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Völkermord in Namibia Überfällige Kehrtwende

Endlich will Deutschland Verantwortung für die Verbrechen der Kolonialzeit im damaligen Deutsch-Südwestafrika übernehmen. Das Massaker in Namibia soll künftig als Völkermord bezeichnet werden. Diese Kehrtwende war überfällig. Ein Kommentar.

Die Regierung scheint begriffen zu haben, dass nicht nur der Völkermord an Juden, sondern auch der Genozid an Afrikanern nicht verjährt. Foto: dpa

Nur eine Partei darf von sich behaupten, von Anfang an, also seit 1884, entschiedene Gegnerin der deutschen Kolonialpolitik gewesen zu sein. Die Sozialdemokraten haben jahrzehntelang die Unterwerfung und Ausbeutung der Afrikaner durch die deutschen „Schutztruppen“ bekämpft.

Die Reden ihres Vorsitzenden August Bebel im Reichstag gegen die kolonialen Verbrechen waren legendär: „Es handelt sich einfach um Ausbeutung und Ausraubung der Negerbevölkerung zu Gunsten christlicher Kapitalisten.“

Diese Verbrechen sind in Deutschland seit Jahrzehnten vergessen, noch immer wird nicht einmal der Genozid an den Herero und Nama in Deutsch-Südwestafrika zwischen 1904 und 1908 von der Bundesrepublik offiziell anerkannt.

Seit dem 10. Juli 2015 gilt: „Der Vernichtungskrieg in Namibia von 1904 bis 1908 war ein Kriegsverbrechen und Völkermord.“ So lautet die neue Leitlinie der Bundesregierung, die Formulierung ist einem Antrag des damaligen SPD-Fraktionschefs und heutigen Außenministers Steinmeier von 2012 entnommen.

Endlich scheint die Regierung begriffen zu haben, dass nicht nur der Völkermord an Juden, sondern auch der Genozid an Afrikanern nicht verjährt.

Endlich scheint die SPD an eine ihrer besten Traditionen anzuknüpfen – höchste Zeit.

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