischung in die US-amerikanischen Wahlen beiseite. „Er sagt: Es war nicht so“, sprach er den mutmaßlichen Kinderschänder Roy Moore in Alabama frei. „Gerade habe ich mit dem Kronprinzen von Saudi-Arabien gesprochen, der jede Kenntnis (…) komplett bestreitet“, erklärt er nun nach einem Telefonat mit dem mächtigen Thronfolger Mohammed bin Salman. Dem Ehrenwort autoritärer Männer glaubt der US-Präsident nur allzu gerne.

Schlimmer noch: Im Falle des offenkundig getöteten Journalisten Dschamal Khashoggi macht Trump den mutmaßlichen Täter zum Opfer. „Ich mag es nicht, dass man als schuldig gilt, bis die Unschuld nachgewiesen ist. Wir haben das gerade erlebt“, setzt er den despotischen Wüstenprinzen mit dem amerikanischen Verfassungsrichter Brett Kavanaugh gleich, der Frauen sexuell genötigt haben soll. So krude das von eigener narzisstischer Kränkung geprägte Denken des Präsidenten ist – die Analogie lässt erahnen, wie die „gründliche Untersuchung“ des wahrscheinlichen Mordkomplotts auszugehen droht: Ein paar Schergen werden bestraft, ihre Auftraggeber bleiben im Dunkeln und die Geschäfte mit dem Waffenkunden und Öllieferanten Saudi-Arabien gehen ungestört weiter.

Schergen aus dem Umfeld von Mohammed bin Salman

Man muss einen Moment innehalten, um die ganze Perfidität und den Zynismus dieser Politik zu erfassen. Ein Mann hat am 2. Oktober das Konsulat Saudi-Arabiens im türkischen Istanbul betreten. Der 59-jährige Journalist, ein Freund gemäßigter Muslim-Brüder und der Demokratie, kam in friedfertigster Absicht: Er wollte die Unterlagen für seine geplante Hochzeit am nächsten Tag abholen.

Stattdessen wurde er kaltblütig ermordet. Nicht von irgendwem: Nach türkischen Erkenntnissen war ein 15-köpfiges Spezialkommando einschließlich eines Gerichtsmediziners, der den Mann anfangs bei lebendigem Leib mit einer Knochensäge zerteilt haben soll, eigens aus Riad angereist. Mindestens fünf Schergen stammen aus dem Umfeld von Mohammed bin Salman. Die offiziellen Ausflüchte sind hanebüchen. Alles spricht dafür, dass der saudische Kronprinz in die barbarische Bluttat verwickelt ist.

Ein Mensch wird von einer fremden Macht ausgelöscht, auf europäischem Boden, gerade 1700 Kilometer von Berlin entfernt. Sein Verbrechen: Khashoggi hatte in seinen Büchern und Kolumnen den repressiven Kurs des 33-jährigen Thronfolgers und die anbiedernde Trump’sche Außenpolitik kritisiert.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Saudi-Arabien

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