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Ausschreitungen in Chemnitz Die neuen Radikalen

Der rechte Rand zieht sein Programm ohne Angst und Rücksicht durch. Aber die Mitte wagt sich an große Gegenentwürfe nicht heran. Und die Linke? Der Leitartikel.

Chemnitz
Am Samstag zogen deutlich mehr Anhänger von AfD, Pegida und „Pro Chemnitz“ durch die Stadt als Gegendemonstranten. Foto: dpa

Ähnlich verhält es sich bei der Verteilung des vorhandenen Reichtums in unserer Gesellschaft. Doch auch hier bleibt es beim feigen „Weiter so“. Die Superreichen und Konzerne werden verschont, den Hartz-IV-Empfängern wird jeder Cent für Essen, Trinken und Kinderausgaben penibel verrechnet und mit dem verfügbaren Geld werden Klientelinteressen der Mittelschicht bedient, damit wenigstens die bei der Stange bleibt, Stichwort Mütterrente oder Baukindergeld. 

Die Liste ließe sich fast unendlich fortsetzen, Rente, Wohnungsnot, Verkehr, Verödung abgehängter Regionen und so weiter und so fort. 

Die Menschen sind bekanntlich nicht blöd. Immer mehr spüren, dass es mit dem „Weiter so“ eben nicht so weitergeht. Dass da etwas ins Rutschen gekommen ist. Die große Koalition und ihre Kanzlerin der kleinen Schritte sind erkennbar nicht in der Lage, mehr als noch einmal die eine oder andere Stellschraube anzuziehen oder zu lockern. Den wenigen Wachen in ihren Reihen, wie der Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli, wird Angst vor der eigenen Courage gemacht. Sie forderte eine entschlossenere, ja, radikale Auseinandersetzung mit den Rechten – um dann das Wort radikal wieder zurückzunehmen. Weil man es als gewalttätig verstehen könnte. 

Die Rechten scheren solche Bedenken wenig. Sie nutzen die Lage für ihren Angriff auf die liberale Demokratie, den Rechtsstaat. Chemnitz mag da als ein Fanal gelten. Sie verhalten sich ganz selbstverständlich radikal in ihrem Sinne. In der viel beschworenen Mitte aber machen sich eher Resignation und Desinteresse als neues Engagement breit, ein merkwürdiges Schlafwandeln am Rande des Abgrunds. 

Und die Linken? Dies wäre doch eigentlich ihre Stunde, ihre Chance, radikal-realistische Vorschläge zu machen, wie Demokratie, Gerechtigkeit und eine lebenswerte Zukunft für alle zu erreichen sind. Das gilt für die Linken bei Grünen und SPD, für die Partei Die Linke und natürlich für die neue Bewegung Aufstehen. Alle miteinander sollten dafür streiten, dass der Mut und die Fantasie zur radikalem Denken und Handeln wieder ganz normal werden. 

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