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USA Donald Trump hat den Größten

Während das Regime in Pjöngjang Signale der Entspannung sendet, setzt US-Präsident Trump leider weiter auf Konfrontation. Ein Kommentar.

Donald Trump
US-Präsident Donald Trump heizt mit seinem Tweet über den größeren Atom-Knopf die Stimmung weiter an. Foto: dpa

Die Zuschauerzahlen bei seiner Vereidigung erreichten Rekordniveau. Seine Steuerreform ist die gewaltigste in der Geschichte. Und der Atomknopf auf seinem Schreibtisch ist natürlich größer als der in Nordkorea. Alles falsch. Alles erlogen. Es gibt im Weißen Haus nicht einmal einen Atomknopf, sondern nur eine Plastikkarte, deren Code die Nuklearwaffen im Kriegsfall aktiviert. Man muss kein Psychologe sein, um das freudianische Muster hinter den präpotenten Prahlereien aus dem Oval Office zu erkennen. Der Mensch Donald Trump ist offensichtlich ein ganz armes Würstchen. 

Für Außenstehende könnte der aberwitzige tägliche Ego-Trip des einstigen Reality-TV-Stars durchaus unterhaltsam sein – wäre der Mann nicht Präsident der Vereinigten Staaten. Sollten ihm seine Generäle das Procedere erklären und sich nicht im letzten Moment widersetzen, könnte Trump mit einer einsamen Entscheidung tatsächlich das Leben von Millionen Menschen auslöschen.

Der Gedanke ist erschreckend. Man könnte darüber in Schockstarre und Panik verfallen. Genau das will der Angeber: Eindruck schinden. Angesichts der Absurdität seiner Twitter-Tiraden gelingt das Trump freilich immer weniger: Bevor er am Dienstag dem nordkoreanischen Regime drohte, hatte er sich damit gebrüstet, dass im vergangenen Jahr kein amerikanisches Flugzeug abgestürzt sei und ernsthaft die Verhaftung einer engen Mitarbeiterin von Hillary Clinton gefordert.

Trumps Reaktionen sind Ausdruck seiner Machtlosigkeit

Zwischen den verbalen Ausfällen des Regierungschefs und der realen Welt besteht also oft nur ein lockerer Zusammenhang. Ganz ignorieren kann man sie trotzdem nicht. Aber man sollte sich nicht paralysieren lassen. Die reflexhaften Reaktionen Trumps auf jede Provokation des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-Un sind eher Ausdruck seiner Machtlosigkeit. Mit seinem aberwitzigen Gepolter von Feuer und Wut hat sich Trump inzwischen aller diplomatischer Möglichkeiten beraubt. Sein Ansehen im eigentlich befreundeten Südkorea ist einen Tiefpunkt gefallen. Längst hat Amerika in der Region – wie auch in anderen Teilen der Welt – massiv an Einfluss gewonnen. Und China schickt sich an, die einstige Rolle der Ordnungsmacht zu übernehmen.

Auf dem Schulhof machen oft die Jungs den meisten Lärm, die am wenigsten zu sagen haben. Genauso ist es bei Trump: Vor Ort an der innerkoreanischen Grenze deuten derzeit die Zeichen in eine ganz andere Richtung, als es seine Kraftmeierei vermuten lässt: Gerade wurde eine wichtige Kommunikationsleitung zwischen den beiden Ländern wiederbelebt. Die Regierungen planen, über die Teilnahme Nordkoreas an den Olympischen Winterspielen zu reden. Das klingt eher nach Entspannung als nach Kriegstreiberei. Könnte der skrupellose Diktator in Pjöngjang  am Ende vielleicht rationaler denken als der Präsident der stolzen Vereinigten Staaten von Amerika? Vor gar nicht so langer Zeit wäre das eine unerhörte Frage gewesen. Nun drängt sich der Eindruck förmlich auf. 

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