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Cyber-Attacke Der große Datenklau

Die Cyber-Attacke zeigt, was passiert, wenn jemand unseren schlampigen Umgang mit Daten ausnutzt. Der Leitartikel.

Daten-Klau
Ein Twitter-Account veröffentlicht private Informationen über Hunderte Politiker, Journalisten und Künstler. Foto: dpa

Es ist zum Heulen. Zur wütenden Empörung reicht die Kraft nicht mehr. Echt jetzt: Was muss denn noch alles passieren?! Seit geraumer Zeit schlagen wir uns mit einem – bestenfalls – gut gemeinten, aber schlecht gemachten Netzwerkdurchsetzungsgesetz gegen die asozialen Hassnetzwerke von Facebook und Co. herum.

Wir sehen unseren Hochsicherheitspolitikern dabei zu, wie sie mit dem fadenscheinigen Verweis auf Terrorismus und Kriminalität unsere digitalen Grundrechte und damit unsere Privatsphäre zerstören. Wir kümmern uns ansonsten nicht um die Datensammelwut der Digitalkonzerne und der Geheimdienste, längst auch haben wir den Skandal um die Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden vergessen, die meisten von uns ließen sich wohl sehr schnell davon überzeugen, dass Stuxnet der Name einer Datingplattform ist.

Ein Hacker-Angriff erschüttert Deutschland

Und nun das: Ein Hackerangriff erschüttert Deutschland. Na klar sind wir wieder einmal vollkommen überrascht. Was nur die Schlussfolgerung zulässt, dass wir uns in den letzten Jahren offenbar nicht mit den wirklich wichtigen, den drängenden Digitalthemen beschäftigt haben.

Am Rande vielleicht tauchte mal das Schlagwort von der Cybersicherheit auf und war mal die Rede davon, unsere Bundeswehr fit für den Cyberkrieg zu machen. Ja, Krieg, darum geht es. Man kann es freundlicher formulieren, wie zum Beispiel unlängst die Bundeskanzlerin, als sie im Zusammenhang der nun endlich auch in Deutschland zu schaffenden Digitalindustrie von unseren Daten als dem Rohstoff der Zukunft sprach. Angela Merkel verbreitet da einige sonnige, staatlicherseits allerdings eher knapp budgetierte Vorstellungen über die künstliche Intelligenz.

Aber spätestens das Wort Rohstoff musste doch hellhörig machen: Um Rohstoffe werden seit jeher Kriege geführt, offene und verdeckte, werden Konflikte angezettelt, niedrigschwellige, asymmetrische.

Das Internet ist kein friedlicher Ort

Das Internet ist kein friedlicher Ort, sondern längst zu einem Datenrohstoffreservoir geworden, um das staatliche wie private Kombattanten erbittert kämpfen: Wer die Macht über unsere Daten hat, herrscht – und verdient.

Das wiederum hat mit einer gewaltigen Umwälzung zu tun, die wir seit dem Entstehen des Internets, spätesten aber seit 20 Jahren beobachten können und die zur Kenntnis zu nehmen uns gleichwohl immer noch sehr schwer zu fallen scheint: Deutschland ist wie andere moderne Gesellschaften auch mehr denn je von diesen Daten abhängig, ein Angriff auf unsere digitale Infrastruktur würde das gesellschaftliche, das wirtschaftliche Leben schlagartig zum Erliegen bringen.

Vor diesem Hintergrund ist nun auch der tausendfache Datenklau zu verstehen, infolgedessen massenhaft sensible Daten von Politikerinnen und Politikern sowie Prominenten veröffentlicht wurden. Selbstverständlich ist die Frage wichtig, wer das getan hat, durchgeknallte Gamer, russische, chinesische oder gar nordkoreanische Hacker, vielleicht aber auch befreundete Geheimdienste oder sonstige Kriminelle.

Schlampiger Umgang mit Daten

Und selbstverständlich ist die Frage wichtig, wie wir uns dagegen schützen, etwa indem wir unsere Daten verschlüsseln und mit starken Passworten sichern, keine Schnüffelapps auf unsere Handys installieren, die Laptopkameras abkleben. Und so weiter und so fort.

Zusammengefasst können wir sagen: Die Cyber-Attacke zeigt überdeutlich, was passiert, wenn jemand mit zureichend technischem Sachverstand sich ernsthaft darum bemüht, unseren schlampigen Umgang mit Daten auszunutzen.

Aber es geht nicht nur um uns Privatnutzer, sondern ebenso auch um gewollte oder versehentliche, in jedem Fall aber unvermeidliche Sicherheitslücken unserer digitalen Gerätschaften und unserer digitalen Infrastruktur insgesamt.

Betroffen von dem Hack sind ja nicht nur Personen, sondern Institutionen, etwa Parlamente, Politikerbüros, Parteizentralen, mithin also demokratische Institutionen. Auf sie zielt die Cyber-Attacke auch. Und sie lässt ahnen, was noch möglich wäre, sollte ein talentierter Hacker sich mal die, sagen wir, Krankenhäuser oder Kraftwerke hierzulande vorknöpfen. Oder einfach mal das Ampelsystem auf unseren Straßen. Das ginge leichter, als wir uns vorstellen möchten.

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