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Donald Trump Demagogische und verlogene Rede

Donald Trumps „vereintes Amerika“ ist ein armes, ein kleines, ein engherziges, ein ängstliches Amerika. Nichts, worauf man stolz sein kann. Der FR-Leitartikel zur Rede des neuen Präsidenten der USA.

Donald J. Trump. Foto: EPA

Trumps Reden sind Trumps Auftritte. Ich glaube nicht, dass er Amerika wieder groß machen wird, ich glaube ihm noch nicht einmal, dass er das möchte. Aber blond, das weiß ich, hat er es wieder gemacht. Ohne darüber in seiner Rede auch nur ein Wort zu verlieren. Er trat auf, ein alter Mann, der sein Jackett nicht mehr zu bekommt und dessen rote Krawatte bis fast in den Schritt hinein reicht, aber eingebettet in eine Gruppe blonder, langbeiniger Frauen. Barbies – und er, gewissermaßen Kens Großvater, mitten unter ihnen. Und am Ende reckte er nicht, wie er es während der Rede immer wieder getan hatte, den rechten Daumen in die Höhe, sondern die rechte Faust. Eine Drohgebärde. Für den Fall, dass irgendjemand nicht kapiert hatte, worauf es ihm ankam.

Was mir auffiel: Die Rede bestand aus einer kurzen Einleitung – mit dem Dank an die Vorredner, der Begrüßung der Anwesenden Ex-Präsidenten. Daran schloss sich der erste Teil. Ein Blick auf den Ist-Zustand, wie Trump ihn sieht: „Washington blühte – aber das Volk hatte nichts davon. Den Politikern ging es gut – aber die Jobs gingen aus, und die Fabriken wurden geschlossen. Das Establishment schützte sich selbst, aber nicht die Bürger unseres Landes.“ So ging es weiter. Der erste Teil von Donald Trumps Eröffnungsrede war einer Wahlkampfrede des an der Vertreterin des Parteiestablishments Hillary Clinton gescheiterten demokratischen Kandidaten-Kandidaten Bernie Sanders zum Verwechseln ähnlich. Wer immer etwas auszusetzen findet an den USA – von ihnen sprach Trump an keiner Stelle; er sprach nur von Amerika -, er wird in Trumps Rede jede Menge Munition finden. Trump fand kein gutes Haar an dem Amerika, das er übernahm.

Der zweite Teil der Rede blickte, so Trump, in die Zukunft: „Von nun an heißt es: Amerika an erster Stelle.“ Er sagte das, vom gedruckten Redetext abweichend, gleich zweimal. Er konkretisierte das: „Wir werden zwei einfachen Regeln folgen: amerikanische Waren kaufen und Jobs den Amerikanern geben.“ Schon das klingt für unsere Ohren einigermaßen bedrohlich. Was aber werden die Menschen in den baltischen Staaten, in Südkorea oder auch in Deutschland von diesem Satz halten: „Wir haben die Grenzen anderer Nationen verteidigt und uns geweigert, die eigenen zu sichern.“ Und vollends mit der Angst muss man es zu tun bekommen, wenn der frisch gebackene Präsident der größten Atommacht der Welt erklärt: „Ein geeintes Amerika ist überhaupt nicht aufzuhalten.“

Verlogene Rede

Donald Trump hat eine demagogische, eine verlogene Rede gehalten. Der zigfache Milliardär, der von der Politik der rabiaten Einkommensverteilung von unten nach oben profitierte und weiter profitiert, der sich weigerte Steuern zu zahlen, spielt sich auf als Robin Hood und erklärt: „Heute wird nicht die Macht einfach von einer Regierung auf eine andere übertragen oder von einer Partei auf eine andere Partei – heute übertragen wir die Macht von Washington D.C. und geben sie Euch zurück, dem amerikanischen Volk.“ Wer ist das „Wir“? Sein Milliardärskabinett? Das glaube ich nicht. Dieses „Wir“ ist Donald Trump, niemand sonst. Und das amerikanische Volk ist sein Volk. Das blonde, reiche Amerika, das um ihn herumsteht. Man kann „dem“ Volk keine Macht geben. Wer immer das behauptet, ist ein Demagoge. Einer, der behauptet, er spreche im Namen des Volkes und er wisse, was es möchte. Die mehr als 320 Millionen Einwohner der USA sind nicht verdrahtet mit Donald Trump oder irgendjemandem sonst. Damit aus den vielen Willen all dieser Menschen ein gemeinsamer Wille, wenigstens in der einen oder der anderen Frage für den einen oder anderen Zeitpunkt wird, bedarf es vieler Abstimmungen in vielen Institutionen. Demagogie ist der Versuch, diesen Institutionen den Garaus zu machen und an ihre Stelle ein nebulöses „Volk“, ein erlogenes „Wir“ zu setzen.

Donald Trumps Inaugurationszeremonie wurde umrahmt von kurzen Statements der Vertreter unterschiedlicher religiöser Gruppen. Außer einem Juden und einem Mormonen handelte es sich um Christen. Niemand sonst, kein Moslem, kein Buddhist. Das ist Donald Trumps „vereintes Amerika“.

Es ist ein armes, ein kleines, ein engherziges, ein ängstliches Amerika. Nichts, worauf man stolz sein kann. Nichts werde so heiß gegessen, wie es gekocht wird, sagt eine zur Besonnenheit mahnende deutsche Redensart. Man vergisst gerne, dass der Satz stimmt, dass er aber gar zu gerne auch auf Situationen angewandt wird, bei denen es nicht ums Essen, sondern ums Einheizen geht. Dem dienen die Worte der Demagogen. Je weniger von ihren Versprechungen sie verwirklichen können, desto schärfer und aggressiver müssen sie reden. Diesen Weg wird Trump gehen. Er wird nicht zurückstecken. Wird er angegriffen, verbeißt er sich in seinen Gegner. Wen immer er gerade dafür hält. Er hat keine politische Agenda. Er will gewinnen. Sonst nichts.

Ich kenne ihn nicht. Ich beobachte ihn nur und sehe ihm zu.

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