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Deutsche Bank Planlos in die Zukunft

Die Deutsche Bank hat ihren Chef ausgewechselt, aber nicht gesagt, mit welchem Konzept es weitergehen soll. Kann das gutgehen? Der Leitartikel.

Deutsche Bank
Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt. Foto: dpa

Stellen Sie sich vor, Sie werden Chef eines deutschen Konzerns mit fast 100.000 Beschäftigten und einer Bilanzsumme von 1,5 Billionen Euro, der in einer schweren Krise steckt. Die Kosten sind explodiert, die Erträge gering, die Arbeitsmoral eines Teils der Beschäftigten ist schlecht, der Ruf des Unternehmens ebenfalls, die Konzernstrategie Ihrer Vorgänger war unklar. Sie werden vom Aufsichtsratschef von außerhalb des Unternehmens als Sanierer geholt und sollen den Tanker wieder auf Kurs bringen. Wie lange, glauben Sie, brauchen Sie, um das zu schaffen?

Der nun geschasste Chef der Deutschen Bank, John Cryan, hat bei seinem Amtsantritt im Juli 2015 keinen Hehl daraus gemacht, dass es mehrere Jahre dauern wird, das Institut aus der Krise zu führen. Warum dem Aufsichtsratschef des größten deutschen Kreditinstituts, Paul Achleitner, sowie einigen Eigentümern der Deutschen Bank schon jetzt der Geduldsfaden gerissen ist, ist daher unverständlich. Und es schadet der Bank.

Bank weist seit drei Jahren Verluste aus 

Aber einen Schritt zurück: Seit Monaten deutete sich an, dass Achleitner Cryan, den er selbst 2015 nach Frankfurt holte, austauschen will. Selbst dazu öffentlich geäußert hat sich Achleitner natürlich nie. Aber aus der Bank verlautete, Achleitner gehe die Sanierung nicht schnell genug. Das Geldinstitut weist seit drei Jahren Verluste aus, der Aktienkurs ist in Cryans Amtszeit eingebrochen. 

Die Verluste kann man dem Briten aber nur in sehr begrenztem Maße anlasten. 2015 als die Bank ein Minus von 6,8 Milliarden Euro schrieb, war er neu und nur das halbe Geschäftsjahr in dem Institut; zudem fielen Umbaukosten an und hohe Aufwendungen für die Beilegung von alten Rechtsstreitigkeiten, für die Cryan keine Mitschuld trug.

Im darauffolgenden Jahr musste die Bank in den USA 7,2 Milliarden Dollar Strafe wegen fragwürdiger Hypothekengeschäfte lange vor Cryans Amtszeit zahlen. Am Ende des Jahres stand ein Verlust von 1,4 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr dann vernichtete die US-Steuerreform den Gewinn des Kredithauses; es stand mit einem Minus von 735 Millionen Euro da. 

Cyran hat keine gravierenden Fehler gemacht 

Niemand würde wohl behaupten, dass Cryan alles richtig gemacht hat. Die Bank hat weiterhin ein erhebliches Ertrags- und Kostenproblem. Aber: Was hätte ein anderer Manager anders machen können? Was derzeit in der Deutschen Bank passiert, erinnert an Fußball: Wenn es nicht läuft, ist der Trainer schuld.

Dabei hat die Deutsche Bank ein Mitarbeiterproblem. Die Selbstbedienungsmentalität der Investmentbanker ist ungebrochen. Symbolisch dafür steht, dass 800 von ihnen 2017 rund 22 Millionen Spesen fabrizierten – 40 Prozent mehr als im Vorjahr, sozusagen als Entschädigung für nicht gezahlte Boni.

Der Chef der Sparte sah sich genötigt, die Beschäftigten daran zu erinnern, dass etwa Limousinenfahrten oder private Wochenendtrips auf Firmenkosten tabu sind. Im vergangenen Jahr kassierten vor allem die Investmentbanker trotz des Konzernverlusts Boni in Höhe von 2,3 Milliarden Euro. Einen Mentalitätswechsel konnte Cryan nicht bewirken.

Welche Strategie fährt die Bank? 

Es gibt Analysten, die fordern, das Investmentbanking des Instituts herunterzufahren. Dass nun mit Christian Sewing ein Privat- und Firmenkundenexperte Konzernchef wird, könnte als Zeichen dafür gewertet werden, dass diese solideren Geschäftsbereiche die Oberhand gewinnen sollen. Doch Achleitner hat statt Klarheit für Verwirrung gesorgt.

Denn in den vergangenen Wochen war durchgesickert, dass er zahlreiche Top-Banker außerhalb der Bank für den Chefposten rekrutieren wollte. Darunter Richard Gnodde, Europachef von Goldman Sachs und Jean Pierre Mustier, Chef von Unicredit – beides Fachmänner fürs Investmentbanking.

Mit John Thain, Ex-Chef der US-Investmentbank Merrill Lynch, hat Achleitner zudem erst jüngst einen weiteren Experten fürs Investmentbanking in den Aufsichtsrat geholt. Außerdem soll er den ehemaligen UBS-Manager Jürg Zeltner, der Fachmann für das Geschäft mit reichen Privatkunden ist, für die Cryan-Nachfolge angesprochen haben. 

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