Lade Inhalte...

Bahn-Streik Für die Bahnrevolution

Der Vorstand wird den Forderungen der Eisenbahner nachkommen. Das ist gut so, viele arbeiten am Rande des Zumutbaren. Der Streik macht deutlich, wie immens das Missmanagement ist. Der Leitartikel.

Deutsche Bahn
Die Deutsche Bahn muss dringend reformiert werden. Foto: afp

Ein paar Stunden Warnstreik am frühen Morgen reichten am Montag, um den Schienenverkehr bundesweit aus dem Gleis springen zu lassen. Der Ausstand war vor allem eins: eine Machtdemonstration der Gewerkschaft EVG. Ihre Mitglieder wissen sehr genau, wo die Schwachstellen liegen. Schließlich kämpfen sie tagtäglich darum, dass der Zugverkehr einigermaßen funktioniert. Sie wissen, dass der gesamte Fahrplan auf knappste Kante genäht ist.

Der Verkehr hierzulande ist extrem dicht und er wird mit wachsender Mobilität der Menschen immer dichter. Zugleich aber gibt es immer mehr Baustellen und Langsamfahrstrecken wegen maroder Gleise und Brücken. Es fehlt an Überholstrecken. Die großen Knotenpunkte im Netz sind längst unzulänglich, sie hätten schon vor Jahren ausgebaut werden müssen. Immer dichterer Verkehr auf einer immer mehr zerbröselnden Infrastruktur. Da kann im Normalbetrieb kaum ein Zug noch pünktlich sein. Kommen nur geringe Störfaktoren hinzu, kollabiert das System.

Missmanagement bei der Bahn

Die EVG treibt mit ihrem Know-how den Bahnvorstand vor sich her. Der wird schnell einknicken und den Forderungen der Eisenbahner nachkommen. Das ist gut so. In mehrfacher Hinsicht. Viele Eisenbahner arbeiten am Rande des Zumutbaren. Insbesondere diejenigen, die direkten Kontakt mit dauergenervten Fahrgästen haben. Riesige Überstundenberge haben sich aufgetürmt. Es wird für die EVG-Mitglieder und auch für die Kollegen der Lokführergewerkschaft GDL deutliche Gehaltserhöhungen geben. Das macht die Jobs beim Staatskonzern Bahn zumindest ein bisschen attraktiver. Was die Chance eröffnet, die Personalnot etwas abzumildern.

Der Streik macht schlaglichtartig aber noch viel mehr deutlich: Wie immens das Missmanagement bei der Bahn ist. Das ist der tiefere Grund für die heftige Wirkung der vier Streikstunden am frühen Montagmorgen.

Der Bundesrechnungshof hat schon vor einigen Tagen hanebüchene Versäumnisse und Fehlentwicklungen aufgelistet. Das Fazit: Wenn es so weiter geht, geht es immer weiter bergab. Die Bahn fährt auf Verschleiß und das seit Jahren. Einst sollte der quirlige Hartmut Mehdorn sie für die Börse fit machen. Er drückte die Kosten und zwar mit der Brechstange, indem er die Investitionen für Schienen, Brücken, Weichen und Stellwerke massiv zusammenstutzte. Stattdessen kaprizierte er sich auf wenige extrem teure Prestigeprojekte wie Stuttgart 21. Wobei die Idee einer Börsenbahn auch ohne diese Vorhaben ein Wahnwitz war. Die Bahninfrastruktur kostet viel Geld, die Rendite-Erwartungen des Kapitalmarkts sind deshalb schlicht nicht erfüllbar.

Regierung schaut nur zu

Der Börsengang wurde vor knapp acht Jahren abgeblasen. Doch der Schienenkonzern leidet noch immer unter den Fehlern von damals. Wenn nichts geschieht, wird die Verschuldung weiter steigen. Der Investitionsstau wird größer statt kleiner. Auch weil bei der staatlichen Finanzierung falsche Anreize gesetzt werden.

So ist es aus Sicht des Bahnmanagements plausibel, Brücken und Gleise verrotten zu lassen, bis neu gebaut werden muss. Denn dann handelt es sich um Ersatzinvestitionen, für die der Bund zahlt. Würden Arbeiter die Brücken vorher instand setzen, müsste die Bahn das mit eigenem Geld bezahlen. Deshalb wird dies unterlassen, was absurd ist. Die Bundesregierung weiß das alles, schaut aber untätig zu und hat bislang kein Interesse daran gezeigt, die Modalitäten für die Finanzierung der Bahn zu verändern. Das ist der eigentliche Skandal.

Es braucht eine Bahnreform oder besser eine Bahnrevolution. Dazu muss nicht nur eine wirksame Kontrolle der staatlichen Subventionen gehören. Ineffiziente Strukturen müssen aufgebrochen werden. Zur Deutschen Bahn gehören heute Dutzende teilautonomer Tochterfirmen, deren Aufgaben sich teilweise überschneiden und die eher gegeneinander als miteinander arbeiten.

Die Aufgabe ist gewaltig. Deshalb darf es keine Tabus geben. Auch eine Zerschlagung in einen staatlichen Infrastrukturbetreiber und ein Unternehmen, das Passagiere befördert und Fracht transportiert, muss genau geprüft werden. Im Idealfall bringt das mehr Wettbewerb und pünktliche Züge.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen