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USA nach dem Anschlag Stimmungsmache statt Mitgefühl

US-Präsident Donald Trump twittert nach dem Anschlag in New York schon Parolen, bevor der Täter verhört werden kann. Trump geht es um Stimmung an der Basis. Der FR-Kommentar.

Trump
Donald Trump setzt auf Ressentiments und Schuldzuweisungen. Foto: NICHOLAS KAMM (AFP)

Entsetzen. Mitgefühl. Ermittlung. Schlussfolgerung. So sollten politisch Verantwortliche auf einen Anschlag wie die mörderische Amokfahrt des Sayfullo S. in New York reagieren. Nur irre Fanatiker können ein solches Blutbad unterstützen, nur menschenverachtende Zyniker können es als hilfreich für ihre Sache betrachten.

Niemand kann in Donald Trumps Kopf schauen. Insofern sollte man sich davor hüten, den US-Präsidenten vorschnell der zweiten Gruppe zuzuordnen. Aber auffällig ist schon, dass bei Trump die Reihenfolge der Handlungen umgekehrt ist: Noch bevor die Ermittler den Attentäter vernommen haben, setzt Trump politische Interpretationen, ideologische Parolen und gewagte Analysen ab. Tatsächlich hätten weder die Mauer zu Mexiko noch ein sofortiger Einreisestopp für alle Muslime das Blutbad des Usbeken verhindern können, der bereits seit 2010 legal in den USA lebte.

Das ist Trump egal. Der Präsident ist gerade wegen dubioser Russland-Kontakte seiner Berater mächtig unter Druck, und mit der Steuerreform kommt er auch nicht richtig voran. Da kommt ihm die Gelegenheit, mit Ressentiments und Schuldzuweisungen etwas Stimmung an der Basis zu machen, zumindest nicht ungelegen.

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