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Leitartikel Der Fallout ist längst hier

Natürlich wird Fukushima wie Tschernobyl zum Inbegriff der Unbeherrschbarkeit der Atomtechnik werden. Sie ist lebensfeindlich, sie nimmt kaum Rücksicht auf die so genannte Umwelt, die Grundbedingung für Leben der Erde ist.

12.03.2011 12:58
Von Monika Kappus
Monika Kappus ist Politikredakteurin der Frankfurter Rundschau. Foto: FR

Wir sitzen gebannt am Fernseher. Der Schrecken fährt uns in die Glieder - wir haben Riesenangst vor dem größten anzunehmenden Unfall in Fukushima. Es ist lächerlich zu glauben, dass Menschen in zehn oder 20 Kilometer Entfernung zum Atomkraftwerk in Sicherheit sein könnten.

Es ist die größte anzunehmende Katastrophe. Eben noch waren wir erschüttert von Erdstößen, die Riesenwellen erzeugen, die alles verschlingen, was Menschen sich aufgebaut haben. Wir haben gerätselt, wie viele Japanern die Tragödie wohl das Leben gekostet haben wird. Und überlegt, wie zu helfen wäre. Menschen machen sich in Deutschland und überall auf der Welt bereit, an den Unglücksstätten zu helfen, Leben zu retten. Und plötzlich müssen sie um ihr eigenes fürchten; denn wer ins Katastrophengebiet reist, riskiert, atomar verstrahlt zu werden. Von Stunde zu Stunde wird das Ausmaß des Horrors sichtbarer, der Japan ergreift. Wohin die radioaktive Wolke zieht, ist schwer abzuschätzen. Grenzen kennt die tödliche Strahlung nicht.

Meteorologen und Atomexperten versichern uns: Nach Deutschland kommt der Fallout nicht. Das scheint richtig zu sein. Aber der politisch-gesellschaftliche Fallout ist längst da. Gewiss wird Fukushima ebenso wie Harrisburgh oder Tschernobyl zum Inbegriff der Unbeherrschbarkeit der Atomtechnik. Die haben wir ebenso wie die Japaner hochgerüstet, weil wir uns als Industriegesellschaft einer Lebensweise befleißigen, die langfristig lebensfeindlich ist. Die zu wenig Rücksicht nimmt auf die sogenannte Umwelt, deren Intaktheit aber Grundbedingung für menschliches Leben auf dem Planeten Erde ist. Der Hunger nach scheinbar billiger Energie hat dazu geführt, dass Bedenken gegen eine Technik, die den Super-GAU nicht ausschließen kann, von den sogenannten Verantwortungsträgern im Land wegignoriert werden. Gerade erst wurden die Laufzeiten für Altmeiler verlängert, die wegen ihrer Pannenanfälligkeit längst abgeschaltet gehören. Weil sie abgeschrieben sind, sind sie Gelddruckmaschinen und verdrängen die technisch längst mögliche schnellere Ausbreitung alternativer Energieträger.

Natürlich sagen die Verantwortlichen nun, Japan und Deutschland sind nicht vergleichbar. Das stimmt. Schließlich leben wir hier nicht auf einem tektonisch aufgeladenen Pulverfass. Aber wurde nicht auch den Japanern vorgegaukelt, ihre Atommeiler seien sicher? Und blieb Fukushima-Betreiber Tepco nicht trotz zahlreicher Skandale und Vertuschungsmanöver ein Riesenplayer am japanischen Strommarkt?

Wie - da könnten Sie, liebe Lesende, ein Lied aus Deutschland singen, das den gleichen Grundton hat? Ja, dann haben Sie wohl einfach nicht genug Vertrauen, wenn unsere Atomlobby uns den weltweit höchsten Sicherheitsstandard verspricht.

Und Sie haben recht mit Ihrem Misstrauen. Denn sicher, das zeigen die Bilder aus Japan aufs Drastischste, ist diese Technik nicht zu machen. Todsicher.

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