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Trump und Kim Ein Maulheld findet seinen Meister

Donald Trump ist so versessen auf einen Deal mit historischem Ausmaß, dass er sich von Kim Jong Un vorführen lässt. Ein Kommentar.

Demonstration in Paris
Ein Mann trägt auf einer Demonstration in Paris eine Maske von Donald Trump, der gerade von Kim Jong Un düpiert wird. (Symbolbild) Foto: dpa

Zu den Grundregeln beim Pokern gehört es, den Gegner niemals ins eigene Blatt schauen zu lassen. Wie es scheint, beherrscht der kommunistische Machthaber in Pjöngjang dieses ur-amerikanische Spiel deutlich besser als der Präsident im Weißen Haus.

Mit freundlichen Gesten und vagen Versprechungen hat Kim Jong Un den mächtigsten Mann der Welt seit Wochen in eine Art Rauschzustand versetzt, dem er nun eine eiskalte Dusche folgen lässt. Der von Donald Trump zum Jahrhundertereignis hochstilisierte Gipfel in Singapur steht plötzlich auf der Kippe.

Die wahren Motive für den abrupten Stimmungswechsel des nordkoreanischen Machthabers sind von außen schwer zu ergründen. Klar ist nur, dass er den selbsternannten Meister des Deal-Machens vorgeführt hat. Nicht nur seine Rhetorik hat Trump, der dem „verrückten kleinen Raketenmann“ einst mit der Vernichtung drohte, bis an die Grenze der Anbiederung zurückgefahren. Mit der Einwilligung in einen Handschlag hat er den autoritären Herrscher zum gleichwertigen Partner aufgewertet.

Ohne erkennbare Strategie und Interesse an den zahlreichen Fallstricken der Materie hat Trump einen positiven Ausgang des Treffens schon in seine öffentlichen Erfolgsbilanzen eingepreist. Am Beispiel Nordkoreas, brüstete er sich, werde er den Versagern des Iran-Deals vorführen, wie man einen Paria mit atomaren Ambitionen durch äußerste Härte und geschickte Verhandlungsführung zur Räson bringe. Unverhohlen kokettierte der Narzisst schon mit dem Friedensnobelpreis an seiner Brust.

Trumps Karten liegen damit für jeden sichtbar auf dem Tisch. Nun trumpft Kim auf: Bei einer Absage des Gipfels hat er wenig zu verlieren.

Der Präsident könnte bei Twitter zwar „Feuer und Wut“ vom Stapel lassen. Aber er stünde als eitler Maulheld da.

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